Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 14 vom 10. Febru­ar 2016

Umsatz­steu­er: Kein ermä­ßig­ter Steu­er­satz bei der “Online-Aus­lei­he”

Urteil vom 03.12.15 V R 4313

Umsät­ze mit digi­ta­len oder elek­tro­ni­schen Sprach­wer­ken (wie z.B. E-Books) unter­lie­gen bei der Umsatz­steu­er nicht dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz, wie der Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) mit Urteil vom 3. Dezem­ber 2015 V R 4313 ent­schie­den hat. Die Steu­er­satz­er­mä­ßi­gung gilt nur für Bücher auf phy­si­schen Trä­gern. Han­delt es sich dem­ge­gen­über um eine “elek­tro­nisch erbrach­te Dienst­leis­tung”, ist der Regel­steu­er­satz anzu­wen­den.

Der vom BFH ent­schie­de­ne Streit­fall betrifft die sog. “Online-Aus­lei­he” digi­ta­li­sier­ter Sprach­wer­ke (E-Books). Die Klä­ge­rin räum­te den Biblio­the­ken Nut­zungs­rech­te an digi­ta­li­sier­ten Sprach­wer­ken ein. Dies ermög­lich­te den Biblio­theks­nut­zern, die lizen­zier­ten Sprach­wer­ke über das Inter­net von den Ser­vern der Klä­ge­rin abzu­ru­fen. Finanz­amt und Finanz­ge­richt unter­war­fen die Leis­tun­gen der Klä­ge­rin an die Biblio­the­ken dem Regel­steu­er­satz.

Der BFH bestä­tig­te dies: Zwar ist auf die Ver­mie­tung der in der Anla­ge 2 zum Umsatz­steu­er­ge­setz genann­ten Bücher der ermä­ßig­te Steu­er­satz anzu­wen­den. Digi­ta­le Sprech­wer­ke sind aber kei­ne Bücher im Sin­ne die­ser Anla­ge 2. Das folgt ins­be­son­de­re aus dem Uni­ons­recht, das dem natio­na­len Umsatz­steu­er­recht zugrun­de liegt. Danach ist eine Steu­er­satz­er­mä­ßi­gung für elek­tro­nisch erbrach­te Dienst­leis­tun­gen –wie das Über­las­sen oder die Ver­mie­tung digi­ta­li­sier­ter Bücher– aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen. Der BFH ver­nein­te auch eine steu­er­satz­er­mä­ßig­te Ein­räu­mung von Rech­ten im Sin­ne des Urhe­ber­rechts­ge­set­zes.

Auf der Grund­la­ge des BFH-Urteils dürf­te davon aus­zu­ge­hen sein, dass auch die Lie­fe­rung von E-Books dem Regel­steu­er­satz unter­liegt. Im kon­kre­ten Streit­fall hat­te der BFH hier­über aller­dings nicht zu ent­schei­den.

Die Regie­rungs­ko­ali­ti­on hat­te zu Beginn der Legis­la­tur­pe­ri­ode im Koali­ti­ons­ver­trag ver­ein­bart, die Steu­er­satz­er­mä­ßi­gung auch auf “E-Books, E-Paper und ande­re elek­tro­ni­sche Infor­ma­ti­ons­me­di­en” aus­zu­wei­ten. Dies erfor­dert aller­dings eine Ände­rung im euro­päi­schen Mehr­wert­steu­er­recht, zu der es noch nicht gekom­men ist.

sie­he auch: Urteil des V. Senats vom 3.12.2015 — V R 4313 -

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