(Kiel) Das Finanz­ge­richt (FG) Rhein­land-Pfalz hat sich soeben zu der Fra­ge geäu­ßert, ob der im Ein­kom­men­steu­er­ge­setz vor­ge­se­he­ne Ansatz einer zumut­ba­ren Belas­tung im Rah­men der Berech­nung der außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tun­gen bei Krank­heits­kos­ten ver­fas­sungs­wid­rig ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 14.09.2012 zu sei­nem Urteil vom 6. Sep­tem­ber 2012 zur Ein­kom­men­steu­er 2008 (Az.: 4 K 197010).

Unter Hin­weis auf die­ses bei dem FG Rhein­land-Pfalz anhän­gi­ge Ver­fah­ren 4 K 197010 war schon im Vor­feld von meh­re­ren Zeit­schrif­ten den Steu­er­pflich­ti­gen emp­foh­len wor­den, alle Krank­heits­kos­ten zur Berück­sich­ti­gung bei den agB zu bean­tra­gen, und zwar unab­hän­gig davon, ob sie offen­sicht­lich unter dem Betrag der zumut­ba­ren Belas­tung lägen oder nicht und die Ent­schei­dung in die­sem Ver­fah­ren abzu­war­ten.  

Im Streit­fall hat­ten die Klä­ger für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2008 rd. 1.250,- € (u.a. Auf­wen­dun­gen für Chef­arzt­be­hand­lung und Zwei­bett­zim­mer­zu­schlag) an Krank­heits­kos­ten als agB gel­tend gemacht. Das Finanz­amt (FA) sah die Krank­heits­kos­ten ohne wei­te­re Prü­fung dem Grun­de nach als abzugs­fä­hig an. Wegen der zumut­ba­ren Belas­tung in Höhe von rd. 39.000 € (= 6 v.H. des Gesamt­be­tra­ges der Ein­künf­te), ergab sich jedoch kein Abzug als agB.

Mit der dage­gen gerich­te­ten Kla­ge tru­gen die Klä­ger u.a. vor, bei Krank­heits­kos­ten sei stets zu unter­stel­len, dass die Kos­ten zwangs­läu­fig ent­stan­den sei­en. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) habe in sei­ner Ent­schei­dung (13. Febru­ar 2008 2 BvL 106) für den Bereich der Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung dem sub­jek­ti­ven Net­to­prin­zip über den Gleich­heits­satz unmit­tel­ba­ren Ver­fas­sungs­rang ein­ge­räumt, der es erfor­de­re, dass der hier­für — also für die Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge — auf­ge­brach­te Teil des Ein­kom­mens von der Bemes­sungs­grund­la­ge der Ein­kom­men­steu­er voll­stän­dig aus­zu­neh­men sei. Eben­so for­de­re das BVerfG eine rea­li­täts­ge­rech­te, den ent­spre­chen­den Bedarf abde­cken­de Steu­er­frei­heit des Exis­tenz­mi­ni­mums. Der Gleich­heits­satz gebie­te, dass ein sozi­al­hil­fe­glei­ches Ver­sor­gungs­ni­veau in vol­ler Höhe aus steu­er­frei­em Ein­kom­men bestrit­ten wer­den kön­ne.

Die Kla­ge hat­te aller­dings kei­nen Erfolg, so Pas­sau.

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, es sei nicht zu der Über­zeu­gung gelangt, dass im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren die Kür­zung der Auf­wen­dun­gen um die zumut­ba­re Belas­tung ver­fas­sungs­wid­rig sei. Das BVerfG habe in sei­ner ange­spro­che­nen Ent­schei­dung vom Febru­ar 2008 hin­sicht­lich der gebo­te­nen steu­er­min­dern­den Berück­sich­ti­gung von Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen dar­auf abge­stellt, dass die kon­kre­ten Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zur Erlan­gung eines sozi­al­hil­fe­glei­chen Ver­sor­gungs­ni­veaus nach Art und Umfang erfor­der­lich sein müss­ten. Für die gebo­te­ne Berück­sich­ti­gung von Krank­heits­auf­wen­dun­gen bedeu­te dies kon­kret, dass Krank­heits­kos­ten als Kos­ten der Exis­tenz­si­che­rung nicht gene­rell ohne Ein­be­rech­nung einer zumut­ba­ren Belas­tung abge­zo­gen wer­den müss­ten. Ande­res kön­ne allen­falls nur für die medi­zi­ni­schen Leis­tun­gen gel­ten, die ein Sozi­al­leis­tungs­emp­fän­ger — kos­ten­frei — erhal­ten wür­de. Eine exis­ten­zi­el­le Betrof­fen­heit sei bei den danach noch ver­blei­ben­den mar­gi­na­len Auf­wen­dun­gen ange­sichts der Höhe der Ein­künf­te der Klä­ger nicht zu erken­nen; bei den gesam­ten Krank­heits­kos­ten han­de­le es sich um rd. 0,18 v.H. des Gesamt­be­tra­ges der Ein­künf­te. Den Klä­gern ver­blei­be ein Ein­kom­men, das deut­lich weit über dem Regel­satz für das Exis­tenz­mi­ni­mum lie­ge. Im Übri­gen sei auch noch zu beach­ten, dass das BVerfG den Gesetz­ge­ber in der ange­spro­che­nen Ent­schei­dung (vom Febru­ar 2008) erst ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2010 zu einer Neu­re­ge­lung der Berück­sich­ti­gung von Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen auf­ge­for­dert habe, wäh­rend hier das Jahr 2008 im Streit sei.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies und einen etwai­gen Fort­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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