Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 71 vom 14. Okto­ber 2015

Pfle­ge­leis­tun­gen durch Mit­glie­der eines Ver­eins kön­nen umsatz­steu­er­frei sein

Urteil vom 18.08.15 V R 1314

Mit Urteil vom 18. August 2015 V R 1314 hat der V. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) ent­schie­den, dass Pfle­ge­leis­tun­gen unter Beru­fung auf das Uni­ons­recht (Art. 132 Abs. 1 Buchst. g der Mehr­wert­steu­er­sys­tem­richt­li­nie) steu­er­frei sind. Vor­aus­set­zung ist, dass die Pfle­ge­kraft die Mög­lich­keit hat, Ver­trä­ge nach § 77 Abs. 1 Satz 1 des Sozi­al­ge­setz­bu­ches Elf­tes Buch (SGB XI) mit Pfle­ge­kas­sen abzu­schlie­ßen.

Das Ver­fah­ren betraf eine Klä­ge­rin, die als Mit­glied eines ein­ge­tra­ge­nen Ver­eins für den Ver­ein gegen Ent­gelt als Pfle­ge­hel­fe­rin tätig war. Über eine Aus­bil­dung als Kran­ken- oder Alten­pfle­ge­rin ver­füg­te die Klä­ge­rin nicht. Der Ver­ein hat­te mit der Klä­ge­rin eine Qua­li­täts­ver­ein­ba­run­gen abge­schlos­sen. Der Ver­ein erbrach­te umsatz­steu­er­freie Pfle­ge­leis­tun­gen an Pfle­ge­kas­sen. Die­se Art der Erbrin­gung von Pfle­ge­leis­tun­gen durch Mit­glie­der eines ein­ge­tra­ge­nen Ver­eins ist in Deutsch­land ver­brei­tet.

Das Finanz­amt sah die Tätig­keit der Klä­ge­rin für den Ver­ein als umsatz­steu­er­pflich­tig an. Ihre Kla­ge zum Finanz­ge­richt hat­te Erfolg. Der BFH bestä­tig­te das Urteil der Vor­in­stanz. Zwar sei­en die Leis­tun­gen der Klä­ge­rin nach natio­na­lem Recht steu­er­pflich­tig. Sie kön­ne sich aber auf die wei­ter­ge­hen­den Steu­er­be­frei­ungs­tat­be­stän­de des Uni­ons­rechts beru­fen, die das natio­na­le Recht nur unge­nü­gend umge­setzt habe. Für die nach dem Uni­ons­recht erfor­der­li­che Aner­ken­nung rei­che es aus, dass für die Klä­ge­rin die Mög­lich­keit bestan­den habe, Leis­tun­gen nach § 77 Abs. 1 Satz 1 SGB XI an Pfle­ge­kas­sen erbrin­gen zu kön­nen.

Bei sei­ner Ent­schei­dung hat der BFH auch den gerichts­be­kann­ten Pfle­ge­not­stand und das sich hier­aus erge­ben­de hohe Gemein­wohl­in­ter­es­se berück­sich­tigt, das an der Erbrin­gung steu­er­frei­er Pfle­ge­leis­tun­gen besteht.

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