Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 76 vom 13. Dezem­ber 2017

Umsatz­steu­er­frei­heit medi­zi­ni­scher Ana­ly­sen eines Fach­arz­tes für kli­ni­sche Che­mie und Labo­ra­to­ri­ums­dia­gnos­tik zwei­fel­haft

Beschluss vom 11.10.2017 XI R 2315

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat Zwei­fel, ob von einem Labor­arzt an ein Labor­un­ter­neh­men aus­ge­führ­te medi­zi­ni­sche Ana­ly­sen, die der vor­beu­gen­den Beob­ach­tung und Unter­su­chung von Pati­en­ten die­nen, von der Umsatz­steu­er befreit sind. Er hat mit Beschluss vom 11. Okto­ber 2017 XI R 2315 den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on dies­be­züg­lich um Klä­rung gebe­ten.

Nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2006/112/EG des Rates vom 28. Novem­ber 2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem (MwSt­Sys­tRL) sind Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin, die im Rah­men der Aus­übung der von dem betref­fen­den Mit­glied­staat defi­nier­ten ärzt­li­chen und arzt­ähn­li­chen Beru­fe durch­ge­führt wer­den, steu­er­frei; dem ent­spricht § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 des Umsatz­steu­er­ge­set­zes (UStG).

Art. 132 Abs. 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL regelt dem­ge­gen­über die Steu­er­be­frei­ung von Kran­ken­haus­be­hand­lun­gen und ärzt­li­chen Heil­be­hand­lun­gen, die von Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder in sozia­ler Hin­sicht ver­gleich­ba­ren ande­ren aner­kann­ten Ein­rich­tun­gen bewirkt wer­den. Dies soll durch § 4 Nr. 14 Buchst. b UStG umge­setzt wer­den, der die Steu­er­be­frei­ung an wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen knüpft; nach den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers (BTDrucks 1610189, S. 75) kön­nen medi­zi­ni­sche Ver­sor­gungs­zen­tren, Ein­rich­tun­gen von Labor­ärz­ten oder kli­ni­schen Che­mi­kern sowie Pra­xis­kli­ni­ken unter die­se Vor­schrift fal­len.

Im Streit­fall fer­tig­te der Klä­ger für ein in pri­vat­recht­li­cher Form orga­ni­sier­tes Labor medi­zi­ni­sche Ana­ly­sen, die außer­halb der Pra­xis­räu­me des sie anord­nen­den prak­ti­schen Arz­tes durch­ge­führt wur­den.

Der BFH ver­tritt in dem Vor­la­ge­be­schluss die Auf­fas­sung, dass die­se Leis­tun­gen als Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin, die im Rah­men der Aus­übung der Tätig­keit als Arzt durch­ge­führt wur­den, den Tat­be­stand der Steu­er­be­frei­ung des § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG, Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL erfül­len.

Mit dem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des BFH soll geklärt wer­den, ob die Anwen­dung des Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL durch Art. 132 Abs. 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL aus­ge­schlos­sen ist, d.h. sol­che Leis­tun­gen nur unter den wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Nr. 14 Buchst. b UStG, Art. 132 Abs. 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL von der Umsatz­steu­er befreit sind.

Fer­ner stellt sich -falls Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL anwend­bar ist- die Fra­ge, ob die betref­fen­de Steu­er­be­frei­ung -wie das Finanz­amt meint- ein per­sön­li­ches Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Pati­ent und Behan­deln­dem vor­aus­setzt.

sie­he auch: Beschluss (EuGH-Vor­la­ge) des XI. Senats vom 11.10.2017 — XI R 2315 -

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