Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 9 vom 13. Febru­ar 2020

Steu­er­be­güns­ti­gung für Umwand­lun­gen im Kon­zern nach § 6a GrEStG

Urteil vom 22.8.2019 II R 18/19

Die für die Grund­er­werb­steu­er gel­ten­de Steu­er­be­güns­ti­gung bei Umstruk­tu­rie­run­gen im Kon­zern nach § 6a des Grund­er­werb­steu­er­ge­set­zes (GrEStG) stellt kei­ne uni­ons­recht­lich ver­bo­te­ne Bei­hil­fe dar. Danach ist auch der Fall begüns­tigt, dass eine abhän­gi­ge Gesell­schaft auf ein herr­schen­des Unter­neh­men ver­schmol­zen wird. Das hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 22.08.2019 – II R 18/19 entschieden. 

Die Klä­ge­rin war seit mehr als fünf Jah­ren Allein­ge­sell­schaf­te­rin einer Toch­ter­ge­sell­schaft, die auf die Klä­ge­rin ver­schmol­zen wur­de. Hier­durch gin­gen die Grund­stü­cke der Toch­ter­ge­sell­schaft auf die Klä­ge­rin über. Das Finanz­amt sah dar­in einen steu­er­ba­ren Erwerbs­vor­gang, der auch nicht gemäß § 6a GrEStG begüns­tigt sei. Dem­ge­gen­über ver­trat das Finanz­ge­richt (FG) die Auf­fas­sung, dass die Ver­schmel­zung vom Anwen­dungs­be­reich die­ser Vor­schrift erfasst wer­de. Es gab daher der Kla­ge statt. 

Der BFH bestä­tig­te die Ent­schei­dung des FG. Er führ­te aus, dass nach § 6a GrEStG für bestimm­te steu­er­ba­re Erwer­be auf­grund einer Umwand­lung (z.B. Ver­schmel­zung) die Grund­er­werb­steu­er nicht erho­ben wer­de. Vor­aus­set­zung sei u.a., dass an dem Umwand­lungs­vor­gang ein herr­schen­des Unter­neh­men und eine abhän­gi­ge Gesell­schaft betei­ligt sei­en und die Betei­li­gung des herr­schen­den Unter­neh­mens an der abhän­gi­gen Gesell­schaft in Höhe von min­des­tens 95 % inner­halb von fünf Jah­ren vor dem Rechts­vor­gang und fünf Jah­ren nach dem Rechts­vor­gang bestehe. Wie der Euro­päi­sche Gerichts­hof (EuGH) ent­schie­den habe, stel­le die von § 6a GrEStG gewähr­te Steu­er­be­güns­ti­gung kei­ne uni­ons­recht­lich ver­bo­te­ne Bei­hil­fe dar. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung ist, so der BFH, auch die Ver­schmel­zung der Toch­ter­ge­sell­schaft auf die Klä­ge­rin begüns­tigt. Unschäd­lich sei, dass die Klä­ge­rin nach der Ver­schmel­zung aus umwand­lungs­recht­li­chen Grün­den kei­ne Betei­li­gung an der Toch­ter­ge­sell­schaft mehr hal­ten konn­te und folg­lich der „Ver­bund“ zwi­schen der Klä­ge­rin als herr­schen­dem Unter­neh­men und der grund­be­sit­zen­den Toch­ter­ge­sell­schaft als abhän­gi­ger Gesell­schaft durch die Ver­schmel­zung been­det wor­den sei. 

Anders als das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen leg­te der BFH auch in fünf wei­te­ren Ver­fah­ren (II R 15/19, II R 16/19, II R 19/19, II R 20/19 und II R 21/19) die Steu­er­be­güns­ti­gung zuguns­ten der Steu­er­pflich­ti­gen weit aus. Das gilt sowohl für den in der Norm ver­wen­de­ten Begriff des herr­schen­den Unter­neh­mens als auch für die Fra­ge, wel­che Umwand­lungs­vor­gän­ge von der Steu­er­be­güns­ti­gung erfasst wer­den. In einem Ver­fah­ren (II R 17/19) sah der BFH die Vor­aus­set­zun­gen für die Steu­er­be­güns­ti­gung nicht als erfüllt an.

sie­he auch: Urteil des II. Senats vom 22.8.2019 — II R 18/19 (II R 62/14) -, Urteil des II. Senats vom 21.8.2019 — II R 20/19 (II R 53/15) -, Urteil des II. Senats vom 22.8.2019 — II R 17/19 (II R 58/14) -, Urteil des II. Senats vom 21.8.2019 — II R 15/19 (II R 50/13) -, Urteil des II. Senats vom 21.8.2019 — II R 21/19 (II R 56/15) -, Urteil des II. Senats vom 21.8.2019 — II R 19/19 (II R 63/14) -, Urteil des II. Senats vom 21.8.2019 — II R 16/19 (II R 36/14) -

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