Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 48 vom 26. Juli 2017

Kin­der­geld­be­rech­ti­gung: Fest­stel­lung der feh­len­den Frei­zü­gig­keit von Uni­ons­bür­gern nur durch die Aus­län­der­be­hör­den

Urteil vom 15.3.2017 III R 3215

Bei der Gewäh­rung von Kin­der­geld haben die Fami­li­en­kas­sen die hier­für erfor­der­li­che Frei­zü­gig­keit aus­län­di­scher Uni­ons­bür­ger zu unter­stel­len. Wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 15. März 2017 III R 3215 ent­schie­den hat, obliegt die Fest­stel­lung der feh­len­den Frei­zü­gig­keit, die den Kin­der­geld­an­spruch aus­schlie­ßen kann, nur den Aus­län­der­be­hör­den. Die Fami­li­en­kas­sen haben inso­weit kein eige­nes Prü­fungs­recht.

Nicht frei­zü­gig­keits­be­rech­tig­te Aus­län­der erhal­ten Kin­der­geld nur, wenn sie über bestimm­te Auf­ent­halts­ti­tel nach dem Auf­ent­halts­ge­setz ver­fü­gen. Da die Arbeit­neh­mer­frei­zü­gig­keit von Bür­gern “neu­er” Mit­glied­staa­ten wie etwa im Fall von Bul­ga­ri­en und Rumä­ni­en für eine Über­gangs­zeit beschränkt war, war zu ent­schei­den, ob Zwei­fel an der Frei­zü­gig­keits­be­rech­ti­gung den Kin­der­geld­an­spruch aus­schlie­ßen.

Der Klä­ger, bul­ga­ri­scher Staats­bür­ger, wohnt seit März 2010 mit sei­ner Toch­ter in Ber­lin. In sei­nem Antrag auf Gewäh­rung von Kin­der­geld teil­te er mit, er sei nicht erwerbs­tä­tig und auch nicht in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sozi­al­ver­si­chert, son­dern wer­de von sei­ner Schwie­ger­mut­ter unter­hal­ten. Die Fami­li­en­kas­se lehn­te den Antrag ab und setz­te Kin­der­geld erst ab Mai 2012 fest, nach­dem der Klä­ger eine Frei­zü­gig­keits­be­schei­ni­gung erhal­ten hat­te.

Das Finanz­ge­richt wies die Kla­ge ab, weil das Frei­zü­gig­keits­recht des Klä­gers im Hin­blick auf den Kin­der­geld­an­spruch nicht unter­stellt wer­den kön­ne.

Der BFH gab dage­gen der Kla­ge statt. Er ent­schied, dass bul­ga­ri­schen und rumä­ni­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen unab­hän­gig von der für sie bis zum 31. Dezem­ber 2013 ein­ge­schränk­ten Arbeit­neh­mer­frei­zü­gig­keit ein allein aus der Uni­ons­bür­ger­schaft fol­gen­des Frei­zü­gig­keits­recht zusteht. Die­ses Recht ent­fällt nur durch eine Fest­stel­lung der feh­len­den Frei­zü­gig­keit durch die zustän­di­ge Aus­län­der­be­hör­de (§ 5 Abs. 5, § 6 und § 7 des Geset­zes über die all­ge­mei­ne Frei­zü­gig­keit von Uni­ons­bür­gern). Die gemein­schafts­recht­li­che Frei­zü­gig­keit besteht zudem auch nach deut­schem Recht nicht nur für Arbeit­neh­mer, son­dern auch für nie­der­ge­las­se­ne selb­stän­di­ge Erwerbs­tä­ti­ge, Emp­fän­ger von Dienst­leis­tun­gen, Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge usw. Die förm­li­che Fest­stel­lung der feh­len­den Frei­zü­gig­keit obliegt dabei allein den Aus­län­der­be­hör­den.

sie­he auch: Urteil des III. Senats vom 15.3.2017 — III R 3215 -

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