(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben in Ände­rung sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ent­schie­den, dass Auf­wen­dun­gen eines Arz­tes für die Teil­nah­me an einem Fort­bil­dungs­kurs, der mit bestimm­ten Stun­den­zah­len auf die Vor­aus­set­zun­gen zur Erlan­gung der Zusatz­be­zeich­nung “Sport­me­di­zin” ange­rech­net wer­den kann, zumin­dest teil­wei­se als Wer­bungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen sind, auch wenn der Lehr­gang in nicht uner­heb­li­chem Umfang Gele­gen­heit zur Aus­übung ver­brei­te­ter Sport­ar­ten zulässt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 02.06.2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 21. April 2010 — VI R 6604.

Im Streit­fall ging es um den Abzug von Auf­wen­dun­gen für die Teil­nah­me eines ange­stell­ten Unfall­arz­tes an einem sport­me­di­zi­ni­schen Wochen­kurs am Gar­da­see als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit für das Jahr 1999. Die Fort­bil­dung, die von der Ärz­te­kam­mer für den Erwerb der Zusatz­be­zeich­nung “Sport­me­di­zin” aner­kannt wur­de, war an ver­schie­de­ne Vor­aus­set­zun­gen geknüpft, wor­un­ter auch eine Teil­nah­me an den von der Ärz­te­kam­mer aner­kann­ten sport­me­di­zi­ni­schen Kur­sen von ins­ge­samt 120 Stun­den Dau­er fiel. Das Pro­gramm des Kur­ses sah in den frü­hen Mor­gen­stun­den und am spä­ten Nach­mit­tag Vor­trä­ge vor, wäh­rend die Zeit von 9:15 bis 15:45 der Theo­rie und Pra­xis ver­schie­de­ner Sport­ar­ten wie Sur­fen, Biken, Segeln, Ten­nis und Berg­stei­gen vor­be­hal­ten war.

Wäh­rend das Finanz­amt die Auf­wen­dun­gen für die Teil­nah­me an dem Kurs in Höhe von 3 212 DM nicht zum Wer­bungs­kos­ten­ab­zug zuge­las­sen hat­te, gab das Finanz­ge­richt der Kla­ge teil­wei­se mit der Begrün­dung statt, die Auf­wen­dun­gen sei­en zur Hälf­te beruf­lich ver­an­lasst.

Der BFH bestä­tig­te nun die­se Ent­schei­dung, so Passau,j und berief sich dazu auf den Beschluss des Gro­ßen Senats des BFH vom 21. Sep­tem­ber 2009 GrS 106, wonach Auf­wen­dun­gen, die sowohl beruf­lich als auch pri­vat ver­an­lasst sind (sog. gemisch­te Auf­wen­dun­gen) grund­sätz­lich in abzieh­ba­re Wer­bungs­kos­ten und nicht abzieh­ba­re Auf­wen­dun­gen für die pri­va­te Lebens­füh­rung auf­zu­tei­len sind. Nach der neue­ren Recht­spre­chung des Gro­ßen Senats des BFH steht § 12 Nr. 1 Satz 2 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes einer Auf­tei­lung gemischt ver­an­lass­ter Auf­wen­dun­gen auch für Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen nicht mehr ent­ge­gen. Der BFH folg­te daher der Wür­di­gung des Finanz­ge­richts, das die Auf­tei­lung anhand der Zeit­an­tei­le vor­ge­nom­men hat­te, die auf die beruf­lich ver­an­lass­ten Vor­trä­ge einer­seits und die — nach sei­ner Auf­fas­sung — pri­vat ver­an­lass­ten sport­prak­ti­schen Ver­an­stal­tun­gen ande­rer­seits ent­fie­len.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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