Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 53 vom 03. August 2016

Sam­mel­aus­kunfts­er­su­chen der Steu­er­fahn­dung an Pres­se­un­ter­neh­men ver­fas­sungs­ge­mäß

Urteil vom 12.5.2016 II R 1714

Die Steu­er­fahn­dung darf von einem Zei­tungs­ver­lag die Über­mitt­lung von Per­so­nen- und Auf­trags­da­ten zu den Auf­trag­ge­bern einer bestimm­ten Anzei­gen­ru­brik ver­lan­gen. In sei­nem Urteil vom 12. Mai 2016 II R 1714 sieht der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hier­in kei­nen Ver­stoß gegen die grund­recht­lich geschütz­te Pres­se­frei­heit (Art. 5 Abs. 1 Satz 2 des Grund­ge­set­zes –GG – ).

Im Streit­fall rich­te­te die Steu­er­fahn­dungs­stel­le eines Finanz­amts (FA) an die Her­aus­ge­be­rin einer Tages­zei­tung und eines Anzei­gen­blatts ein Aus­kunfts­er­su­chen. Das FA ver­lang­te für einen Zeit­raum von ins­ge­samt zwei Jah­ren die Über­mitt­lung von Namen und Adres­sen sämt­li­cher Auf­trag­ge­ber von Anzei­gen der Rubrik “Kon­tak­te”, in denen sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen bewor­ben wur­den. Das FA begrün­de­te sein Aus­kunfts­er­su­chen u.a. mit einem vom Bun­des­rech­nungs­hof bean­stan­de­ten Voll­zugs­de­fi­zit bei der Besteue­rung der im Rot­licht­mi­lieu täti­gen Betrie­be und Per­so­nen. Das Finanz­ge­richt (FG) sah dar­in eine aus­rei­chen­de Begrün­dung für das Aus­kunfts­er­su­chen und wies die Kla­ge ab.

Der BFH bestä­tig­te die Vor­ent­schei­dung des FG. Danach kann ein Sam­mel­aus­kunfts­er­su­chen an ein Pres­se­un­ter­neh­men recht­mä­ßig sein. Zwar umfasst der Schutz­be­reich der Pres­se­frei­heit nach Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG grund­sätz­lich auch den Anzei­gen­teil von Pres­se­er­zeug­nis­sen. Die kon­kre­te Reich­wei­te des Grund­rechts­schut­zes ergibt sich jedoch erst unter Berück­sich­ti­gung der “all­ge­mei­nen Geset­ze” i.S. des Art. 5 Abs. 2 GG. Von der Pres­se­frei­heit geschützt sind danach nur sol­che Anzei­gen, die für die öffent­li­che Mei­nungs­bil­dung bedeut­sam sind oder der Kon­troll­funk­ti­on der Pres­se die­nen. Bei den streit­ge­gen­ständ­li­chen Anzei­gen war dies nicht der Fall. Allein die wirt­schaft­li­che Bedeu­tung der Anzei­gen für das Pres­se­er­zeug­nis führ­te eben­falls nicht zur Unver­ein­bar­keit mit Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG, da nur rela­tiv weni­ge Anzei­gen von dem Aus­kunfts­er­su­chen betrof­fen waren.

Ein­schrän­kun­gen bestehen aber für Aus­kunfts­er­su­chen, die eine in die Zukunft gerich­te­te Ver­pflich­tung ent­hal­ten, lau­fen­de Aus­künf­te zu ertei­len. Die­se bedür­fen einer beson­de­ren Begrün­dung der Ermes­sens­ent­schei­dung. Zudem muss zur Wah­rung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ein beson­de­res Ermitt­lungs­be­dürf­nis bestehen.

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