Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 69 vom 02. Novem­ber 2016

Selbst getra­ge­ne Krank­heits­kos­ten kön­nen nicht als Son­der­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den

Urteil vom 1.6.2016 X R 4314

Ver­ein­bart ein Steu­er­pflich­ti­ger mit einem pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men einen Selbst­be­halt, kön­nen die des­we­gen von ihm zu tra­gen­den Krank­heits­kos­ten nicht als Son­der­aus­ga­ben gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchst. a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) abge­zo­gen wer­den, wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 1. Juni 2016 (X R 4314) ent­schie­den hat.

Im Urteils­fall hat­te der Klä­ger für sich und sei­ne Töch­ter einen Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz ver­ein­bart, für den er auf­grund ent­spre­chen­der Selbst­be­hal­te gerin­ge­re Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zu zah­len hat­te. Die von ihm getra­ge­nen tat­säch­li­chen krank­heits­be­ding­ten Auf­wen­dun­gen mach­te der Klä­ger bei sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung gel­tend. Weder das Finanz­amt noch das Finanz­ge­richt lie­ßen im Streit­fall indes einen Abzug der Kos­ten zu.

Der BFH sah das eben­so und ver­sag­te die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung der Krank­heits­kos­ten des Klä­gers. Weil die Selbst­be­tei­li­gung kei­ne Gegen­leis­tung für die Erlan­gung des Ver­si­che­rungs­schut­zes dar­stel­le, sei sie kein Bei­trag “zu” einer Kran­ken­ver­si­che­rung gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchst. a EStG und kön­ne daher nicht als Son­der­aus­ga­be abge­zo­gen wer­den. Die selbst getra­ge­nen Krank­heits­kos­ten sei­en zwar außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen gemäß § 33 EStG. Da im Streit­fall die Auf­wen­dun­gen die zumut­ba­re Eigen­be­las­tung des § 33 Abs. 3 EStG wegen der Höhe der Ein­künf­te des Klä­gers nicht über­schrit­ten hät­ten, kom­me ein Abzug nicht in Betracht.

Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung des Selbst­be­halts lehnt der BFH ab. Die­se sei auch nicht durch das Prin­zip der Steu­er­frei­heit des Exis­tenz­mi­ni­mums gebo­ten. Denn die­ser Grund­satz gewähr­leis­te –wie bereits das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­den habe– dem Steu­er­pflich­ti­gen kei­nen Schutz des Lebens­stan­dards auf Sozi­al­ver­si­che­rungs-, son­dern ledig­lich auf Sozi­al­hil­fe­ni­veau. Die Auf­wen­dun­gen für Krank­heits­kos­ten im Rah­men von Selbst­be­hal­ten sei­en aber nicht Teil des sozi­al­hil­fe­recht­lich gewähr­leis­te­ten Leis­tungs­ni­veaus.

Infor­ma­tio­nen: