Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 43 vom 17. Juni 2015

Min­der­heits­be­tei­li­gung an Kom­ple­men­tär-GmbH kein not­wen­di­ges Son­der­be­triebs­ver­mö­gen

Urteil vom 16.04.15 IV R 112

Mit Urteil vom 16. April 2015 hat der IV. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) ent­schie­den, dass eine Min­der­heits­be­tei­li­gung des Kom­man­di­tis­ten an der Kom­ple­men­tär-GmbH von weni­ger als 10 Pro­zent nicht zu sei­nem not­wen­di­gen Son­der­be­triebs­ver­mö­gen bei der Kom­man­dit­ge­sell­schaft (KG) gehört.

In dem Urteils­fall hat­te ein Kom­man­di­tist sei­ne Betei­li­gung an einer GmbH & Co. KG ver­äu­ßert, und zwar sowohl sei­nen Kom­man­dit­an­teil als auch den Anteil an der Kom­ple­men­tär-GmbH. An bei­den Gesell­schaf­ten war er mit jeweils 5 Pro­zent betei­ligt. Das Finanz­amt war der Mei­nung, der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung des GmbH-Anteils sei in den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn des KG-Anteils ein­zu­be­zie­hen, obwohl der Gesell­schaf­ter sei­nen GmbH-Anteil als Pri­vat­ver­mö­gen behan­delt hat­te.

Der BFH gab der Kla­ge statt und nahm den Fall zum Anlass, sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zu prä­zi­sie­ren und den Umfang des soge­nann­ten Son­der­be­triebs­ver­mö­gens II ein­zu­en­gen. Dabei han­delt es sich um Wirt­schafts­gü­ter, die der Betei­li­gung des Gesell­schaf­ters an der Per­so­nen­ge­sell­schaft die­nen und die des­halb dem Betriebs­ver­mö­gen zuge­ord­net wer­den.

Nach den jetzt auf­ge­stell­ten Grund­sät­zen ist die Betei­li­gung des Kom­man­di­tis­ten an der Kom­ple­men­tär-GmbH nur dann dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II zuzu­ord­nen, wenn er als grund­sätz­lich nicht an der Geschäfts­füh­rung betei­lig­ter Gesell­schaf­ter auf Grund der Betei­li­gung an der geschäfts­füh­ren­den Kom­ple­men­tär-GmbH mit­tel­bar Ein­fluss auf die Geschäfts­füh­rung der Per­so­nen­ge­sell­schaft erhält. Dar­an fehlt es nach Mei­nung des BFH jeden­falls dann, wenn der Kom­man­di­tist weni­ger als 10 Pro­zent der Geschäfts­an­tei­le der Kom­ple­men­tär-GmbH hält. Eine der­ar­ti­ge Min­der­heits­be­tei­li­gung lag im Urteils­fall vor, sie war daher dem Pri­vat­ver­mö­gen des Kom­man­di­tis­ten zuzu­ord­nen. Dabei spiel­te es nach Auf­fas­sung des BFH auch kei­ne Rol­le, dass die GmbH in erheb­li­chem Umfang an dem Gewinn der Mit­un­ter­neh­mer­schaft betei­ligt war.

Offen­ge­las­sen hat der BFH, ob eine Zuord­nung der Gesell­schafts­an­tei­le zum Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II gebo­ten ist, wenn die Betei­li­gung 10 – 25 Pro­zent beträgt, weil einem so betei­lig­ten Gesell­schaf­ter gewis­se Min­der­hei­ten­rech­te zuste­hen, oder ob von einer Ein­fluss­nah­me (wenn über­haupt) erst bei einer Betei­li­gung von mehr als 25 Pro­zent (sog. Sperr­mi­no­ri­tät) die Rede sein kann.

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