Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 9 vom 07. Febru­ar 2017

Kos­tüm­par­ty eines gemein­nüt­zi­gen Kar­ne­vals­ver­eins kein Zweck­be­trieb

Urteil vom 30.11.2016 V R 5315

Ein von einem gemein­nüt­zi­gen Kar­ne­vals­ver­ein in der Kar­ne­vals­wo­che durch­ge­führ­tes Kos­tüm­fest ist kein Zweck­be­trieb. Nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 30. Novem­ber 2016 V R 5315 unter­lie­gen die Ein­künf­te aus der Ver­an­stal­tung daher der Kör­per­schaft­steu­er und die Umsät­ze dem Umsatz­steu­er­re­gel­satz.

Klä­ger war im Streit­fall ein ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein. Er war mit sei­nem Sat­zungs­zweck “För­de­rung des Kar­ne­vals in sei­nem his­to­ri­schen Sin­ne” als gemein­nüt­zig gemäß § 52 Abs. 2 Nr. 23 der Abga­ben­ord­nung (AO) aner­kannt. Neben klas­si­schen Kar­ne­vals­sit­zun­gen ver­an­stal­te­te der Klä­ger seit vie­len Jah­ren am Kar­ne­vals­sams­tag die Kos­tüm­par­ty “Nacht der Näch­te”. Das Finanz­amt (FA) ging davon aus, dass hier­in kein Zweck­be­trieb gemäß § 65 AO zu sehen sei und unter­warf daher die dar­aus erziel­ten Ein­künf­te der Kör­per­schaft­steu­er und die Umsät­ze dem Regel­steu­er­satz. Wäh­rend die Kla­ge zum Finanz­ge­richt (FG) Erfolg hat­te, hob der BFH auf die Revi­si­on des FA das Urteil des FG auf und wies die Kla­ge ab. Nach dem Urteil des BFH feh­len alle Vor­aus­set­zun­gen für die Annah­me eines Zweck­be­triebs.

Die “Nacht der Näch­te” habe in ihrer Gesamt­rich­tung nicht dazu gedient, die sat­zungs­mä­ßi­gen Zwe­cke des Klä­gers zu ver­wirk­li­chen (§ 65 Nr. 1 AO). Dies set­ze vor­aus, dass der der Brauch­tums­pfle­ge gewid­me­te Geschäfts­be­trieb der Kul­tur­för­de­rung, nicht aber zur För­de­rung kom­mer­zi­el­ler Zie­le die­ne. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des FG umfas­se das tra­di­tio­nel­le Brauch­tum in Gestalt des Kar­ne­vals nicht jede von einem gemein­nüt­zi­gen Kar­ne­vals­ver­ein in der Kar­ne­vals­wo­che durch­ge­führ­te gesel­li­ge Ver­an­stal­tung, die durch Kos­tü­mie­rung der Teil­neh­mer, musi­ka­li­sche und tän­ze­ri­sche Dar­bie­tun­gen sowie aus­ge­las­se­nes Fei­ern geprägt wer­de. Erfor­der­lich sei viel­mehr, dass die Ver­an­stal­tung selbst durch Ele­men­te des Kar­ne­vals in sei­ner tra­di­tio­nel­len Form gekenn­zeich­net wer­de. Dies tref­fe auf die Ver­an­stal­tung im Streit­fall nicht zu.

Zudem habe es sich bei der “Nacht der Näch­te” nicht um einen für die Ver­eins­zwe­cke i.S. des § 65 Nr. 2 AO “unent­behr­li­chen Hilfs­be­trieb” gehan­delt. Es sei nicht ersicht­lich, wes­halb eine Kos­tüm­par­ty, bei der Dar­bie­tun­gen, die nicht im enge­ren Sin­ne kar­ne­va­lis­ti­scher Art sind, einen wesent­li­chen Anteil aus­ma­chen, das unent­behr­li­che und ein­zi­ge Mit­tel zur unmit­tel­ba­ren För­de­rung des Kar­ne­vals in sei­ner his­to­ri­schen Form sein soll. Schließ­lich schei­te­re die Annah­me eines Zweck­be­triebs auch an der Wett­be­werbs­klau­sel des § 65 Nr. 3 AO. Für den BFH war inso­weit aus­schlag­ge­bend, dass eine Kos­tüm­par­ty wäh­rend der Kar­ne­vals­zeit auch von ande­ren Unter­neh­mern ver­an­stal­tet wer­den kann. Zudem habe das FG selbst fest­ge­stellt, dass der Klä­ger in Wett­be­werb mit nicht steu­er­be­güns­tig­ten kom­mer­zi­el­len Anbie­tern ver­gleich­ba­rer Ver­an­stal­tun­gen getre­ten sei.

sie­he auch: Urteil des V. Senats vom 30.11.2016 — V R 5315 -

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