Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 68 vom 26. Okto­ber 2016

Vor­la­ge an den Gro­ßen Senat des BFH zur erwei­ter­ten Kür­zung nach § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG

Beschluss vom 21.7.2016 IV R 2614

Der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat zu ent­schei­den, ob eine grund­stücks­ver­wal­ten­de Gesell­schaft, die nur kraft ihrer Rechts­form gewerb­li­che Ein­künf­te erzielt, Anspruch auf die erwei­ter­te Kür­zung nach § 9 Nr. 1 Satz 2 des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes (GewStG) hat, wenn sie an einer gleich­falls grund­stücks­ver­wal­ten­den, aber nicht gewerb­lich gepräg­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft betei­ligt ist. Der IV. Senat des BFH hat die­se Fra­ge dem Gro­ßen Senat mit Beschluss vom 21. Juli 2016 IV R 2614 vor­ge­legt.

Die vom Gro­ßen Senat nun­mehr zu tref­fen­de Ent­schei­dung ist für den Immo­bi­li­en­be­reich von gro­ßer Bedeu­tung. Denn grund­sätz­lich wird die Ver­wal­tung von Immo­bi­li­en nicht von der Gewer­be­steu­er erfasst. Gewer­be­steu­er kann nur anfal­len, wenn die Ver­wal­tung von einer Per­so­nen- oder Kapi­tal­ge­sell­schaft aus­ge­übt wird, die allein auf­grund ihrer Rechts­form der Gewer­be­steu­er unter­liegt. Beschränkt sich die Gesell­schaft aber auf die Immo­bi­li­en­ver­wal­tung, wird der dar­aus erwirt­schaf­te­te Gewinn durch die erwei­ter­te Kür­zung nach § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG im Ergeb­nis voll­stän­dig von der Gewer­be­steu­er aus­ge­nom­men. Bei gro­ßen Ver­mö­gen kann ein Inter­es­se dar­an bestehen, Immo­bi­li­en in Unter­ge­sell­schaf­ten aus­zu­glie­dern. Der Rechts­streit betrifft die Fra­ge, ob dies ohne Gefähr­dung der Frei­stel­lung von der Gewer­be­steu­er mög­lich ist.

Im kon­kre­ten Streit­fall war die Klä­ge­rin, eine gewerb­lich gepräg­te GmbH & Co. KG, an einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den GbR betei­ligt, die Eigen­tü­me­rin einer Immo­bi­lie war. Die Klä­ge­rin mach­te die erwei­ter­te Kür­zung gemäß § 9 Nr. 1 Sät­ze 2 ff. GewStG gel­tend. Nach dem Grund­tat­be­stand die­ser Vor­schrift ist der Gewinn bei Unter­neh­men, die aus­schließ­lich eige­nen Grund­be­sitz ver­wal­ten, um den Teil des Gewer­be­er­trags zu kür­zen, der auf die Ver­wal­tung und Nut­zung des eige­nen Grund­be­sit­zes ent­fällt. Das Finanz­amt ver­sag­te die­se erwei­ter­te Kür­zung, da die Betei­li­gung an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft nicht dem eige­nen Grund­be­sitz gleich­zu­stel­len sei.

Nach der in dem Vor­la­ge­be­schluss ver­tre­te­nen Ansicht ist der Begriff des eige­nen Grund­be­sit­zes steu­er­recht­lich aus­zu­le­gen. Steu­er­recht­lich wird das Eigen­tum einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft den hin­ter ihr ste­hen­den Gesell­schaf­tern antei­lig zuge­rech­net. Ein in zivil­recht­li­chem Eigen­tum der Per­so­nen­ge­sell­schaft ste­hen­des Grund­stück ist aus die­ser –vom vor­le­gen­den Senat favo­ri­sier­ten– Per­spek­ti­ve nicht deren “eige­ner Grund­be­sitz”, son­dern Grund­be­sitz der Gesell­schaf­ter. Geht man –wie es ein ande­rer Senat des BFH ver­tre­ten hat– allein vom Zivil­recht aus, ist der Grund­be­sitz der Per­so­nen­ge­sell­schaft zuzu­ord­nen. Über die­se danach im BFH umstrit­te­ne Fra­ge hat jetzt der Gro­ße Senat des BFH zu ent­schei­den.

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