Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 12 vom 08. Febru­ar 2012 Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te: “Offen­sicht­lich ver­kehrs­güns­ti­ge­re” Stra­ßen­ver­bin­dung Urteil vom 16.11.11 VI R 1911 Urteil vom…

(duv)  Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 12 vom 08. Febru­ar 2012

Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te: “Offen­sicht­lich ver­kehrs­güns­ti­ge­re” Stra­ßen­ver­bin­dung
Urteil vom 16.11.11 VI R 1911
Urteil vom 16.11.11 VI R 4610

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat durch Urtei­le vom 16. Novem­ber 2011 VI R 1911 und VI R 4610 kon­kre­ti­siert, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Ent­fer­nungs­pau­scha­le für einen län­ge­ren als den kür­zes­ten Weg zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te in Anspruch genom­men wer­den kann. Grund­sätz­lich kann die Ent­fer­nungs­pau­scha­le nur für die kür­zes­te Ent­fer­nung bean­sprucht wer­den. Etwas ande­res gilt aber, wenn eine ande­re Ver­bin­dung “offen­sicht­lich ver­kehrs­güns­ti­ger” ist und vom Arbeit­neh­mer regel­mä­ßig benutzt wird (§ 9 Abs. 1 Nr. 4 Satz 4 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes).

In der Sache VI R 1911 hat­te das Finanz­ge­richt (FG) die Kla­ge abge­wie­sen, weil stets eine zu erwar­ten­de Fahrt­zeit­ver­kür­zung von min­des­tens 20 Minu­ten erfor­der­lich sei. In der Sache VI R 4610 hat­te das FG der Kla­ge teil­wei­se statt­ge­ge­ben und bei der Berech­nung der Ent­fer­nungs­pau­scha­le eine vom Klä­ger tat­säch­lich nicht benutz­te Ver­bin­dung berück­sich­tigt, die dem FG offen­sicht­lich ver­kehrs­güns­ti­ger erschien.

Der BFH hat nun ent­schie­den, dass eine Min­dest­zeit­er­spar­nis von 20 Minu­ten nicht stets erfor­der­lich ist. Viel­mehr sind alle Umstän­de des Ein­zel­falls, wie z.B. die Stre­cken­füh­rung, die Schal­tung von Ampeln o.ä. in die Beur­tei­lung ein­zu­be­zie­hen. Eine Stra­ßen­ver­bin­dung kann auch dann “offen­sicht­lich ver­kehrs­güns­ti­ger” sein, wenn bei ihrer Benut­zung nur eine gerin­ge Zeit­er­spar­nis zu erwar­ten ist (VI R 1911). In der Ent­schei­dung VI R 4610 hat der BFH zudem klar­ge­stellt, dass nur die tat­säch­lich benutz­te Stra­ßen­ver­bin­dung in Betracht kommt. Eine bloß mög­li­che, aber vom Steu­er­pflich­ti­gen nicht benutz­te Stra­ßen­ver­bin­dung kann der Berech­nung der Ent­fer­nungs­pau­scha­le nicht zugrun­de gelegt wer­den.

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