Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 75 vom 14. Dezem­ber 2016

Fonds­be­tei­li­gung an Schrott­im­mo­bi­li­en: Rück­ab­wick­lung im Umfang von Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen nicht steu­er­bar

Urteil vom 6.9.2016 IX R 4414
Urteil vom 6.9.2016 IX R 4514
Urteil vom 6.9.2016 IX R 2715

Zah­lun­gen bei der Rück­ab­wick­lung von Immo­bi­li­en­fonds mit “Schrott­im­mo­bi­li­en” kön­nen in ein steu­er­pflich­ti­ges Ver­äu­ße­rungs­ent­gelt und eine nicht steu­er­ba­re Ent­schä­di­gungs­leis­tung auf­zu­tei­len sein, wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit drei gleich­lau­ten­den Urtei­len vom 6. Sep­tem­ber 2016 IX R 44/14, 4514 und 2715 ent­schie­den hat. Die Ent­schei­dun­gen sind für zahl­rei­che Anle­ger von Bedeu­tung, die sich an geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds betei­ligt und in der Fol­ge von Scha­dens­er­satz­pro­zes­sen wegen Pro­spekt­haf­tung von der Betei­li­gung wie­der getrennt haben.

In den ent­schie­de­nen Fäl­len hat­ten sich die Klä­ger an geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds betei­ligt, die nicht wert­hal­ti­ge Immo­bi­li­en ent­hiel­ten und die zuge­sag­ten Erträ­ge nicht erwirt­schaf­ten konn­ten. In der Fol­ge sah sich die Bank, auf deren Initia­ti­ve die Betei­li­gun­gen gegrün­det und ver­trie­ben wor­den waren, zahl­rei­chen Kla­gen von getäusch­ten Anle­gern auf Scha­dens­er­satz und Rück­ab­wick­lung aus­ge­setzt. Im Jahr 2005 bot eine eigens dazu gegrün­de­te Toch­ter­ge­sell­schaft des Kre­dit­in­sti­tuts den Klä­gern an, die Betei­li­gun­gen wie­der zurück zu neh­men. Vor­aus­set­zung war, dass die Klä­ger im Gegen­zug ihre Scha­dens­er­satz­kla­gen zurück­nah­men und auf die Gel­tend­ma­chung wei­te­rer Ansprü­che ver­zich­te­ten. Die Klä­ger mach­ten von dem Ange­bot Gebrauch und erhiel­ten für die Über­tra­gung ihres Anteils jeweils eine als “Kauf­preis” bezeich­ne­te Zah­lung. Die Finanz­äm­ter gin­gen jeweils von steu­er­ba­ren Ver­äu­ße­rungs­ge­win­nen aus. Mit ihnen kam es zum Streit dar­über, ob die Zah­lun­gen als Scha­dens­er­satz dem nicht steu­er­ba­ren Bereich zuzu­ord­nen waren. Dar­über hin­aus war auch die Ermitt­lung des Ver­äu­ße­rungs­ge­winns durch die Finanz­ver­wal­tung strei­tig. Die in den jewei­li­gen Kla­ge­ver­fah­ren ange­ru­fe­nen Finanz­ge­rich­te sahen die Zah­lun­gen als steu­er­bar an und bestä­tig­ten auch die Berech­nungs­me­tho­de der Finanz­ver­wal­tung.

Der BFH hat in allen Fäl­len die Aus­gangs­ent­schei­dun­gen auf­ge­ho­ben und die Ver­fah­ren an die Finanz­ge­rich­te zurück­ver­wie­sen. Zwar han­de­le es bei den Rück­erwer­ben der Betei­li­gun­gen um pri­va­te Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te. Die an die Klä­ger gezahl­ten Beträ­ge sei­en aber auch für ande­re Ver­pflich­tun­gen, näm­lich zugleich als Ent­gelt für den Ver­zicht auf Scha­dens­er­satz­an­sprü­che aus delik­ti­scher und ver­trag­li­cher Haf­tung und die Rück­nah­me der Scha­dens­er­satz­kla­gen, gezahlt wor­den. Inso­weit müs­se das Ent­gelt auf­ge­teilt wer­den. Denn die Bank habe die Ver­ein­ba­rung in ers­ter Linie geschlos­sen, um die belas­ten­de Situa­ti­on auf­grund der zahl­rei­chen Scha­dens­er­satz­kla­gen und die damit ver­bun­de­ne finan­zi­el­le Unsi­cher­heit zu besei­ti­gen. Zudem hat der BFH in den Ent­schei­dun­gen die Berech­nungs­me­tho­de der Finanz­ver­wal­tung für die Ermitt­lung der Ein­künf­te bei der Ver­äu­ße­rung von Antei­len an geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds ver­wor­fen.

sie­he auch: Urteil des IX. Senats vom 6.9.2016 — IX R 2715 -, Urteil des IX. Senats vom 6.9.2016 — IX R 4414 -, Urteil des IX. Senats vom 6.9.2016 — IX R 4514 -

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