(Kiel)  Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat soeben in einem Mus­ter­pro­zess ent­schie­den, dass der Arbeits­lohn eines Pilo­ten, der in Deutsch­land wohnt, aber an Bord eines Flug­zeugs im inter­na­tio­na­len Ver­kehr für eine iri­sche Flug­ge­sell­schaft tätig ist, in Deutsch­land nicht besteu­ert wer­den kann.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 28.03.2012 zu sei­nem Urteil vom 11. Janu­ar 2012 — I R 2711.

Hin­ter­grund des Urteils ist eine Rege­lung in dem zwi­schen Deutsch­land und Irland geschlos­se­nen Abkom­men zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung (DBA). Danach gebührt das Besteue­rungs­recht für die Arbeits­löh­ne des Bord­per­so­nals von Flug­zeu­gen im inter­na­tio­na­len Ver­kehr immer dem­je­ni­gen Ver­trags­staat, in dem sich die Geschäfts­lei­tung der Flug­ge­sell­schaft befin­det. Irland macht von sei­nem Besteue­rungs­recht aber kei­nen Gebrauch, was für die betref­fen­den Pilo­ten und Ste­war­des­sen, die für iri­sche Flug­ge­sell­schaf­ten arbei­ten, zu letzt­lich unbe­steu­er­ten, sog. “wei­ßen Ein­künf­ten” füh­ren kann. Um das zu ver­hin­dern, hat Deutsch­land ver­sucht, die abkom­mens­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit Irland zu “unter­lau­fen” und das deut­sche Besteue­rungs­recht für die Arbeits­löh­ne zurück­zu­ho­len. Kon­kret sind dies Vor­schrif­ten in § 50d Abs. 8 und Abs. 9 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG). Es wird dis­ku­tiert, ob die­se Vor­schrif­ten — man spricht von einem sog. trea­ty over­ri­de — gegen Grund­sät­ze des Völ­ker­ver­trags­rechts ver­sto­ßen. Im Urteils­fall ist der BFH dar­auf nicht wei­ter ein­ge­gan­gen. Er gab dem kla­gen­den Pilo­ten schon des­we­gen Recht, weil die Vor­schrif­ten infol­ge hand­werk­li­cher Män­gel ihr Ziel nicht errei­chen konn­ten: Um den Arbeits­lohn steu­er­frei ver­ein­nah­men zu kön­nen, genügt es, dass der Pilot den Besteue­rungs­ver­zicht Irlands gegen­über dem Finanz­amt nach­wei­sen kann; das ist ihm gelun­gen. Die eigent­li­che Streit­fra­ge nach der völ­ker­recht­li­chen Zuläs­sig­keit von sog. trea­ty over­ri­de bleibt damit der­zeit unbe­ant­wor­tet. Auch in der Zukunft dürf­te sich an der Steu­er­frei­heit der Arbeits­löh­ne der Pilo­ten nichts ändern: Deutsch­land hat die Mög­lich­keit, sein Besteue­rungs­recht im Abkom­men selbst zu ver­an­kern, auch in dem neu ver­han­del­ten, der­zeit noch nicht in Kraft getre­te­nen DBA-Irland vom 30. März 2011 nicht genutzt.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies. 

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Jörg Pas­sau
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