Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 1 vom 03. Janu­ar 2018

Zwei­fel an der Umsatz­steu­er­pflicht der förm­li­chen Zustel­lun­gen von Post­sen­dun­gen

Beschluss vom 31.5.2017 V R 816
Beschluss vom 31.5.2017 V R 3015

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) zwei­felt an der Umsatz­steu­er­pflicht der förm­li­chen Zustel­lung von Post­sen­dun­gen und hat hier­zu zwei Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) gerich­tet (BFH-Beschlüs­se vom 31. Mai 2017 V R 816 und V R 3015).

§ 4 Nr. 11b des Umsatz­steu­er­ge­set­zes (UStG) ord­net in sei­ner heu­te gel­ten­den Fas­sung unter Bezug­nah­me auf das uni­ons­recht­lich har­mo­ni­sier­te Post­recht eine Umsatz­steu­er­frei­heit sog. Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen an.

Mit der Vor­la­ge im ers­ten Fall (V R 816) soll geklärt wer­den, ob es sich bei der förm­li­chen Zustel­lung von Schrift­stü­cken nach den Vor­schrif­ten der Pro­zess­ord­nun­gen und der Geset­ze über die Ver­wal­tungs­zu­stel­lung nach § 33 Abs. 1 des Post­ge­set­zes um eine Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tung han­delt und ob die­se Leis­tung nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 2006/112/EG des Rates vom 28. Novem­ber 2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem als uni­ons­recht­li­cher Grund­la­ge von § 4 Nr. 11b UStG steu­er­frei ist. Die Vor­la­ge im zwei­ten Fall (V R 3015) bezieht sich auf eine frü­he­re Geset­zes­fas­sung von § 4 Nr. 11b UStG. Die Finanz­ver­wal­tung sieht der­ar­ti­ge Leis­tun­gen all­ge­mein als umsatz­steu­er­pflich­tig an.

Die Umsatz­steu­er­frei­heit bezieht sich nach bis­he­ri­ger Recht­spre­chung auf pos­ta­li­sche Dienst­leis­tun­gen, die den grund­le­gen­den Bedürf­nis­sen der Bevöl­ke­rung ent­spre­chen und die damit den gesam­ten Uni­ver­sal­post­dienst in einem Mit­glied­staat oder einem Teil davon gewähr­leis­ten.

Für eine Steu­er­frei­heit auf die­ser Grund­la­ge spricht aus Sicht des BFH, dass förm­li­che Zustel­lun­gen wie im behörd­li­chen Post­ver­kehr der nach­prüf­ba­ren Zustel­lung von amt­li­chen Schrei­ben die­nen. Sie ermög­li­chen die nach­prüf­ba­re Zustel­lung von Kla­ge- und Antrags­schrif­ten oder die Zustel­lung von gericht­li­chen Ent­schei­dun­gen, wodurch Rechts­mit­tel­fris­ten in Lauf gesetzt wer­den. Förm­li­che Zustel­lun­gen sind unab­ding­bar für ein geord­ne­tes Ver­wal­tungs- oder Gerichts­ver­fah­ren und tra­gen damit zu einer ver­läss­li­chen und ord­nungs­ge­mä­ßen Rechts­pfle­ge bei.

Gleich­wohl hat der BFH Zwei­fel an der zutref­fen­den Aus­le­gung des Uni­ons­rechts, so dass eine Vor­ab­ent­schei­dung des EuGH ein­zu­ho­len war.

sie­he auch: Beschluss (EuGH-Vor­la­ge) des V. Senats vom 31.5.2017 — V R 3015 -, Beschluss (EuGH-Vor­la­ge) des V. Senats vom 31.5.2017 — V R 816 -

Infor­ma­tio­nen: