Pres­se­mit­tei­lung Nr. 73 vom 07. Dezem­ber 2016

Steu­er­be­ra­tung durch eine im EU-Aus­land nie­der­ge­las­se­ne Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft

Urteil vom 19.10.2016 II R 4412

Im EU-Aus­land nie­der­ge­las­se­ne Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten kön­nen unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen berech­tigt sein, für inlän­di­sche Steu­er­pflich­ti­ge steu­er­be­ra­tend tätig zu wer­den, wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 19. Okto­ber 2016 II R 4412 ent­schie­den hat. Dem liegt ein vom BFH im Wege des Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens ergan­ge­nes Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) zugrun­de (EuGH-Urteil vom 17. Dezem­ber 2015 C-342/14, X-Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft, EU:C:2015:827).

Im Streit­fall hat­te das Finanz­amt (FA) eine Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft mit Sitz in Groß­bri­tan­ni­en und einer Nie­der­las­sung in den Nie­der­lan­den als Bevoll­mäch­tig­te zurück­ge­wie­sen, weil sie eine Umsatz­steu­er­erklä­rung für eine inlän­di­sche GmbH erstellt und an das FA über­mit­telt hat­te. Die aus­län­di­sche Gesell­schaft ist in Deutsch­land nicht als Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft aner­kannt. Die Kla­ge blieb ohne Erfolg.

Der BFH hob die Vor­ent­schei­dung auf und ver­wies den Rechts­streit an das Finanz­ge­richt (FG) zurück. Das FG ist zwar zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass die Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft zum Zeit­punkt der Zurück­wei­sung nach natio­na­lem Recht nicht zur geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen befugt war.

Nach dem Urteil des BFH kann sich die Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft aber unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen auf die uni­ons­recht­lich ver­bürg­te Dienst­leis­tungs­frei­heit beru­fen. Liegt im EU-Aus­land kei­ne dem deut­schen Steu­er­be­ra­tungs­ge­setz ent­spre­chen­de Regle­men­tie­rung vor, kommt es dar­auf an, dass zumin­dest eine nach­hal­ti­ge Berufs­aus­übung gege­ben ist. Letz­te­res erfor­dert, dass in den letz­ten zehn Jah­ren min­des­tens zwei Jah­re lang eine steu­er­be­ra­ten­de Tätig­keit im Aus­land aus­ge­übt wur­de. Zudem muss ein Berufs­haft­pflicht­schutz vor­lie­gen. Hier­zu hat das FG im zwei­ten Rechts­gang wei­te­re Fest­stel­lun­gen zu tref­fen. Das FG hat dabei auch zu prü­fen, ob die Klä­ge­rin auf­grund einer im Inland unter­hal­te­nen geschäft­li­chen Prä­senz in den Anwen­dungs­be­reich der uni­ons­recht­li­chen Nie­der­las­sungs­frei­heit fällt und damit den deut­schen Vor­schrif­ten zur Berufs­aus­übung unter­liegt.

sie­he auch: Urteil des II. Senats vom 19.10.2016 — II R 4412 -, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 5114 vom 16.7.2014, Beschluss (EuGH-Vor­la­ge) des II. Senats vom 20.5.2014 — II R 4412 -

Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 51 vom 16. Juli 2014

Befug­nis einer im EU-Aus­land nie­der­ge­las­se­nen Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft zur geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe in Steu­er­sa­chen

Beschluss vom 20.05.14 II R 4412

Mit Beschluss vom 20. Mai 2014 II R 4412 hat der II. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen mit meh­re­ren Fra­gen zur geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe in Steu­er­sa­chen durch eine im EU-Aus­land nie­der­ge­las­se­ne Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) gerich­tet.

Es soll geklärt wer­den, ob eine aus­län­di­sche Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft auf­grund der uni­ons­recht­lich gewähr­leis­te­ten Dienst­leis­tungs­frei­heit vom Aus­land aus Steu­er­erklä­run­gen für nach deut­schem Recht steu­er­pflich­ti­ge Per­so­nen erstel­len und an die Finanz­be­hör­den über­mit­teln kann. Dies ist des­halb frag­lich, weil die Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen nach dem Steu­er­be­ra­tungs­ge­setz geschäfts­mä­ßig nur von Per­so­nen und Ver­ei­ni­gun­gen aus­ge­übt wer­den darf, die hier­zu befugt sind. Eine sol­che Befug­nis steht einer Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft nur zu, wenn sie als sol­che aner­kannt ist und von Steu­er­be­ra­tern ver­ant­wort­lich geführt wird. Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt eine aus­län­di­sche Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft regel­mä­ßig nicht.

Der Streit­fall betrifft eine Kapi­tal­ge­sell­schaft bri­ti­schen Rechts mit Nie­der­las­sun­gen in den Nie­der­lan­den und in Bel­gi­en. Die Gesell­schaft berät meh­re­re in Deutsch­land ansäs­si­ge Man­dan­ten und wirkt bei der Erstel­lung von deren Steu­er­erklä­run­gen mit. Das Finanz­amt hat die Gesell­schaft wegen uner­laub­ter Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen zurück­ge­wie­sen. Die dage­gen erho­be­ne Kla­ge hat­te kei­nen Erfolg. Es bleibt abzu­war­ten, ob der EuGH die in Deutsch­land gel­ten­den Rege­lun­gen zur geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe in Steu­er­sa­chen als uni­ons­rechts­kon­form beur­teilt.

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