Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 5 vom 01. Febru­ar 2017

Scha­dens­er­satz min­dert nicht den Ver­äu­ße­rungs­ver­lust aus Akti­en­ge­schäft

Urteil vom 4.10.2016 IX R 815

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat mit Urteil vom 4. Okto­ber 2016 IX R 815 ent­schie­den, dass nach­träg­li­che Scha­dens­er­satz­zah­lun­gen einer Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft wegen feh­ler­haf­ter Bestä­ti­gungs­ver­mer­ke, die ein Anle­ger für Ver­lus­te aus Akti­en­ge­schäf­ten erhält, nicht die in frü­he­ren Jah­ren ent­stan­de­nen Ver­lus­te aus dem Ver­kauf der Akti­en min­dern.

Im Urteils­fall hat­ten die Klä­ger in den Jah­ren 1999 bis 2002 Akti­en einer Akti­en­ge­sell­schaft (AG) erwor­ben. Zuvor hat­te eine Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft die Jah­res­ab­schlüs­se der AG geprüft und Bestä­ti­gungs­ver­mer­ke erteilt. Aus der spä­te­ren Ver­äu­ße­rung der Akti­en im Jahr 2002 ent­stan­den den Klä­gern infol­ge eines Kurs­ein­bruchs hohe Ver­lus­te, die das Finanz­amt (FA) bestands­kräf­tig steu­er­lich berück­sich­tig­te. Im Rah­men eines zivil­ge­richt­li­chen Kla­ge­ver­fah­rens, in dem die Klä­ger die Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft wegen feh­ler­haf­ter Bestä­ti­gungs­ver­mer­ke auf Scha­dens­er­satz in Anspruch nah­men, schlos­sen die Klä­ger mit der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft im Jahr 2007 einen Ver­gleich, der eine Zah­lung der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft von 3.000.000 € beinhal­te­te. Die­se Zah­lung min­der­te nach der Auf­fas­sung des FA den aus der Ver­äu­ße­rung erlit­te­nen Ver­lust. Daher änder­te das FA den Ver­lust­fest­stel­lungs­be­scheid. Die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge der Steu­er­pflich­ti­gen vor dem Finanz­ge­richt hat­te Erfolg.

Der BFH hat die vor­in­stanz­li­che Ent­schei­dung bestä­tigt. Nach des­sen Urteil führ­te die Scha­dens­er­satz­zah­lung der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft wegen des feh­ler­haf­ten Bestä­ti­gungs­ver­merks nicht zu einer rück­wir­ken­den Min­de­rung des im Jahr 2002 erlit­te­nen Ver­äu­ße­rungs­ver­lusts i.S. des § 17 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) oder des Ver­lusts aus pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­ten i.S. des § 23 EStG. Die­se Leis­tung min­dert beim Erwer­ber nicht die Anschaf­fungs­kos­ten der Antei­le. Hat der Erwer­ber die Antei­le bereits ver­äu­ßert, erhöht die Zah­lung der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft auch nicht den Ver­äu­ße­rungs­er­lös.

Der Ver­lust i.S. des § 17 Abs. 1 EStG war im Ver­äu­ße­rungs­jahr 2002 ent­stan­den. Die erst nach voll­zo­ge­ner Ver­äu­ße­rung geleis­te­te Scha­dens­er­satz­zah­lung war dem­ge­gen­über Gegen­stand eines selb­stän­di­gen Rechts­ge­schäfts, das nicht in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang mit der Anteils­ver­äu­ße­rung stand, so dass die Zah­lung nicht auf den Zeit­punkt der Ver­lust­ent­ste­hung zurück­wirk­te. Eben­so wenig ent­fal­te­te die Scha­dens­er­satz­zah­lung, die die Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft auf­grund einer eigen­stän­di­gen Rechts­grund­la­ge leis­te­te, Rück­wir­kung auf einen Ver­lust aus pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­ten i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG.

sie­he auch: Urteil des IX. Senats vom 4.10.2016 — IX R 815 -

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