Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 58 vom 13. Sep­tem­ber 2017

Wiesn­brezn auf dem Okto­ber­fest steu­er­be­güns­tigt

Urteil vom 3.8.2017 V R 1517

Ver­kauft ein Bre­zel­ver­käu­fer auf den Okto­ber­fest in Fest­zel­ten “Wiesn­brezn” an die Gäs­te des per­so­nen­ver­schie­de­nen Fest­zelt­be­trei­bers, ist der ermä­ßig­te Umsatz­steu­er­satz von 7 Pro­zent für Lebens­mit­tel anzu­wen­den. Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat mit Urteil vom 3. August 2017 (V R 1517) die Rechts­auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung zurück­ge­wie­sen, die im Ver­kauf der Bre­zeln durch den Bre­zel­ver­käu­fer einen restau­ran­tähn­li­chen Umsatz gese­hen hat­te, der dem Regel­steu­er­satz von 19 Pro­zent unter­lie­gen soll­te.

Im Streit­fall pach­te­te die Klä­ge­rin wäh­rend des Okto­ber­fes­tes Ver­kaufs­stän­de in meh­re­ren Fest­zel­ten an. Die von ihr beschäf­tig­ten “Brez­n­läu­fer” gin­gen durch die Rei­hen des Fest­zelts und ver­kauf­ten die Bre­zeln an die an Bier­zelt­ti­schen sit­zen­den Gäs­te des Fest­zelt­be­trei­bers. Das Finanz­amt (FA) sah hier­in umsatz­steu­er­recht­lich eine sog. sons­ti­ge Leis­tung, die dem Regel­steu­er­satz unter­lie­ge. Es sei ein über­wie­gen­des Dienst­leis­tungs­ele­ment gege­ben, weil der Klä­ge­rin die von den Fest­zelt­be­trei­bern bereit­ge­stell­te Infra­struk­tur, bestehend aus Zelt mit Bier­tisch­gar­ni­tu­ren und Musik, zuzu­rech­nen sei. Das Finanz­ge­richt bestä­tig­te dies.

Dem­ge­gen­über hob der BFH das Urteil der Vor­in­stanz auf und gab der Kla­ge statt. Danach führt der Ver­kauf der Bre­zeln umsatz­steu­er­recht­lich zu einer Lie­fe­rung der Back­wa­ren, die ermä­ßigt zu besteu­ern ist. Die in den Fest­zel­ten auf­ge­stell­ten Bier­tisch­gar­ni­tu­ren, bestehend aus Tischen und Bän­ken, dien­ten den eige­nen Gas­tro­no­mie­um­sät­zen des Fest­zelt­be­trei­bers. Damit han­del­te es sich um für die Klä­ge­rin frem­de Ver­zehr­vor­rich­tun­gen, an denen der Klä­ge­rin kein eige­nes Mit­be­nut­zungs­recht zuge­stan­den habe. Sie habe kei­ne Ver­fü­gungs oder Dis­po­si­ti­ons­mög­lich­keit in dem Sin­ne erlangt, dass sie Besu­chern Sitz­plät­ze im Fest­zelt zuwei­sen konn­te. Es sei nach der “Rea­li­tät” im Bier­zelt auch nicht davon aus­zu­ge­hen, dass Per­so­nen, die aus­schließ­lich Bre­zeln von der Klä­ge­rin erwar­ben, zur Nut­zung der Bier­tisch­gar­ni­tu­ren berech­tigt gewe­sen wären, ohne zusätz­li­che Leis­tun­gen des Fest­zelt­be­trei­bers in Anspruch neh­men zu müs­sen.

Das Urteil ist zu den Streit­jah­ren 2012 und 2013 ergan­gen. Bei gleich­blei­ben­den Ver­hält­nis­sen ist die kurz vor Beginn des Okto­ber­fests 2017 ver­öf­fent­lich­te BFH-Ent­schei­dung auch für die Fol­ge­jah­re zu beach­ten.

sie­he auch: Urteil des V. Senats vom 3.8.2017 — V R 1517 -

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