(Kiel) Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz (FG) hat ent­schie­den, dass Auf­wen­dun­gen für einen häus­li­chen Tele­ar­beits­platz auch von einer allein­er­zie­hen­den Mut­ter nur ein­ge­schränkt steu­er­lich gel­tend gemacht wer­den kön­nen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz (FG) vom 16.09.2015 zu sei­nem noch nicht rechts­kräf­ti­gem Urteil vom 11. August 2015 (3 K 154413).

Die Klä­ge­rin wohnt im Land­kreis Bern­kas­tel-Witt­lich und ist bei einer Ver­wal­tungs­be­hör­de beschäf­tigt. Nach ihrer Schei­dung traf sie mit ihrem Arbeit­ge­ber eine Ver­ein­ba­rung über Tele­ar­beit, um wei­ter­hin in Voll­zeit arbei­ten und den­noch ihren min­der­jäh­ri­gen Sohn zu Hau­se betreu­en zu kön­nen. Nach die­ser Ver­ein­ba­rung muss­te sie nur vor­mit­tags im Büro anwe­send sein und konn­te am Nach­mit­tag zu Hau­se arbei­ten. Dort nutz­te sie ihre pri­va­te Büro­ein­rich­tung, ihr Arbeit­ge­ber stell­te nur das Ver­brauchs­ma­te­ri­al (Papier, Tin­ten­pa­tro­nen für den Dru­cker, Dis­ket­ten, Soft­ware usw.) zur Ver­fü­gung und erstat­te­te ihr dienst­lich not­wen­di­ge Tele­fon-, Fax- und Inter­net­kos­ten.

In ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für das Streit­jahr 2011 mach­te die Klä­ge­rin die Auf­wen­dun­gen für ihren Tele­ar­beits­platz (1.518,61 €) als Kos­ten eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers gel­tend. Das beklag­te Finanz­amt ver­sag­te den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug mit der Begrün­dung, dass der Klä­ge­rin auch im Ver­wal­tungs­ge­bäu­de ihres Arbeit­ge­bers ein Arbeits­platz zur Ver­fü­gung ste­he.

Kla­ge und Ein­spruch der Klä­ge­rin blie­ben erfolg­los. Zur Begrün­dung ver­wies das FG auf die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­ho­fes (BFH), wonach die Auf­wen­dun­gen für einen Tele­ar­beits­platz im häus­li­chen Arbeits­zim­mer nur dann abzugs­fä­hig sei­en, wenn dem Arbeit­neh­mer kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung ste­he. Im vor­lie­gen­den Fall habe der Klä­ge­rin nicht nur vor­mit­tags, son­dern auch an den Nach­mit­ta­gen ein ande­rer Arbeits­platz in den Räum­lich­kei­ten ihres Arbeit­ge­bers zur Ver­fü­gung gestan­den. Die Klä­ge­rin habe selbst ein­ge­räumt, es sei ihr nicht unter­sagt gewe­sen, ihren dienst­li­chen Arbeits­platz auch nach­mit­tags wei­ter­hin zu nut­zen. Die Nut­zung die­ses Arbeits­plat­zes sei auch nicht des­halb ein­ge­schränkt gewe­sen, weil ihn im Bedarfs­fall bzw. in Zei­ten bestehen­der Raum­not auch ande­re Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen genutzt hät­ten. Dar­aus las­se sich näm­lich nicht her­lei­ten, dass der Arbeits­platz auch dann einer ande­ren Kol­le­gin bzw. einem ande­ren Kol­le­gen zur Ver­fü­gung gestellt wor­den wäre, wenn sie – die Klä­ge­rin — ihn selbst hät­te nut­zen wol­len. Ihr Ein­wand, sie arbei­te zu Hau­se (auch) außer­halb der Dienst­zei­ten, habe eben­falls kei­nen Erfolg. Es rei­che aus, dass sie ihren Arbeits­platz zu den übli­chen Büro­zei­ten nut­zen kön­ne, wenn sie dies wol­le. Dass sie allein­er­zie­hen­de Mut­ter sei und ihren dienst­li­chen Arbeits­platz wegen der Kin­der­be­treu­ung nicht nut­zen kön­ne, sei steu­er­recht­lich grund­sätz­lich unbe­acht­lich. Dabei han­de­le es sich näm­lich um pri­va­te Grün­de, auch wenn Ehe und Fami­lie ver­fas­sungs­recht­lich geschützt sei­en. Der Gesetz­ge­ber habe spe­zi­ell für Allein­er­zie­hen­de eine Steu­er­ver­güns­ti­gung geschaf­fen (Ent­las­tungs­be­trag für Allein­er­zie­hen­de nach § 24 b EStG). Die­se För­de­rung, die auch die Klä­ge­rin erhal­ten habe, sei aus­rei­chend, so dass kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken gegen die Abzugs­be­schrän­kung für das häus­li­che Arbeits­zim­mer ersicht­lich sei­en.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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