Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 4 vom 10. Janu­ar 2018

Aus­bil­dungs­en­de im Kin­der­geld­recht

Urteil vom 14.9.2017 III R 1916

Die Kin­der­geld­ge­wäh­rung auf­grund einer Berufs­aus­bil­dung endet nicht bereits mit der Bekannt­ga­be des Ergeb­nis­ses einer Abschluss­prü­fung, son­dern erst mit dem spä­te­ren Ablauf der gesetz­lich fest­ge­leg­ten Aus­bil­dungs­zeit. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 14. Sep­tem­ber 2017 III R 1916 zu § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) ent­schie­den.

Im Streit­fall absol­vier­te die Toch­ter des Klä­gers eine Aus­bil­dung zur staat­lich aner­kann­ten Heiler­zie­hungs­pfle­ge­rin, die nach der ein­schlä­gi­gen lan­des­recht­li­chen Ver­ord­nung drei Jah­re dau­ert. Der Aus­bil­dungs­ver­trag hat­te dem­entspre­chend eine Lauf­zeit vom 1. Sep­tem­ber 2012 bis zum 31. August 2015. Die Toch­ter bestand die Abschluss­prü­fung im Juli 2015; in die­sem Monat wur­den ihr die Prü­fungs­no­ten mit­ge­teilt. Die Kin­der­geld­ge­wäh­rung setz­te vor­aus, dass sich die Toch­ter in Berufs­aus­bil­dung befand (§ 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG). Die Fami­li­en­kas­se ging davon aus, dass eine Berufs­aus­bil­dung bereits mit Ablauf des Monats endet, in dem das Prü­fungs­er­geb­nis bekannt­ge­ge­ben wird, so dass es nicht auf das Ende der durch Rechts­vor­schrift fest­ge­leg­ten Aus­bil­dungs­zeit ankommt.

Die Fami­li­en­kas­se hob daher die Fest­set­zung des Kin­der­gel­des ab August 2015 auf und ver­wies hier­zu auf die Recht­spre­chung des BFH, der zufol­ge eine Aus­bil­dung spä­tes­tens mit der Bekannt­ga­be des Prü­fungs­er­geb­nis­ses endet. Der Klä­ger wand­te sich dage­gen und erstritt vor dem Finanz­ge­richt das Kin­der­geld für den Monat August. Die Revi­si­on der Fami­li­en­kas­se hat­te kei­nen Erfolg.

Der BFH hat mit dem neu­en Urteil sei­ne Recht­spre­chung zur Dau­er der Berufs­aus­bil­dung prä­zi­siert. In den bis­lang ent­schie­de­nen Fäl­len war die Bekannt­ga­be des Prü­fungs­er­geb­nis­ses der spä­tes­te in Betracht kom­men­de Zeit­punkt des Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­ses. Hier­von unter­schei­det sich der Streit­fall, weil hier das Aus­bil­dungs­en­de durch eine eige­ne Rechts­vor­schrift gere­gelt ist. Nach § 2 Abs. 2 Satz 1 der Heiler­zie­hungs­pfle­ge­ver­ord­nung des Lan­des Baden-Würt­tem­berg dau­ert die Fach­schul­aus­bil­dung zur Heiler­zie­hungs­pfle­ge­rin drei Jah­re. Die Vor­schrift des § 21 Abs. 2 des Berufs­bil­dungs­ge­set­zes (BBiG), der zufol­ge eine Berufs­aus­bil­dung vor Ablauf der Aus­bil­dungs­zeit mit der Bekannt­ga­be des Prü­fungs­er­geb­nis­ses endet, war nicht ein­schlä­gig, da die Aus­bil­dung an einer dem Lan­des­recht unter­ste­hen­den berufs­bil­den­den Schu­le absol­viert wur­de, so dass das BBiG nicht anwend­bar war. Damit ende­te die Berufs­aus­bil­dung nicht im Juli 2015, son­dern erst mit Ablauf des Fol­ge­mo­nats.

sie­he auch: Urteil des III. Senats vom 14.9.2017 — III R 1916 -

Infor­ma­tio­nen: