Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 37 vom 07. Juni 2017

Zukauf von Fremd­über­set­zun­gen führt zur Gewerb­lich­keit der Über­set­zungs­tä­tig­keit

Urteil vom 21.2.2017 VIII R 4513

Eine Per­so­nen­ge­sell­schaft, die ihren Kun­den im Rah­men ein­heit­li­cher Auf­trä­ge regel­mä­ßig und in nicht uner­heb­li­chem Umfang Über­set­zun­gen auch in Spra­chen, die ihre Gesell­schaf­ter nicht selbst beherr­schen, lie­fert, ist gewerb­lich tätig, wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 21. Febru­ar 2017 VIII R 4513 ent­schie­den hat.

Im Streit­fall fer­tig­te die Klä­ge­rin — eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, die auf tech­ni­sche Über­set­zun­gen spe­zia­li­siert ist — tech­ni­sche Hand­bü­cher, Bedie­nungs­an­lei­tun­gen und ähn­li­che Doku­men­ta­tio­nen für ihre Kun­den. Die auf­trags­ge­mäß geschul­de­ten Über­set­zun­gen erfolg­ten regel­mä­ßig und in nicht uner­heb­li­chem Umfang auch in sol­chen Spra­chen, die die Gesell­schaf­ter der Klä­ge­rin nicht beherrsch­ten. Hier­für schal­te­te die Klä­ge­rin Fremd­über­set­zer ein und nutz­te — weil sie Text­tei­le wie­der­ver­wen­den konn­te — ein sog. Trans­la­ti­on Memo­ry Sys­tem, d.h. ein Sys­tem zur rech­ner­ge­stütz­ten Über­set­zung und Spei­che­rung von Tex­ten.

Wäh­rend die Klä­ge­rin ihre Tätig­keit als frei­be­ruf­lich i.S. des § 18 Abs. 1 Nr. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) ansah, war das Finanz­amt der Mei­nung, sie sei gewerb­lich tätig und erließ für die Streit­jah­re 2003 bis 2007 Gewer­be­steu­er­meß­be­schei­de. Das nach­fol­gen­de Kla­ge­ver­fah­ren blieb ohne Erfolg.

Der BFH hat die­ses Ergeb­nis jetzt bestä­tigt. Dabei hat er betont, eine frei­be­ruf­li­che Über­set­zer­tä­tig­keit einer Per­so­nen­ge­sell­schaft sei nur anzu­neh­men, wenn deren Gesell­schaf­ter auf­grund eige­ner Sprach­kennt­nis­se in der Lage sei­en, die beauf­trag­te Über­set­zungs­leis­tung ent­we­der selbst zu erbrin­gen oder aber im Rah­men einer gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG zuläs­si­gen Mit­ar­beit fach­lich vor­ge­bil­de­ter Per­so­nen lei­tend und eigen­ver­ant­wort­lich tätig zu wer­den. Beherrsch­ten die Gesell­schaf­ter hin­ge­gen die beauf­trag­ten Spra­chen nicht selbst, kön­ne die Gesell­schaft nicht frei­be­ruf­lich tätig sein. Ein Defi­zit im Bereich eige­ner Sprach­kom­pe­tenz kön­ne grund­sätz­lich weder durch den Ein­satz eines Trans­la­ti­on Memo­ry Sys­tems noch durch die Unter­stüt­zung und sorg­fäl­ti­ge Aus­wahl ein­ge­setz­ter Fremd­über­set­zer aus­ge­gli­chen wer­den, da die Rich­tig­keit der Über­set­zun­gen nicht über­prüft wer­den kön­ne.

sie­he auch: Urteil des VIII. Senats vom 21.2.2017 — VIII R 4513 -

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