(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat mit Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2007 (I R 5806) ent­schie­den, dass eine Teil­wert­ab­schrei­bung bei Akti­en, die als Finanz­an­la­ge gehal­ten wer­den, immer dann zuläs­sig ist, wenn der Bör­sen­kurs zum Bilanz­stich­tag unter die Anschaf­fungs­kos­ten gesun­ken ist und kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te für ein als­bal­di­ges Anstei­gen vor­lie­gen.

Unter Bezug­nah­me auf die­ses Urteil, so der Nürn­ber­ger Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen nun am 26.03.2009 einen Anwen­dungs­er­lass (AZ.:  IV C 6 — S 2171-b/0) her­aus­ge­ge­ben.

In dem vor dem BFH ver­han­del­ten Fall han­del­te es sich um Infi­ne­on-Akti­en, die zum 31. Dezem­ber 2001 nur noch einen Wert von 50% ihrer Anschaf­fungs­kos­ten hat­ten. Bis zum Zeit­punkt der Erstel­lung der Bilanz war der Bör­sen­kurs jedoch wie­der auf 60% der Anschaf­fungs­kos­ten ange­stie­gen. Die­sen Wert leg­te die Klä­ge­rin, eine GmbH, ihrer Bilanz zu Grun­de. Der BFH hat­te das gebil­ligt.

Eine Teil­wert­ab­schrei­bung sei seit 1999 nur bei einer “vor­aus­sicht­lich dau­ern­den Wert­min­de­rung” zuläs­sig. Ob die­se Vor­aus­set­zung vor­lie­ge, sei danach zu ent­schei­den, ob aus Sicht des Bilanz­stich­tags mehr Grün­de für ein Anhal­ten der Wert­min­de­rung spre­chen als dage­gen. Bei bör­sen­no­tier­ten Wert­pa­pie­ren des Anla­ge­ver­mö­gens spie­gelt nach Auf­fas­sung des BFH der aktu­el­le Bör­sen­kurs die Ein­schät­zung der Markt­teil­neh­mer auch über die künf­ti­ge Ent­wick­lung des Bör­sen­kur­ses wider, so dass dem aktu­el­len Kurs eine grö­ße­re Wahr­schein­lich­keit zukommt, den künf­ti­gen Wert der Wert­pa­pie­re zu pro­gnos­ti­zie­ren, als die ursprüng­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten. Der BFH ver­warf damit die ent­ge­gen­ste­hen­de Pra­xis der Finanz­ver­wal­tung, die in dem Bör­sen­kurs eine blo­ße Wert­schwan­kung sieht.

Unter Bezug auf die­ses Urteil hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen nun klar­ge­stellt, dass die  Grund­sät­ze die­ses Urteils, das nur die Bewer­tung von bör­sen­no­tier­ten Antei­len, die im Anla­ge­ver­mö­gen gehal­ten wer­den, betrifft, prin­zi­pi­ell über den ent­schie­de­nen Ein­zel­fall hin­aus anzu­wen­den sind.

Die vom BFH in dem Urteil offen gelas­se­ne Fra­ge der Behand­lung von Wert­ver­än­de­run­gen inner­halb einer gewis­sen „Band­brei­te” sei nun durch eine zeit­li­che und rech­ne­ri­sche Kom­po­nen­te aus­zu­fül­len. Von einer vor­aus­sicht­lich dau­ern­den Wert­min­de­rung sei dem­nach nur dann aus­zu­ge­hen, wenn der Bör­sen­kurs von bör­sen­no­tier­ten Akti­en zu dem jeweils aktu­el­len Bilanz­stich­tag um mehr als 40 v. H. unter die Anschaf­fungs­kos­ten gesun­ken ist oder zu dem jeweils aktu­el­len Bilanz­stich­tag und dem vor­an­ge­gan­ge­nen Bilanz­stich­tag um mehr als 25 v. H. unter die Anschaf­fungs­kos­ten gesun­ken ist. Sät­ze 5 und 6 der Rz. 4 des BMF-Schrei­bens vom 25. Febru­ar 2000 (BSt­Bl I S. 372), wonach zusätz­li­che Erkennt­nis­se bis zum Zeit­punkt der Auf­stel­lung der Han­dels- bzw. Steu­er­bi­lanz zu berück­sich­ti­gen sind, gel­ten ent­spre­chend.

Die Rege­lun­gen die­ses Schrei­bens kön­nen frü­hes­tens in der ers­ten nach dem 26. Sep­tem­ber 2007 (Datum der BFH-Ent­schei­dung) auf­zu­stel­len­den Bilanz berück­sich­tigt wer­den; sie sind spä­tes­tens in der ers­ten nach dem … März 2009 (Datum der amt­li­chen Ver­öf­fent­li­chung der Ent­schei­dung im BSt­Bl II) auf­stel­len Bilanz anzu­wen­den. Tz. 11 Sät­ze 2 und 3 und Tzn. 18 bis 22 des BMF-Schrei­bens vom 25. Febru­ar 2000 (BSt­Bl I S. 372) sind danach nicht wei­ter anzu­wen­den. Wur­de die Bewer­tung von bör­sen­no­tier­ten Antei­len, die im Anla­ge­ver­mö­gen gehal­ten wer­den bereits in einer vor dem 26. Sep­tem­ber 2007 (Datum der BFH-Ent­schei­dung) auf­ge­stell­ten Bilanz ent­spre­chend den Urteils- und oben genann­ten mit den obers­ten Finanz­be­hör­den der Län­der abge­stimm­ten Grund­sät­zen gebil­det, bleibt die­ser Ansatz bestehen. Eine Ände­rung des Bilanz­pos­tens für vor die­sem Zeit­punkt auf­ge­stell­te Bilan­zen ist im Rah­men einer Bilanz­be­rich­ti­gung mög­lich.

Gie­se­ler emp­fahl Betrof­fe­nen in ähn­li­cher Situa­ti­on, dies zu beach­ten und ohne vor­he­ri­ge aus­führ­li­che steu­er­li­che Bera­tung kei­ne ent­spre­chen­den Gestal­tun­gen vor­zu­neh­men, wobei er u. a.  auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. — www.duv-verband.de — ver­wies.

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