(Kiel) Mit­un­ter­neh­mer im Sin­ne des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes kann nur sein, wer zivil­recht­lich Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft ist oder — in Aus­nah­me­fäl­len — auf­grund eines wirt­schaft­lich dem Gesell­schafts­ver­hält­nis ver­gleich­ba­ren Gemein­schafts­ver­hält­nis­ses Unter­neh­mer­ri­si­ko trägt und Unter­neh­mer­initia­ti­ve ent­fal­ten kann. Die­se ist nicht schon dann zu beja­hen, wenn dem Mit­wir­ken­den ledig­lich „Ent­schei­dun­gen in der gewöhn­li­chen Geschäfts­tä­tig­keit im Ein­zel­fall” über­las­sen sind.

 

Dar­auf ver­weist  der Nürn­ber­ger Erb- und Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­wies auf ein Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH AZ: VII R 3207).

In dem aus­ge­ur­teil­ten Fall betrieb der Lebens­ge­fähr­te (V.) der Klä­ge­rin  in den neu­en Bun­des­län­dern teil­wei­se allein, teil­wei­se mit Drit­ten, ver­schie­de­ne Auto­häu­ser, in denen Fahr­zeu­ge mit hohem Kilo­me­ter­stand, auch mit Unfall­schä­den, erwor­ben und nach Zurück­dre­hen des Tachos und kos­me­ti­schen Maß­nah­men als unfall­freie Fahr­zeu­ge mit nied­ri­ge­rem Kilo­me­ter­stand ver­äu­ßert wur­den.  In einem die­ser in der Rechts­form eines Ein­zel­un­ter­neh­mens betrie­be­nen Auto­häu­ser war die Klä­ge­rin, eine aus­ge­bil­de­te Finanz­kauf­frau, die in den Jah­ren 1989 bis 2002 mit Unter­bre­chun­gen die Lebens­ge­fähr­tin des V. war, seit August 2001 als Ver­käu­fe­rin mit einem förm­li­chen Arbeits­ver­trag tätig. V. trat in den Auto­häu­sern nicht selbst in Erschei­nung, ord­ne­te jedoch an, zu wel­chen Prei­sen an- und ver­kauft wer­den sol­le und wel­che Kilo­me­ter­stän­de die Ver­kaufs­fahr­zeu­ge auf­wei­sen soll­ten. V. ist zwi­schen­zeit­lich unbe­kann­ten Auf­ent­halts.

Auf­grund von Vor­er­mitt­lun­gen der Poli­zei und der Steu­er­fahn­dung führ­te das Finanz­amt  Betriebs­prü­fun­gen durch. Auf­grund der Erkennt­nis­se der Steu­er­fahn­dung sah das Finanz­amt als Betrei­ber des Auto­hau­ses nicht einen Ein­zel­un­ter­neh­mer, son­dern eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR), bestehend aus den Gesell­schaf­tern V. und der Klä­ge­rin, an und setz­te die­ser GbR gegen­über schließ­lich Umsatz­steu­er für 2001 und 2002 fest. Da weder die GbR noch V. in Anspruch genom­men wer­den konn­ten, nahm das Finanz­amt die Klä­ge­rin als Gesell­schaf­te­rin der GbR für die Umsatz­steu­er und Neben­ab­ga­ben in Haf­tung.  Ein­spruch und Kla­ge blie­ben erfolg­los. Das Finanz­ge­richt hielt die Inan­spruch­nah­me der Klä­ge­rin als Mit­un­ter­neh­me­rin für zutref­fend.

Dage­gen wand­te sich ihre Revi­si­on, die der Bun­des­fi­nanz­hof nun auch für begrün­det erach­te­te, so Gie­se­ler.

Vor­aus­set­zung für eine Inan­spruch­nah­me der Klä­ge­rin sei, dass zwi­schen ihr und V. eine OHG bestan­den habe. Da das Finanz­ge­richt gesell­schafts­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen der Klä­ge­rin und V. oder gar eine Ein­tra­gung einer OHG ins Han­dels­re­gis­ter nicht fest­ge­stellt habe, sei die haf­tungs­be­grün­den­de Gesell­schaf­ter­stel­lung der Klä­ge­rin nur dann zu beja­hen, wenn wirt­schaft­lich ein die­sem Gesell­schafts­ver­hält­nis ver­gleich­ba­res Gemein­schafts­ver­hält­nis bestan­den hät­te, in dem sie als Mit­un­ter­neh­me­rin anzu­se­hen sei.

Dem Urteil sei­en kei­ne Fest­stel­lun­gen zu ent­neh­men, wor­aus geschlos­sen wer­den kön­ne, dass die Klä­ge­rin eine ent­spre­chen­de Mit­un­ter­neh­mer­initia­ti­ve ent­fal­tet habe. So sei dem Urteil z. B. nicht zu ent­neh­men, dass die Klä­ge­rin über ihre Ver­kaufs­tä­tig­keit hin­aus Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten bei unter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dun­gen des V. wahr­neh­men konn­te, die zumin­dest den Kon­troll- und Wider­spruchs­rech­ten eines Kom­man­di­tis­ten oder OHG-Gesell­schaf­ters ver­gleich­bar wären.

Eine Mit­un­ter­neh­mer­initia­ti­ve sei nicht schon dann zu beja­hen, wenn dem Mit­wir­ken­den ledig­lich — wie hier fest­ge­stellt — “Ent­schei­dun­gen in der gewöhn­li­chen Geschäfts­tä­tig­keit im Ein­zel­fall” über­las­sen sind. Die Schluss­fol­ge­rung, die Klä­ge­rin habe auf­grund der ihr oblie­gen­den umfas­sen­den Ver­kaufs­tä­tig­keit in dem Auto­haus des V. erheb­li­chen Ein­fluss auf geschäft­li­che Grund­ent­schei­dun­gen gehabt, las­se die Min­dest­an­for­de­rung für die Aus­übung von Gesell­schaf­ter­rech­ten außer Acht. Dass die Klä­ge­rin die betrü­ge­ri­schen Auto­ver­käu­fe in Kennt­nis der Mani­pu­la­tio­nen an den Fahr­zeu­gen und durch eigen­hän­di­ge Ver­än­de­run­gen der unter­zeich­ne­ten Ver­trags­tex­te erst mög­lich gemacht habe, spre­che zwar für eine straf­recht­lich rele­van­te Betei­li­gung an den Betrug­s­ta­ten, besa­ge aber nichts über ihre Betei­li­gung am Unter­neh­men. Die vom Finanz­ge­richt fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen recht­fer­ti­gen daher  nicht die Inan­spruch­nah­me der Klä­ge­rin als Haf­ten­de für die Steu­er­schul­den ihres frü­he­ren Lebens­ge­fähr­ten.

Gie­se­ler emp­fahl, sich am bes­ten erst gar nicht auf der­ar­ti­ge Geschäf­te ein­zu­las­sen und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­che und steu­er­li­che Bera­tung in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a.  auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. — www.duv-verband.de — ver­wies.

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