Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 64 vom 23. Sep­tem­ber 2015
Steu­er­frei­heit von Trink­gel­dern
Urteil vom 18.06.15 VI R 3714

Mit Urteil vom 18. Juni 2015 VI R 3714 hat der VI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) ent­schie­den, dass frei­wil­li­ge Zah­lun­gen von Spiel­bank­kun­den an die Saa­l­as­sis­ten­ten einer Spiel­bank für das Ser­vie­ren von Spei­sen und Geträn­ken steu­er­freie Trink­gel­der i.S. des § 3 Nr. 51 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) sein kön­nen. Die Steu­er­frei­heit ent­fällt nicht dadurch, dass der Arbeit­ge­ber als eine Art Treu­hän­der bei der Auf­be­wah­rung und Ver­tei­lung der Gel­der ein­ge­schal­tet ist.

Im Streit­fall war der Klä­ger als eine Art Kell­ner mit dem Bedie­nen der Spiel­bank­kun­den betraut. Er war nicht Teil des spiel­tech­ni­schen Per­so­nals, wie etwa die Crou­piers (Kas­sie­rer). Im Gehalts­ta­rif­ver­trag wur­den die frei­wil­li­gen Zuwen­dun­gen von Besu­chern der Spiel­bank an die Saa­l­as­sis­ten­ten als Trink­gel­der bezeich­net, die arbeits­täg­lich zu erfas­sen und aus­schließ­lich zuguns­ten der Saa­l­as­sis­ten­ten zu ver­wen­den sind. Die Saa­l­as­sis­ten­ten erhiel­ten aus dem Auf­kom­men monat­lich vor­ab einen pau­scha­len Anteil, der Rest­be­trag wur­de nach einem fest­ge­leg­ten Punk­te­sys­tem von der Spiel­bank auf die­se ver­teilt. Das Finanz­amt ver­trat die Auf­fas­sung, es han­de­le sich dabei nicht um steu­er­frei­es Trink­geld i.S. des § 3 Nr. 51 EStG. Das Finanz­ge­richt schloss sich die­ser Auf­fas­sung an und wies die Kla­ge ab.

Der BFH hat das Urteil der Vor­in­stanz hin­sicht­lich der Behand­lung der frei­wil­li­gen Zah­lun­gen der Spiel­bank­kun­den auf­ge­ho­ben und ent­schie­den, dass es sich hier­bei um steu­er­freie Trink­gel­der i.S. des § 3 Nr. 51 EStG han­delt. Mit der Ent­schei­dung knüpft der VI. Senat des BFH an sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zum Trink­geld­be­griff an. So stellt er dar­auf ab, dass es sich bei den von den Spiel­bank­kun­den neben dem Rech­nungs­be­trag gege­be­nen Gel­dern um frei­wil­li­ge Zah­lun­gen han­delt, auf die kein Rechts­an­spruch bestand. Denn der Tarif­ver­trag regel­te ledig­lich die Ver­tei­lung und Aus­keh­rung der bereits geleis­te­ten Trink­gel­der durch die Spiel­bank. Der BFH urteil­te, dass der Streit­fall nicht mit den bereits vom VI. Senat des BFH ent­schie­de­nen, das spiel­tech­ni­sche Per­so­nal betref­fen­den, sog. Tronc-Fäl­len ver­gleich­bar ist. Denn, anders als in den Tronc-Fäl­len, liegt im Streit­fall eine typi­sche per­sön­li­che und unmit­tel­ba­re Leis­tungs­be­zie­hung zwi­schen den Saa­l­as­sis­ten­ten und den Spiel­bank­kun­den vor. Es besteht gera­de kein gesetz­li­ches Trink­geld­an­nah­me­ver­bot, wie es für Crou­piers gilt, vgl. § 11 Abs. 1 des Geset­zes über die Zulas­sung öffent­li­cher Spiel­ban­ken in Ber­lin. Zudem sei auch die Zuwen­dung eines Drit­ten gege­ben, wie es der Trink­geld­be­griff vor­aus­setzt. Die Ein­schal­tung der Spiel­bank als eine Art Treu­hän­der bei der Ver­tei­lung der Gel­der ste­he dem nicht ent­ge­gen, viel­mehr sei die­ses Ver­tei­lungs­sys­tem ver­gleich­bar mit einer “Poo­lung von Ein­nah­men”.

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