Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 70 vom 14. Okto­ber 2015

Berech­nung der Gebühr für die Ertei­lung einer ver­bind­li­chen Aus­kunft

Urteil vom 22.04.15 IV R 1312

Mit Urteil vom 22. April 2015 hat der IV. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) ent­schie­den, dass sich der Wert für die Bemes­sung der Gebühr, die für eine ver­bind­li­che Aus­kunft durch die Finanz­be­hör­de zu ent­rich­ten ist, nach dem Antrag rich­tet und in Anleh­nung an den Streit­wert eines gericht­li­chen Ver­fah­rens berech­net wird.

In dem Urteils­fall plan­te die Klä­ge­rin eine Umstruk­tu­rie­rung ihres Kon­zerns und frag­te beim Finanz­amt (FA) an, ob die geplan­te Gestal­tung die Auf­de­ckung stil­ler Reser­ven aus­lö­sen wür­de. Die Behör­de ver­nein­te die­se für die Klä­ge­rin nach­tei­li­ge Rechts­fol­ge. Für die erteil­te Aus­kunft erhob die Finanz­be­hör­de eine dem Grun­de nach gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Aus­kunfts­ge­bühr. Bei der Berech­nung der Gebühr stell­te das FA auf die über­schlä­gig ermit­tel­te Steu­er­be­las­tung ab, die ein­ge­tre­ten wäre, wenn die­se stil­len Reser­ven tat­säch­lich auf­zu­de­cken und zu ver­steu­ern wären. Die im Anschluss erho­be­ne Kla­ge vor dem Finanz­ge­richt (FG) war inso­weit erfolg­reich, als das FG gebüh­ren­min­dernd berück­sich­tig­te, dass eine Auf­de­ckung stil­ler Reser­ven auch eine höhe­re steu­er­min­dern­de Abschrei­bung in den Fol­ge­jah­ren bedeu­tet hät­te; die­se Min­de­run­gen der Steu­er­be­las­tung in den Fol­ge­jah­ren berück­sich­tig­te das FG bei der Gebüh­ren­hö­he.

Der BFH hob nun das Urteil des FG auf und wies die Kla­ge ab. Die Gebühr einer ver­bind­li­chen Aus­kunft kön­ne nur auf der Grund­la­ge der im Antrag auf Aus­kunft gestell­ten Rechts­fra­gen berech­net wer­den. Nicht gestell­te Fra­gen sei­en — weder erhö­hend noch min­dernd — zu berück­sich­ti­gen, auch wenn sie sich als Fol­ge­fra­gen aus dem Antrag erge­ben wür­den. Für die Berech­nung der steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen sei auf die bekann­ten Grund­sät­ze der gericht­li­chen Streit­wert­ermitt­lung zurück­zu­grei­fen. Der Auf­fas­sung der Klä­ge­rin, der Wert der Aus­kunft sei pau­schal mit 10 Pro­zent der steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen anzu­set­zen, folg­te der BFH nicht. Die Bedeu­tung der Aus­kunft für den Antrag­stel­ler als grund­sätz­lich ver­bind­li­che Ent­schei­dung über die Rechts­fra­gen recht­fer­ti­ge kei­ne pau­scha­le Min­de­rung.

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