(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben ent­schie­den, dass Auf­wen­dun­gen für den Schul­be­such eines hoch­be­gab­ten Kin­des als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen abzieh­bar sein kön­nen, wenn der Schul­be­such medi­zi­nisch ange­zeigt ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 10. August 2011 zu sei­nem Urteil vom 12. Mai 2011 — VI R 3710.

Nach § 33 Abs. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes wird die Ein­kom­men­steu­er auf Antrag ermä­ßigt, wenn einem Steu­er­pflich­ti­gen zwangs­läu­fig grö­ße­re Auf­wen­dun­gen als der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Steu­er­pflich­ti­gen glei­cher Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se, glei­cher Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se und glei­chen Fami­li­en­stands (außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung) erwach­sen. Hier­zu gehö­ren ins­be­son­de­re Krank­heits­kos­ten und zwar auch dann, wenn sie der Hei­lung oder Lin­de­rung einer Krank­heit die­nen, unter der ein unter­halts­be­rech­tig­tes min­der­jäh­ri­ges Kind des Steu­er­pflich­ti­gen lei­det.

Im Streit­fall wech­sel­te der Sohn der Klä­ger, bei dem ein Intel­li­genz­quo­ti­ent von 133 fest­ge­stellt wor­den war, von der zwei­ten in die vier­te Grund­schul­klas­se. Anschlie­ßend besuch­te er ein Gym­na­si­um. Auf­grund von Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten emp­fahl sowohl der All­ge­mei­ne Sozi­al­dienst als auch die Haus­ärz­tin des Kin­des den Besuch einer Hoch­be­gab­ten­schu­le in Schott­land. Da eine sol­che Schu­le für die Alters­grup­pe, in der sich das Kind in den Streit­jah­ren befand, in Deutsch­land nicht ver­füg­bar war, sei die Unter­brin­gung in Schott­land the­ra­peu­tisch not­wen­dig, um der Fehl­ent­wick­lung des Kin­des ent­ge­gen zu wir­ken und eine blei­ben­de see­li­sche und sozia­le Schä­di­gung zu ver­hin­dern. Ein nach­träg­lich hin­zu­ge­zo­ge­ner Amts­arzt bestä­tig­te die­se Dia­gno­se.

In ihren Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen für die Jah­re 2001 und 2002 mach­ten die Klä­ger Schul- und Inter­nats­kos­ten in Höhe von 51.616 DM (2001) und in Höhe von 23.457 € (2002) erfolg­los als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen gel­tend, weil die medi­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit der Inter­nats­un­ter­brin­gung des Kin­des nicht durch ein zuvor erstell­tes amts­ärzt­li­ches Attest nach­ge­wie­sen wor­den war.

Auf die Revi­si­on der Klä­ger hat der BFH die Vor­ent­schei­dung auf­ge­ho­ben und die Sache zur ander­wei­ti­gen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Finanz­ge­richt (FG) zurück­ver­wie­sen, so Pas­sau.

Da der Nach­weis einer Krank­heit und der medi­zi­ni­schen Indi­ka­ti­on der Behand­lung nach der neu­en BFH-Recht­spre­chung nicht mehr zwin­gend durch ein vor Beginn der Behand­lung ein­ge­hol­tes amts- oder ver­trau­ens­ärzt­li­ches Gut­ach­ten bzw. Attest eines öffent­lich-recht­li­chen Trä­gers geführt wer­den muss, viel­mehr auch noch spä­ter und durch alle geeig­ne­ten Beweis­mit­tel geführt wer­den kann, wird das FG nun zu prü­fen haben, ob der Besuch der schot­ti­schen Schu­le wegen der Hoch­be­ga­bung des Kin­des medi­zi­nisch ange­zeigt war. In einem sol­chen Fall kön­nen die gel­tend gemach­ten Kos­ten unmit­tel­ba­re Krank­heits­kos­ten sein. Dies gilt dann auch für Kos­ten einer aus­wär­ti­gen der Krank­heit geschul­de­ten Inter­nats­un­ter­brin­gung, selbst wenn die­se zugleich der schu­li­schen Aus­bil­dung dient.

Pas­sau emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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