Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 61 vom 14. Sep­tem­ber 2016

Gesund­heits­be­wuss­tes Ver­hal­ten min­dert nicht den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug

Urteil vom 1.6.2016 X R 1715

Erstat­tet eine gesetz­li­che Kran­ken­kas­se im Rah­men eines Bonus­pro­gramms dem Kran­ken­ver­si­cher­ten die von ihm getra­ge­nen Kos­ten für Gesund­heits­maß­nah­men, min­dern die­se Zah­lun­gen nach einer Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 1. Juni 2016 X R 1715 nicht die als Son­der­aus­ga­ben abzieh­ba­ren Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge.

Im Urteils­fall hat­ten die Klä­ger Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge als Son­der­aus­ga­ben gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchst. a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes gel­tend gemacht. Ihre Kran­ken­kas­se bot zur För­de­rung gesund­heits­be­wuss­ten Ver­hal­tens ein Bonus­pro­gramm an. In der streit­ge­gen­ständ­li­chen Bonus­va­ri­an­te gewähr­te sie den Ver­si­cher­ten, die bestimm­te kos­ten­freie Vor­sor­ge­maß­nah­men in Anspruch genom­men hat­ten, einen Zuschuss von jähr­lich bis zu 150 € für Gesund­heits­maß­nah­men, die von den Ver­si­cher­ten pri­vat finan­ziert wor­den waren. Das Finanz­amt (FA) sah in die­sem Zuschuss eine Erstat­tung von Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen und ver­rech­ne­te ihn mit den in die­sem Jahr gezahl­ten Bei­trä­gen. Dem­entspre­chend ging das FA davon aus, dass auch die abzieh­ba­ren Son­der­aus­ga­ben ent­spre­chend zu min­dern sei­en.

Das Finanz­ge­richt gab der Kla­ge statt, da es sich nicht um die Erstat­tung von Bei­trä­gen han­de­le. Der BFH bestä­tig­te das Urteil. Die streit­ge­gen­ständ­li­che Bonus­zah­lung füh­re nicht dazu, dass sich an der Bei­trags­last der Ver­si­cher­ten zur Erlan­gung des Basis­kran­ken­ver­si­che­rungs­schut­zes etwas ände­re. Die Zah­lung habe ihren eigent­li­chen Rechts­grund in einer Leis­tung der Kran­ken­kas­se, näm­lich der Erstat­tung der von den Ver­si­cher­ten getra­ge­nen gesund­heits­be­zo­ge­nen Auf­wen­dun­gen. Die Bonus­zah­lung ste­he nicht im unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit den Bei­trä­gen zur Erlan­gung des Basis­kran­ken­ver­si­che­rungs­schut­zes, son­dern stel­le eine Erstat­tung der vom Steu­er­pflich­ti­gen getra­ge­nen gesund­heits­be­zo­ge­nen Auf­wen­dun­gen dar. Dem steht aus Sicht des BFH auch nicht ent­ge­gen, dass die Kran­ken­kas­se die Bonus­zah­lung als erstat­te­ten Bei­trag ange­se­hen und elek­tro­nisch im Wege des Kon­troll­mel­de­ver­fah­rens über­mit­telt hat­te. Dem kommt nach der Ent­schei­dung des BFH kei­ne Bin­dungs­wir­kung zu.

Mit die­sem Urteil, das sich ledig­lich auf die Bonus­va­ri­an­te in Form einer Kos­ten­er­stat­tung bezieht, wider­spricht der BFH aus­drück­lich der Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung (vgl. Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 19. August 2013, BSt­Bl I 2013, 1087), die in allen Kran­ken­kas­sen­leis­tun­gen auf­grund eines Bonus­pro­gramms eine Bei­trags­er­stat­tung gese­hen hat.

sie­he auch: Urteil des X. Senats vom 1.6.2016 — X R 1715 -

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