Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 18 vom 04. April 2018

Betriebs­stät­ten­zu­rech­nung und Abgel­tungs­wir­kung bei gewerb­lich gepräg­ter KG im Nicht-DBA-Fall

Urteil vom 29.11.2017 I R 5815

Eine für die Pra­xis der Besteue­rung von Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten im inter­na­tio­na­len Steu­er­recht bedeut­sa­me Rechts­fra­ge hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 29. Novem­ber 2017 I R 5815 beant­wor­tet.

So kann nicht nur eine „gewerb­li­che“, son­dern auch eine ver­mö­gens­ver­wal­tend täti­ge, aber i.S. von § 15 Abs. 3 Nr. 2 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) „gewerb­lich gepräg­te“ inlän­di­sche Kom­man­dit­ge­sell­schaft (KG) ihren aus­län­di­schen Gesell­schaf­tern (hier: chi­le­ni­sche Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten) eine inlän­di­sche Betriebs­stät­te (§ 49 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG i.V.m. § 2 Nr. 1 des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes –KStG – ) ver­mit­teln. Damit ist beim Bezug von (inlän­di­schen) Divi­den­den durch die KG die Abgel­tungs­wir­kung für den Kapi­tal­er­trag­steu­er­ab­zug (§ 32 Abs. 1 Nr. 2 KStG) inso­weit aus­ge­schlos­sen. Fol­ge hier­von ist, dass die aus­län­di­schen Gesell­schaf­ter der KG nach Maß­ga­be ihrer beschränk­ten Steu­er­pflicht ver­an­lagt wer­den und auf die hier­bei sich erge­ben­de Kör­per­schaft- oder Ein­kom­men­steu­er­schuld die auf die Divi­den­den erho­be­ne Kapi­tal­er­trag­steu­er ange­rech­net und ggf. auch erstat­tet wird.

Aller­dings gilt dies nicht unein­ge­schränkt: Übt der Gesell­schaf­ter einer sol­chen (inlän­di­schen) KG im Aus­land eine (wei­te­re) eige­ne unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit aus, ist zu prü­fen, ob die Wirt­schafts­gü­ter des Gesamt­hands­ver­mö­gens der inlän­di­schen Betriebs­stät­te der KG oder aber der durch die eige­ne Tätig­keit des Gesell­schaf­ters im Aus­land begrün­de­ten aus­län­di­schen Betriebs­stät­te zuzu­ord­nen sind. Maß­stab hier­für ist das Ver­an­las­sungs­prin­zip. Dies gilt auch bei Sitz/Ansässigkeit der Gesell­schaf­ter in einem Staat, mit dem kein Abkom­men zur Ver­mei­dung einer Dop­pel­be­steue­rung abge­schlos­sen ist (z.B. Chi­le).

Die­se Prü­fung nach dem Ver­an­las­sungs­prin­zip (ent­schei­dend ist das „aus­lö­sen­de Moment“ für den Erwerb der Betei­li­gung) erfor­dert eine Abwä­gung, ob das Inne­ha­ben der Betei­li­gung, aus der die KG die Divi­den­de erzielt hat­te, über­wie­gend mit der bran­chen­ähn­li­chen (aus­län­di­schen) betrieb­li­chen Tätig­keit der Gesell­schaf­ter im Zusam­men­hang stand. Dazu waren bis­her kei­ne Fest­stel­lun­gen vom Finanz­ge­richt (FG) getrof­fen wor­den, so dass die Sache vom BFH an das FG zurück­ver­wie­sen wur­de.

sie­he auch: Urteil des I. Senats vom 29.11.2017 — I R 5815 -

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/druckvorschau.py?Gericht=bfh&Art=en&nr=36044