(Kiel) Den Steu­er­be­ra­ter trifft ein gro­bes Ver­schul­den, wenn er sei­nem Man­dan­ten ledig­lich eine „kom­pri­mier­te” Els­ter-Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung zur Über­prü­fung aus­hän­digt, ohne vor­her den maß­ge­ben­den Sach­ver­halt voll­stän­dig zu ermit­teln und sei­nem Man­dan­ten damit die Mög­lich­keit nimmt, die dar­in ent­hal­te­nen Anga­ben auf Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit zu prü­fen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 7.08.2013 zu sei­nem Urteil vom 16. Mai 2013 — III R 12/12.

Der Klä­ger des Aus­gangs­ver­fah­rens hat­te mit sei­ner Lebens­ge­fähr­tin und dem gemein­sa­men Kind zunächst in einem Haus­halt gelebt. Wegen des Zusam­men­le­bens mit der Kinds­mut­ter stand ihm der Ent­las­tungs­be­trag für Allein­er­zie­hen­de nach § 24b des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes von 1.308 € nicht zu, so dass in sei­nen Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen kei­ne ent­spre­chen­den Anga­ben zu machen waren. Nach der Tren­nung von der Lebens­ge­fähr­tin hat­te er erst­mals einen Anspruch auf den Ent­las­tungs­be­trag.

Der vom Klä­ger beauf­trag­te Steu­er­be­ra­ter fer­tig­te — wie in den Vor­jah­ren — die Steu­er­klä­rung für das Jahr 2007 anhand der Anga­ben des Klä­gers an, ohne Kennt­nis von der Tren­nung zu haben. Er leg­te dem Klä­ger eine mit Hil­fe des Pro­gramms „Els­ter” erstell­te kom­pri­mier­te Ein­kom­men­steu­er­klä­rung zur Prü­fung, Unter­zeich­nung und Wei­ter­lei­tung an das Finanz­amt vor. Die­se Steu­er­erklä­rung ent­hielt kei­ne Rubri­ken — und damit auch kei­ne Ein­tra­gun­gen — zum Ent­las­tungs­be­trag für Allein­er­zie­hen­de, wie sie im amt­li­chen Vor­druck in der „Anla­ge Kind” vor­ge­se­hen sind. Das Finanz­amt erließ einen ent­spre­chen­den Ein­kom­men­steu­er­be­scheid.

Der Steu­er­be­ra­ter erlang­te erst nach­träg­lich Kennt­nis von der Tren­nung. Er bean­trag­te für sei­nen Man­dan­ten die Ände­rung des Ein­kom­men­steu­er­be­scheids und die Berück­sich­ti­gung des Ent­las­tungs­be­trags. Eine Ände­rung des Bescheids nach § 173 Abs. 1 Nr. 2 der Abga­ben­ord­nung kam nur in Betracht, wenn weder ein gro­bes Ver­schul­den des Klä­gers noch ein ihm zuzu­rech­nen­des gro­bes Ver­schul­den des Steu­er­be­ra­ters vor­ge­le­gen haben soll­te.

Der BFH bejah­te ein gro­bes Ver­schul­den des Steu­er­be­ra­ters, so Pas­sau.

Indem die­ser dem steu­er­lich uner­fah­re­nen Klä­ger ledig­lich eine kom­pri­mier­te Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung zur Prü­fung über­las­sen habe, ohne den maß­ge­ben­den Sach­ver­halt zu ermit­teln, habe er grob fahr­läs­sig gehan­delt. Damit habe er dem Klä­ger die Mög­lich­keit genom­men, davon Kennt­nis zu neh­men, dass — wie aus den Zei­len 35 ff. der „Anla­ge Kind” des amt­li­chen Vor­drucks ersicht­lich — ein Ent­las­tungs­be­trag für Allein­er­zie­hen­de gewährt wer­den kön­ne und dass inso­weit wei­te­re Anga­ben erfor­der­lich sei­en. Letzt­lich habe der Steu­er­be­ra­ter durch sein Han­deln die Ver­ant­wor­tung dafür über­nom­men, dass die in der von ihm erstell­ten kom­pri­mier­ten Steu­er­erklä­rung auf­ge­führ­ten Anga­ben auch voll­stän­dig waren. Inso­weit sei es auch uner­heb­lich, dass der Aus­druck die­ser Erklä­rung auf die Ver­wen­dung des Pro­gramms „Els­ter” zurück­zu­füh­ren sei.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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