Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 52 vom 09. August 2017

All­ge­mein­po­li­ti­sche Betä­ti­gung gemein­nüt­zi­ger Kör­per­schaf­ten

Urteil vom 20.3.2017 X R 1315

Eine wegen För­de­rung des Umwelt­schut­zes gemein­nüt­zi­ge Kör­per­schaft darf sich mit all­ge­mein­po­li­ti­schen The­men befas­sen, wenn sie par­tei­po­li­tisch neu­tral bleibt, sie sich dabei an ihre sat­zungs­mä­ßi­gen Zie­le hält und die von der Kör­per­schaft ver­tre­te­nen Auf­fas­sun­gen objek­tiv und sach­lich fun­diert sind. Nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 20. März 2017 X R 1315 gilt dies in beson­de­rem Maße, wenn eine Kör­per­schaft nach ihrer Sat­zung den Umwelt­schutz för­dert, weil in die­sem Bereich ein gro­ßer Teil der wirk­sa­men Maß­nah­men nicht durch den Ein­zel­nen, son­dern nur durch den Gesetz­ge­ber getrof­fen wer­den kön­nen.

Im ent­schie­de­nen Fall hat­te ein Spen­der einem Ver­ein, der den Umwelt­schutz durch zahl­rei­che Ein­zel­pro­jek­te för­dert, einen Geld­be­trag zuge­wen­det. Die Spen­de war zweck­ge­bun­den zur Unter­stüt­zung der Durch­füh­rung eines Volks­be­geh­rens, das die Rekom­mu­na­li­sie­rung von Ener­gie­net­zen zum Gegen­stand hat­te. Der Ver­ein stell­te hier­für eine Zuwen­dungs­be­stä­ti­gung aus. Das Finanz­amt (FA) hielt dies für unzu­läs­sig, da die Unter­stüt­zung eines Volks­be­geh­rens eine unzu­läs­si­ge poli­ti­sche Betä­ti­gung dar­stel­le und der Umwelt­schutz durch ein Volks­be­geh­ren nicht unmit­tel­bar geför­dert wer­de. Das Finanz­ge­richt (FG) hat die­se Fra­gen offen­ge­las­sen, die Kla­ge aber schon des­halb abge­wie­sen, weil der Ver­ein sei­ne Auf­wen­dun­gen für das Volks­be­geh­ren nicht von dem Bank­kon­to, auf dem die Spen­de ein­ge­gan­gen war, son­dern von einem ande­ren Bank­kon­to bezahlt hat­te.

Dem ist der BFH nicht gefolgt. Nach dem Urteil des BFH ver­langt das gemein­nüt­zig­keits­recht­li­che Gebot zeit­na­her Mit­tel­ver­wen­dung nicht, genau den kon­kre­ten, von einem Spen­der zuge­wen­de­ten Geld­schein oder genau das auf einem bestimm­ten Bank­kon­to der Kör­per­schaft durch Spen­den­ein­gän­ge ent­stan­de­ne Gut­ha­ben inner­halb der gesetz­li­chen Frist für die gemein­nüt­zi­gen Zwe­cke zu ver­wen­den. Viel­mehr genügt es, wenn die pro­jekt­be­zo­ge­nen Auf­wen­dun­gen von einem ande­ren Bank­kon­to der Kör­per­schaft bezahlt wer­den. Es kommt daher allein auf eine Sal­do-Betrach­tung an.

Weil aber hin­sicht­lich der Berech­ti­gung zur Aus­stel­lung von Zuwen­dungs­be­stä­ti­gun­gen noch eini­ge ande­re Fra­gen zu klä­ren sind, hat der BFH das Ver­fah­ren an das FG zur wei­te­ren Sach­auf­klä­rung zurück­ver­wie­sen.

Dabei weist der BFH aus­drück­lich dar­auf hin, dass es frag­lich sei, ob die vom FA vor­ge­brach­ten Argu­men­te die Annah­me recht­fer­ti­gen, der Klä­ger habe mit sei­nem Ein­tre­ten für die Rekom­mu­na­li­sie­rung der Ener­gie­net­ze nicht mehr dem Ziel des Umwelt­schut­zes gedient. Beim gegen­wär­ti­gen Stand des Ver­fah­rens sei­en zudem kei­ne Gesichts­punk­te erkenn­bar, die dafür spre­chen könn­ten, dass die Unter­stüt­zung der Volks­in­itia­ti­ve durch den Klä­ger sei­ne Ver­pflich­tung zur par­tei­po­li­ti­schen Neu­tra­li­tät ver­letzt haben könn­te. Er habe nicht zur Unter­stüt­zung einer bestimm­ten poli­ti­schen Par­tei auf­ge­ru­fen. Zudem tre­ten nahe­zu alle rele­van­ten poli­ti­schen Par­tei­en dafür ein, den Kli­ma­wan­del zu begren­zen und erneu­er­ba­re Ener­gi­en zu för­dern.

sie­he auch: Urteil des X. Senats vom 20.3.2017 — X R 1315 -

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