Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 34 vom 26. Juni 2013Umsatzsteuer: Zur Steu­er­frei­heit von Leis­tun­gen eines Alten­wohn­heim­s­Ur­teil vom 19.03.13 XI R 4510 Mit Urteil vom 19. März 2013 XI

R 4510 hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) ent­schie­den, dass die mit dem Betrieb eines gewerb­li­chen Alten­wohn­heims eng ver­bun­de­nen Umsät­ze nach § 4 Nr. 16 Buchst. d des Umsatz­steu­er­ge­set­zes (UStG) u.a. dann umsatz­steu­er­frei sind, wenn im vor­an­ge­gan­ge­nen Kalen­der­jahr min­des­tens 40 Pro­zent der Leis­tun­gen Kran­ken und behin­der­ten Men­schen zugu­te­ge­kom­men sind, die in einem vom Gesetz näher bestimm­ten Maß der Hil­fe bedür­fen. Dass die­sen Per­so­nen eine Pfle­ge­stu­fe zuer­kannt wur­de, ist nicht erforderlich.Die Klä­ge­rin, eine GmbH, betrieb im Streit­jahr 2001 ein als gemein­nüt­zi­ge Kör­per­schaft aner­kann­tes Alten­wohn­heim (“Senio­ren-Wohn­stift”). Sie über­ließ dem jewei­li­gen Bewoh­ner auf der Grund­la­ge eines Heim­ver­tra­ges eine abge­schlos­se­ne unmö­blier­te Woh­nung mit ein­ge­bau­ten Küchen­ele­men­ten, die über eine eige­ne Klin­gel, ein Namens­schild, eige­nen Tele­fon­an­schluss, Brief­kas­ten und Kel­ler­an­teil ver­füg­te. Zu den fer­ner von der Klä­ge­rin erbrach­ten sog. Grund­leis­tun­gen gehör­te die Über­las­sung eines Tele­fons, eine Not­ruf- und Pfle­ge­be­reit­schaft rund um die Uhr, die regel­mä­ßi­ge Grund­rei­ni­gung der Woh­nung, die Vor­hal­tung der Gemein­schafts­räu­me und -anla­gen (Biblio­thek, Gym­nas­tik­raum, Kapel­le, Seel­sor­ge, Hal­len­bad), ein täg­li­ches Mit­tag­essen im Spei­se­saal ein­schließ­lich Bedie­nung sowie die Betreu­ung und Pfle­ge im Krank­heits- und Pfle­ge­fall bis zu einer Gesamt­dau­er von 14 Tagen im Jahr. Für dar­über hin­aus in Anspruch genom­me­ne Pfle­ge­leis­tun­gen war ein geson­der­tes Ent­gelt zu ent­rich­ten. Die Klä­ge­rin rech­ne­te gegen­über der Pfle­ge­kas­se ab, soweit von die­ser Leis­tun­gen gewährt wur­den, und im Übri­gen direkt mit den Bewoh­nern des Senioren-Wohnstifts.Entgegen der Ansicht der Klä­ge­rin behan­del­te das Finanz­amt die Pfle­ge­er­lö­se ein­schließ­lich Ver­pfle­gung und diver­ser Neben­um­sät­ze als steu­er­pflich­tig und unter­warf die Leis­tun­gen dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz. Das Finanz­ge­richt (FG) wies die Kla­ge ab, weil die von der Klä­ge­rin erbrach­ten Leis­tun­gen nicht zu min­des­tens 40 Pro­zent den in § 68 Abs. 1 des Bun­des­so­zi­al­hil­fe­ge­set­zes (BSHG) genann­ten Per­so­nen zugu­te­ge­kom­men sei­en. Vor­aus­set­zung dafür sei die Zuer­ken­nung einer Pflegestufe.Dieser Auf­fas­sung folg­te der BFH nicht. Für die Anwend­bar­keit des § 4 Nr. 16 Buchst. d UStG rei­che eine (ein­fa­che) Pfle­ge­be­dürf­tig­keit i.S. von § 68 Abs. 1 BSHG bei dem ent­spre­chen­den Per­so­nen­kreis aus. Sie kön­ne auch vor­lie­gen, wenn kei­ne Pfle­ge­stu­fe i.S. von § 15 Sozi­al­ge­setz­buch XI (SGB XI) nach­ge­wie­sen wor­den sei.Der BFH wies die Sache an das FG zurück, damit es Fest­stel­lun­gen dazu trifft, ob und in wel­chem Umfang die Bewoh­ner des Alten­wohn­heims der Klä­ge­rin kör­per­lich hilfs­be­dürf­tig i.S. des § 68 Abs. 1 Satz 2 BSHG waren und sodann ent­schei­det, ob die Steu­er­be­frei­ung zu gewäh­ren ist. Zudem hat das FG zu prü­fen, ob sämt­li­che Leis­tun­gen, für die die Klä­ge­rin die Steu­er­be­frei­ung begehrt, unter § 4 Nr. 16 Buchst. d UStG fallen.Falls die strei­ti­gen Umsät­ze nicht schon nach § 4 Nr. 16 Buchst. d UStG i.V.m. § 68 Abs. 1 BSHG steu­er­frei sind, wird das FG auch prü­fen müs­sen, ob sich die Steu­er­frei­heit unmit­tel­bar aus euro­päi­schem Recht ergibt (Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/388/EWG). Die Steu­er­be­frei­ung darf nach dem EuGH-Urteil Zim­mer­mann (UR 2013, 35, HFR 2013, 84) nicht von einer Bedin­gung abhän­gig gemacht wer­den, die nicht geeig­net ist, die Gleich­be­hand­lung sämt­li­cher unter das Pri­vat­recht fal­len­den Betrei­ber von Alten­wohn­hei­men zu gewähr­leis­ten. Ob die Finanz­ver­wal­tung im Streit­jahr 2001 bei glei­chen Leis­tun­gen unter­schied­li­che Aner­ken­nungs­vor­aus­set­zun­gen ange­wen­det hat, muss das FG ggf. prü­fen.

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