(Kiel) Das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt hat ent­schie­den, dass die Vor­schrif­ten zur Ermitt­lung des geld­wer­ten Vor­teils für die pri­va­te Nut­zung eines vom Arbeit­ge­ber zur Ver­fü­gung gestell­ten Kfz (§ 8 Abs. 2 Satz i.V.m. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG) ver­fas­sungs­ge­mäß sind.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts (NFG) vom 14.10.2011 zu sei­nem Urteil vom 14.09.2011 — 9 K 39410.

Der Klä­ger war im Streit­jahr 2009 als Geschäfts­füh­rer für eine GmbH tätig. Sein Arbeit­ge­ber stell­te ihm ein geleas­tes Gebraucht­fahr­zeug (Neu­wa­gen­lis­ten­preis: 81.400 €; Gebraucht­wa­gen­wert: 31.990 €) als Dienst­wa­gen zur Ver­fü­gung. Bei Berech­nung des geld­wer­ten Vor­teils für die Pri­vat­nut­zung ging das FA unter Anwen­dung der 1%-Regelung vom Brut­to­neu­wa­gen­lis­ten­preis aus und errech­ne­te einen monat­lich zu ver­steu­ern­den Vor­teil von 814 €. Der Klä­ger ver­trat in dem vom Bund der Steu­er­zah­ler unter­stütz­ten Ver­fah­ren die Auf­fas­sung, die sog. 1%-Regelung sei ver­fas­sungs­wid­rig. Sie genü­ge ins­be­son­de­re den für typi­sie­ren­de Rege­lun­gen gel­ten­den Anfor­de­run­gen wegen der fort­dau­ern­den Bezug­nah­me auf den Brut­to­neu­wa­gen­lis­ten­preis nicht mehr. Der Gesetz­ge­ber sei spä­tes­tens im Streit­jahr 2009 ver­pflich­tet gewe­sen, die Bemes­sungs­grund­la­ge nach Abschaf­fung des Rabatt­ge­set­zes und der Zuga­be­ver­ord­nung unter Berück­sich­ti­gung der all­ge­mei­nen Markt­ent­wick­lung im Kfz-Han­del anzu­pas­sen und übli­che Rabatt­ab­schlä­ge (im Durch­schnitt 20%) zu berück­sich­ti­gen. Hier­zu ver­weist der Klä­ger auf das BFH-Urteil vom 17.09.2009 (VI R 18/07, BSt­Bl II 2010, 67), in dem der Bun­des­fi­nanz­hof die unver­bind­li­che Preis­emp­feh­lung eines Auto­mo­bil­her­stel­lers aus den vor­ge­nann­ten Grün­den jeden­falls seit dem Jahr 2003 nicht mehr als geeig­ne­te Grund­la­ge für die Bewer­tung des lohn­steu­er­recht­lich erheb­li­chen Vor­teils eines Per­so­nal­ra­batts für sog. Jah­res­wa­gen ange­se­hen hat. Der ver­fas­sungs­recht­lich bestehen­de Anpas­sungs­zwang kön­ne nicht durch Ver­weis auf die Fahr­ten­buch­me­tho­de (sog. Escape-Klau­sel) unter­lau­fen wer­den.

Der 9. Senat des NFG ist der Rechts­auf­fas­sung des Klä­gers nicht gefolgt, so Pas­sau.

Er hält die Rege­lun­gen nicht für ver­fas­sungs­wid­rig. Ins­be­son­de­re habe der Gesetz­ge­ber nicht gegen Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes ver­sto­ßen, indem er unver­än­dert seit 1996 an dem Brut­to­neu­wa­gen­lis­ten­preis als Bemes­sungs­grund­la­ge fest­ge­hal­ten habe. Zwar ste­he das Recht auf Typi­sie­rung unter dem Vor­be­halt der rea­li­täts­ge­rech­ten Erfas­sung der Wirk­lich­keit. Ein Gleich­heits­ver­stoß wegen Ver­let­zung der Anpas­sungs­ver­pflich­tung lie­ge im Streit­fall gleich­wohl nicht vor. Der Gesetz­ge­ber sei nicht gehal­ten, im Kfz-Han­del gewähr­te übli­che Rabat­te von 10% — über 30%, die zudem vom Her­stel­ler, Modell und vie­len Son­der­fak­to­ren (Ver­käuf­lich­keit, Aus­lauf- oder Son­der­mo­dell) abhän­gig sei­en, bei der Bestim­mung der Bemes­sungs­grund­la­ge zu berück­sich­ti­gen.

Das NFG hat die Revi­si­on zuge­las­sen. Ein Akten­zei­chen des BFH liegt noch nicht vor.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

 

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