(Kiel) Der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat auf Vor­la­ge des I. Senats des BFH vom 7. April 2010 — I R 7708 (BFHE 228, 533, BSt­Bl II 2010, 739) ent­schie­den, dass das Finanz­amt (FA) abwei­chend von der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung im Rah­men der ertrag­steu­er­recht­li­chen Gewinn­ermitt­lung auch dann nicht an die recht­li­che Beur­tei­lung gebun­den ist, die der vom Steu­er­pflich­ti­gen auf­ge­stell­ten Bilanz (und deren ein­zel­nen Ansät­zen) zugrun­de liegt, wenn die­se Beur­tei­lung aus der Sicht eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Kauf­manns im Zeit­punkt der Bilanz­auf­stel­lung ver­tret­bar war.

Das gilt auch für eine in die­sem Zeit­punkt von Ver­wal­tung und Recht­spre­chung prak­ti­zier­te, spä­ter aber geän­der­te Rechts­auf­fas­sung. Im Aus­gangs­ver­fah­ren ist strei­tig, wie die ver­bil­lig­te Han­dy-Abga­be bilanz­steu­er­recht­lich zu beur­tei­len ist.

Für die Beur­tei­lung, ob eine beim FA ein­ge­reich­te Bilanz „feh­ler­haft” in dem Sin­ne ist, dass das FA sich von den Bilanz­an­sät­zen des Steu­er­pflich­ti­gen lösen kann, galt nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des BFH auch hin­sicht­lich der Beur­tei­lung von Rechts­fra­gen ein sub­jek­ti­ver Maß­stab. War die einer Bilanz oder einem Bilanz­an­satz zugrun­de lie­gen­de recht­li­che Beur­tei­lung im Zeit­punkt der Bilanz­auf­stel­lung aus der Sicht eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Kauf­manns ver­tret­bar, war das FA dar­an bei der Steu­er­fest­set­zung auch dann gebun­den, wenn die­se Beur­tei­lung objek­tiv feh­ler­haft war.

Die­se Recht­spre­chung, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 27.03.2013 zu sei­nem Beschluss vom 31.01.13 — GrS 110 -, hat der Gro­ße Senat des BFH nun­mehr auf­ge­ge­ben. Eine Bin­dung des Finanz­amts an eine objek­tiv unzu­tref­fen­de, aber im Zeit­punkt der Bilanz­auf­stel­lung aus der Sicht eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Kauf­manns ver­tret­ba­re recht­li­che Beur­tei­lung, die der vom Steu­er­pflich­ti­gen auf­ge­stell­ten Han­dels oder Steu­er­bi­lanz oder deren ein­zel­nen Ansät­zen zugrun­de liegt, las­se sich weder aus § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG noch aus § 4 Abs. 2 EStG ablei­ten. Die Finanz­ver­wal­tung und die Gerich­te sei­en ins­be­son­de­re aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den ver­pflich­tet, ihrer Ent­schei­dung die objek­tiv rich­ti­ge Rechts­la­ge zugrun­de zu legen. Dies gel­te unab­hän­gig davon, ob sich die unzu­tref­fen­de Rechts­an­sicht des Steu­er­pflich­ti­gen zu sei­nen Guns­ten oder zu sei­nen Las­ten aus­ge­wirkt habe. Eine Über­gangs­re­ge­lung sei nicht zu tref­fen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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