Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 28 vom 03. Mai 2017

Kei­ne Gewer­be­steu­er­be­frei­ung ambu­lan­ter Dia­ly­se­zen­tren

Urteil vom 25.1.2017 I R 7414

Nach § 3 Nr. 20 des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes kön­nen Kran­ken­häu­ser, Ein­rich­tun­gen zur vor­über­ge­hen­den Auf­nah­me pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen, Ein­rich­tun­gen zur ambu­lan­ten Pfle­ge kran­ker und pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen sowie Ein­rich­tun­gen zur ambu­lan­ten oder sta­tio­nä­ren Reha­bi­li­ta­ti­on von der Gewer­be­steu­er befreit sein. Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat mit Urteil vom 25. Janu­ar 2017 I R 7414 ent­schie­den, dass ambu­lan­te Dia­ly­se­zen­tren von der Steu­er­be­frei­ung nicht erfasst sind.

Im Streit­fall betrieb die Klä­ge­rin, eine GmbH, zwei Dia­ly­se­zen­tren, in denen Kran­ken­fach­kräf­te und pfle­ger die Pati­en­ten wäh­rend der ambu­lant vor­ge­nom­me­nen Dia­ly­se betreu­ten. Damit war aller­dings der nach sozi­al­recht­li­chen Vor­ga­ben gepräg­te Begriff “Kran­ken­haus” (der die Mög­lich­keit der Voll­ver­sor­gung der Pati­en­ten erfor­dert) nicht erfüllt. Für eine Gleich­stel­lung mit einem kran­ken­häus­li­chen Dia­ly­se­zen­trum fehlt die Rechts­grund­la­ge: Die gesetz­ge­be­ri­sche Ein­engung der Steu­er­be­frei­ung auf Kran­ken­häu­ser, nicht aber sämt­li­cher Ein­rich­tun­gen, deren Leis­tun­gen über die Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger abge­rech­net wer­den kön­nen, ist nach Auf­fas­sung des BFH auf­grund der Bedeu­tung der Voll­ver­sor­gung und deren beson­de­rer Kos­ten­struk­tur nicht zu bean­stan­den.

Die Dia­ly­se­zen­tren konn­ten auch nicht als Ein­rich­tun­gen zur vor­über­ge­hen­den Auf­nah­me pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen ange­se­hen wer­den. Denn ein dafür erfor­der­li­cher auf die Unter­stüt­zung bei gewöhn­li­chen und regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Ver­rich­tun­gen der Per­so­nen gerich­te­ter Zweck lag nicht bereits dar­in, den Pati­en­ten wäh­rend des Auf­ent­halts Hil­fe­stel­lung in dem für die Inan­spruch­nah­me der nicht­pfle­ge­ri­schen Leis­tung (der Dia­ly­se) erfor­der­li­chen Maß zu geben. Die Ein­rich­tun­gen der Klä­ge­rin dien­ten auch nicht zur ambu­lan­ten Pfle­ge kran­ker und pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen; denn damit sind nur Pfle­ge­diens­te gemeint, die Pfle­ge­be­dürf­ti­ge in ihrer Woh­nung pfle­gen und haus­wirt­schaft­lich ver­sor­gen.

Offen las­sen konn­te der BFH hin­ge­gen die Fra­ge, ob ambu­lan­te Dia­ly­se­zen­tren als Ein­rich­tun­gen zur ambu­lan­ten oder sta­tio­nä­ren Reha­bi­li­ta­ti­on anzu­se­hen sind. Die­ser Befrei­ungs­tat­be­stand (ab 2015) war für den Streit­fall zeit­lich (noch) nicht anwend­bar.

sie­he auch: Urteil des I. Senats vom 25.1.2017 — I R 7414 -

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