(Kiel)  Der Bun­des­fi­nanz­hof hat ent­schie­den, dass auf ein (umge­schul­de­tes) Anschaf­fungs­dar­le­hen gezahl­te nach­träg­li­che Schuld­zin­sen auch im Fall einer nicht steu­er­ba­ren Ver­äu­ße­rung der vor­mals ver­mie­te­ten Immo­bi­lie grund­sätz­lich als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung abge­zo­gen wer­den kön­nen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 14.05.2014 zu seine­mUr­teil vom 8. April 2014 — IX R 4513.

Der Klä­ger war an einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) betei­ligt, die im Jahr 1996 ein Mehr­fa­mi­li­en­haus errich­te­te, wel­ches nach Fer­tig­stel­lung der Erzie­lung von Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung dien­te. Die GbR ver­äu­ßer­te das Mehr­fa­mi­li­en­haus im Jahr 2007 — nach Ablauf der Ver­äu­ße­rungs­frist des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG). Der Erlös aus der nicht steu­er­ba­ren Ver­äu­ße­rung der Immo­bi­lie reich­te nicht aus, um die im Zuge der Her­stel­lung des Objekts auf­ge­nom­me­nen Dar­le­hens­ver­bind­lich­kei­ten voll­stän­dig aus­zu­glei­chen. Das ver­blie­be­ne Rest­dar­le­hen wur­de daher antei­lig durch den Klä­ger getilgt. Hier­für muss­te er ein neu­es (Umschuldungs-)Darlehen auf­neh­men; die auf die­ses Dar­le­hen gezahl­ten Schuld­zin­sen mach­te der Klä­ger im Rah­men sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen für die Streit­jah­re 2009 und 2010 als (nach­träg­li­che) Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung gel­tend. Das Finanz­amt berück­sich­tig­te die gel­tend gemach­ten Schuld­zin­sen nicht; das Finanz­ge­richt (FG) gab dem Klä­ger dem­ge­gen­über recht. Der IX. Senat des BFH hob die Vor­ent­schei­dung auf und wies die Sache an das FG zurück. Nach den Fest­stel­lun­gen des FG konn­te der Senat nicht ent­schei­den, ob die gel­tend gemach­ten Schuld­zin­sen im Ein­zel­fall als Wer­bungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen sind.

Die Ent­schei­dung des IX. Senats knüpft an das Urteil vom 20. Juni 2012 IX R 6710 (BSt­Bl II 2013, 275) an, mit dem der BFH den nach­träg­li­chen Schuld­zin­sen­ab­zug auch schon im Fal­le einer nach § 23 EStG steu­er­ba­ren Ver­äu­ße­rung zuge­las­sen hat­te. In sei­ner heu­ti­gen Ent­schei­dung erwei­tert der BFH nun­mehr die Mög­lich­keit des Schuld­zin­sen­ab­zugs: ein sol­cher ist grund­sätz­lich auch nach einer nicht steu­er­ba­ren Ver­äu­ße­rung der Immo­bi­lie mög­lich, wenn und soweit die Ver­bind­lich­kei­ten durch den Ver­äu­ße­rungs­er­lös nicht getilgt wer­den kön­nen. Vor­aus­set­zung ist dafür aber u.a., dass der Steu­er­pflich­ti­ge den aus der Ver­äu­ße­rung der bis­lang ver­mie­te­ten Immo­bi­lie erziel­ten Erlös –soweit nicht Til­gungs­hin­der­nis­se ent­ge­gen­ste­hen– stets und in vol­lem Umfang zur Ablö­sung des Anschaf­fungs­dar­le­hens ver­wen­det. Auch auf Refi­nan­zie­rungs- oder Umschul­dungs­dar­le­hen gezahl­te Schuld­zin­sen erkennt der BFH grund­sätz­lich an, soweit die Valu­ta des Umschul­dungs­dar­le­hens nicht über den abzu­lö­sen­den Rest­dar­le­hens­be­trag hin­aus­geht und die Umschul­dung sich im Rah­men einer markt­üb­li­chen Finan­zie­rung –wozu regel­mä­ßig auch eine ver­trag­lich fixier­te Til­gungs­ver­ein­ba­rung gehört– bewegt. Da das FG die letzt­ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen im Rah­men der Vor­ent­schei­dung nicht geprüft hat, hat der IX. Senat die Sache an das FG zurück­ver­wie­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

 

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Jörg Pas­sau
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