Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 76 vom 11. Novem­ber 2015

Ver­bot des Abzugs der Gewer­be­steu­er als Betriebs­aus­ga­be bei Per­so­nen­un­ter­neh­men ist ver­fas­sungs­ge­mäß

Urteil vom 10.09.15 IV R 813

Der IV. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat mit Urteil vom 10. Sep­tem­ber 2015 IV R 813 ent­schie­den, dass das Ver­bot, die Gewer­be­steu­er­last bei der Ermitt­lung des Gewinns einer Per­so­nen­ge­sell­schaft zu berück­sich­ti­gen, mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist. Damit blieb die Kla­ge von ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­tern einer Per­so­nen­ge­sell­schaft ohne Erfolg.

Die Gewer­be­steu­er ist ihrer Natur nach eine Betriebs­aus­ga­be und min­dert des­halb den Gewinn des Unter­neh­mens. Mit dem Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­setz 2008 hat der Gesetz­ge­ber jedoch in § 4 Abs. 5b des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) ange­ord­net, dass die Gewer­be­steu­er kei­ne Betriebs­aus­ga­be ist. Sie darf infol­ge­des­sen bei der Ermitt­lung des zu ver­steu­ern­den Gewinns nicht mehr gewinn­min­dernd (und damit steu­er­min­dernd) berück­sich­tigt wer­den.

Nach Auf­fas­sung des BFH ver­stößt die mit die­sem Abzugs­ver­bot ver­bun­de­ne Ein­schrän­kung des sog. objek­ti­ven Net­to­prin­zips nicht gegen das ver­fas­sungs­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­ge­bot oder die Eigen­tums­ga­ran­tie des Grund­ge­set­zes. Sie las­se sich viel­mehr im Gesamt­zu­sam­men­hang mit den steu­er­li­chen Ent­las­tun­gen, die zugleich durch das Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­setz 2008 ein­ge­führt wor­den sind, hin­rei­chend sach­lich begrün­den. Dies hat­te der I. Senat des BFH bereits mit Urteil vom 16. Janu­ar 2014 I R 2112 für Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten ent­schie­den, bei denen durch das Abzugs­ver­bot eine Dop­pel­be­las­tung des Gewinns mit Kör­per­schaft- und Gewer­be­steu­er ein­tritt. Dem­ge­gen­über wird bei Per­so­nen­un­ter­neh­men die Gewer­be­steu­er teil­wei­se auf die Ein­kom­men­steu­er des Unter­neh­mers ange­rech­net. Für die­se Unter­neh­men, hier eine Per­so­nen­ge­sell­schaft, bestä­tigt der BFH mit dem jet­zi­gen Urteil die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Abzugs­ver­bots. Ins­be­son­de­re die gleich­zei­tig mit § 4 Abs. 5b EStG ein­ge­führ­te Erhö­hung des Anrech­nungs­fak­tors für die Gewer­be­steu­er auf die Ein­kom­men­steu­er füh­re in vie­len Fäl­len zu einer voll­stän­di­gen Ent­las­tung des Unter­neh­mers bzw. der an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft betei­lig­ten natür­li­chen Per­so­nen von der Gewer­be­steu­er­schuld.

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