Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 10 vom 04. Febru­ar 2014

Auf­teil­bar­keit der Kos­ten für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer?

Beschluss vom 21.11.13 IX R 2312

Kön­nen Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nur steu­er­lich gel­tend gemacht wer­den, wenn der jewei­li­ge Raum (nahe­zu) aus­schließ­lich für betriebliche/berufliche Zwe­cke genutzt wird und kön­nen die­se Auf­wen­dun­gen ent­spre­chend der jewei­li­gen Nut­zung auf­ge­teilt wer­den? Der IX. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat mit Beschluss vom 21. Novem­ber 2013 IX R 2312 die­se Rechts­fra­gen dem Gro­ßen Senat des BFH zur Ent­schei­dung vor­ge­legt.

Der Klä­ger des Aus­gangs­ver­fah­rens bewohnt ein Ein­fa­mi­li­en­haus, in dem sich auch ein — mit einem Schreib­tisch, Büro­schrän­ken, Rega­len sowie einem Com­pu­ter aus­ge­stat­te­tes — sog. “häus­li­ches” Arbeits­zim­mer befin­det. Von sei­nem Arbeits­zim­mer aus ver­wal­tet der Klä­ger zwei in sei­nem Eigen­tum ste­hen­de ver­mie­te­te Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser. Die Kos­ten für das Arbeits­zim­mer mach­te der Klä­ger bei sei­nen Ein­künf­ten aus der Ver­mie­tung der Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser gel­tend. Das Finanz­amt hat die Kos­ten nicht zum Abzug zuge­las­sen, da sog. gemisch­te Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nach der gesetz­li­chen Rege­lung in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) nicht abge­zo­gen wer­den dürf­ten.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts (FG) hat der Klä­ger nach­weis­lich das Arbeits­zim­mer zu 60 Pro­zent zur Erzie­lung von Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung genutzt. Das FG hat daher ent­schie­den, dass der Klä­ger 60 Pro­zent des von ihm gel­tend gemach­ten Auf­wands als Wer­bungs­kos­ten gel­tend machen kann. Es wen­det damit die Recht­spre­chung des Gro­ßen Senats aus dem Jahr 2009 (Beschluss vom 21. Sep­tem­ber 2009 GrS 106), wonach für Auf­wen­dun­gen, die sowohl beruflich/betriebliche als auch pri­vat ver­an­lass­te Tei­le ent­hal­ten (gemisch­te Auf­wen­dun­gen), kein all­ge­mei­nes Auf­tei­lungs- und Abzugs­ver­bot nor­miert ist, auch auf das häus­li­che Arbeits­zim­mer an.

Der vor­le­gen­de IX. Senat folgt dem. Er geht davon aus, dass Auf­wen­dun­gen für abge­schlos­se­ne häus­li­che Arbeits­zim­mer, die (in zeit­li­cher Hin­sicht) nur teil­wei­se beruf­lich bzw. betrieb­lich genutzt wer­den, auf­zu­tei­len sind. Der danach (antei­lig) steu­er­lich zu berück­sich­ti­gen­de Auf­wand ist nach Maß­ga­be der Rege­lung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 b EStG abzugs­fä­hig.

Der Gro­ße Senat tritt nur zusam­men, wenn er von einem Senat des BFH ange­ru­fen wird. Dies ist vor allem der Fall, wenn der vor­le­gen­de Senat in einer Rechts­fra­ge von einer Ent­schei­dung eines ande­ren Senats abwei­chen will. Dar­über hin­aus ist — ohne dass eine Abwei­chung von einem ande­ren Senat vor­liegt — eine Vor­la­ge auch mög­lich, wenn eine grund­sätz­li­che Rechts­fra­ge zu klä­ren ist. Der Gro­ße Senat hat elf Mit­glie­der und trifft eine für den vor­le­gen­den Senat ver­bind­li­che Ent­schei­dung.

Sie­he auch: Urteil des IX. Senats vom 16.2.2016 — IX R 2312 -, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 5010 vom 2.6.2010, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 110 vom 13.1.2010, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 616 vom 28.1.2016, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 4910 vom 2.6.2010, Ent­schei­dung des IX. Senats vom 21.11.2013 — IX R 2312 -, Beschluss des Gro­ßen Senats vom 21.9.2009 — GrS 106 -

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