Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 11 vom 03. Febru­ar 2016

Gut­schrift auf Kapi­tal­kon­to II einer Per­so­nen­ge­sell­schaft bedeu­tet kei­ne Gewäh­rung von Gesell­schafts­rech­ten

Urteil vom 29.07.15 IV R 1514

Bringt der Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft ein Wirt­schafts­gut gegen Gut­schrift eines Betrags aus­schließ­lich auf dem soge­nann­ten Kapi­tal­kon­to II in die Gesell­schaft ein, ist die­ser Vor­gang nach einem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 29. Juli 2015 IV R 1514 als Ein­la­ge und nicht als ent­gelt­li­ches Geschäft zu behan­deln. Damit hat der BFH eine schon lan­ge strei­ti­ge Fra­ge geklärt und dabei aus­drück­lich der Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen wider­spro­chen.

Im Urteils­fall hat­te ein Land­wirt den Abbau eines Boden­schat­zes auf einem eige­nen Grund­stück durch eine eigens dafür gegrün­de­te Per­so­nen­ge­sell­schaft vor­ge­nom­men. Er über­trug das Grund­stück aus sei­nem land­wirt­schaft­li­chen Betrieb auf die Gesell­schaft, eine GmbH & Co. KG, und erhielt dafür eine Gut­schrift auf dem Kapi­tal­kon­to II. Wel­chen Anteil der Gesell­schaf­ter am Ver­mö­gen der Gesell­schaft hat­te und wel­che Gewinn­be­zugs- und Stimm­rech­te ihm zustan­den, ergab sich allein aus dem Kapi­tal­kon­to I. Dar­aus fol­ger­te der BFH, dass der Gesell­schaf­ter kei­ne Gegen­leis­tung für die Ein­brin­gung des Grund­stücks erhal­ten habe, auch nicht in Gestalt von Gesell­schafts­rech­ten. Die Gesell­schaft war –gestützt auf ver­öf­fent­lich­te Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen– der Mei­nung, auch das Kapi­tal­kon­to II wei­se Gesell­schafts­rech­te aus, so dass sie das Grund­stück und den Boden­schatz ent­gelt­lich erwor­ben habe und auf die Anschaf­fungs­kos­ten des Boden­schat­zes bei des­sen Abbau Abschrei­bun­gen vor­neh­men kön­ne. Das Finanz­amt (FA) teil­te zwar die Auf­fas­sung, dass ein ent­gelt­li­cher Erwerb statt­ge­fun­den habe, lehn­te aber die Abschrei­bung aus ande­ren Grün­den ab. Im Ergeb­nis bestä­tig­te der BFH das FA, stütz­te die Ver­sa­gung der Abschrei­bung aber auf das Feh­len von Anschaf­fungs­kos­ten. Ein­brin­gun­gen in Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten gegen Buchung auf einem Gesell­schaf­ter­kon­to sind danach nur dann ent­gelt­li­che Vor­gän­ge, wenn ein Kapi­tal­kon­to ange­spro­chen wird, das Maß­stab für die Antei­le des Gesell­schaf­ters am Ver­mö­gen, am Gewinn oder an den Stimm­rech­ten ist (in der Regel Kapi­tal­kon­to I) oder das For­de­run­gen oder Ver­bind­lich­kei­ten zwi­schen Gesell­schaf­ter und Gesell­schaft aus­weist.

Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 12 vom 03. Febru­ar 2016

Nur ein­ge­schränk­te Rech­te des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums bei Betei­li­gung an Revi­si­ons­ver­fah­ren

Beschluss vom 16.12.15 IV R 1514

Akzep­tiert der Klä­ger die Zurück­wei­sung sei­ner Revi­si­on durch einen Gerichts­be­scheid des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH), indem er von sei­nem Recht auf Bean­tra­gung einer münd­li­chen Ver­hand­lung kei­nen Gebrauch macht, kann das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen (BMF) kei­ne münd­li­che Ver­hand­lung erwir­ken, auch wenn es die Begrün­dung, auf die der BFH sei­ne Ent­schei­dung stützt, nicht für rich­tig hält. Dies ent­schied der BFH mit Beschluss vom 16. Dezem­ber 2015 IV R 1514 und lehn­te damit einen vom BMF gestell­ten Antrag auf münd­li­che Ver­hand­lung ab.

An einem Revi­si­ons­ver­fah­ren vor dem BFH ist grund­sätz­lich von Sei­ten der Finanz­ver­wal­tung nur das beklag­te Finanz­amt (FA) betei­ligt. Aller­dings kann das BMF bei einer bun­des­ge­setz­lich gere­gel­ten Steu­er –wie hier der Ein­kom­men­steu­er– einem Ver­fah­ren bei­tre­ten (§ 122 Abs. 2 Satz 1 der Finanz­ge­richts­ord­nung) und erhält damit die Rechts­stel­lung eines Betei­lig­ten. Die­se Stel­lung gibt dem BMF aber nach der Recht­spre­chung des BFH nicht die­sel­ben Rech­te wie sie die Haupt­be­tei­lig­ten haben. Das BMF kann bei­spiels­wei­se nicht auf münd­li­che Ver­hand­lung bestehen, wenn die Haupt­be­tei­lig­ten auf münd­li­che Ver­hand­lung ver­zich­tet haben. Im Fall des jetzt ergan­ge­nen Beschlus­ses hat­ten die Betei­lig­ten zwar zunächst einen sol­chen Ver­zicht nicht erklärt, wes­halb der BFH im schrift­li­chen Ver­fah­ren nur einen Gerichts­be­scheid erlas­sen konn­te. Die­ser wirkt als Urteil, wenn nicht inner­halb eines Monats münd­li­che Ver­hand­lung bean­tragt wird. Macht kei­ner der Haupt­be­tei­lig­ten von die­sem Antrags­recht Gebrauch, ist die Pro­zess­la­ge mit der eines anfäng­li­chen Ver­zichts auf münd­li­che Ver­hand­lung ver­gleich­bar. Des­halb kann das BMF auch in die­sem Fall kei­ne münd­li­che Ver­hand­lung erzwin­gen.

Soll­te das FA mit dem Gerichts­be­scheid nicht voll­stän­dig Erfolg haben, könn­te es aller­dings vom BMF zur Stel­lung eines Antrags auf münd­li­che Ver­hand­lung ver­an­lasst wer­den. Die­se Mög­lich­keit bestand aber im jetzt ent­schie­de­nen Fall nicht, weil das FA den Rechts­streit im Ergeb­nis voll gewon­nen hat­te. Wer einen Rechts­streit im schrift­li­chen Ver­fah­ren gewinnt, hat wegen feh­len­den Rechts­schutz­be­dürf­nis­ses kei­nen Anspruch auf Durch­füh­rung einer münd­li­chen Ver­hand­lung.

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