Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 57 vom 19. August 2015

Ein­spruchs­ein­le­gung durch ein­fa­che E-Mail ohne qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur

Urteil vom 13.05.15 III R 2614

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat mit Urteil vom 13. Mai 2015 III R 2614 ent­schie­den, dass auch nach der bis zum 31. Juli 2013 gel­ten­den Rechts­la­ge ein Ein­spruch mit ein­fa­cher E-Mail, d.h. ohne eine qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur, ein­ge­legt wer­den konn­te, wenn die Finanz­be­hör­de einen Zugang für die Über­mitt­lung elek­tro­ni­scher Doku­men­te eröff­net hat.

Die Fami­li­en­kas­se hat­te im Janu­ar 2013 eine zuguns­ten der Klä­ge­rin erfolg­te Kin­der­geld­fest­set­zung auf­ge­ho­ben und in dem Bescheid die E-Mail-Adres­se der Fami­li­en­kas­se ange­ge­ben. Gegen die­sen Bescheid leg­te die Klä­ge­rin mit ein­fa­cher E-Mail Ein­spruch ein, den die Fami­li­en­kas­se als unbe­grün­det zurück­wies. Das Finanz­ge­richt (FG) wies die dage­gen gerich­te­te Kla­ge ab: Da der Ein­spruch man­gels qua­li­fi­zier­ter elek­tro­ni­scher Signa­tur nicht wirk­sam ein­ge­legt wor­den sei, lie­ge ein bereits bestands­kräf­ti­ger Auf­he­bungs­be­scheid vor.

Der BFH wider­sprach der Auf­fas­sung des FG. Er hat­te sich dabei noch mit der bis zum 31. Juli 2013 gel­ten­den Fas­sung des § 357 Abs. 1 Satz 1 der Abga­ben­ord­nung (AO) aus­ein­an­der­zu­set­zen. Danach ist der Ein­spruch schrift­lich ein­zu­rei­chen oder zur Nie­der­schrift zu erklä­ren. Bereits nach bis­he­ri­ger Recht­spre­chung des BFH erfor­dert die “schrift­li­che” Ein­spruchs­ein­le­gung nicht, dass der Ein­spruch im Sin­ne der stren­ge­ren “Schrift­form” vom Ein­spruchs­füh­rer eigen­hän­dig unter­schrie­ben wird. Es reicht aus, wenn aus dem Schrift­stück her­vor­geht, wer den Ein­spruch ein­ge­legt hat. Ent­spre­chen­des hat der BFH nun für einen elek­tro­nisch ein­ge­leg­ten Ein­spruch ent­schie­den. Inso­weit ist ein ein­fa­ches elek­tro­ni­sches Doku­ment ohne qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur (z.B. eine ein­fa­che E-Mail) geeig­net, einen papier­ge­bun­de­nen, schrift­lich ein­ge­leg­ten Ein­spruch zu erset­zen. Vor­aus­set­zung ist jedoch, dass die Behör­de einen Zugang für die Über­mitt­lung elek­tro­ni­scher Doku­men­te eröff­net hat. Dies ergab sich im Streit­fall dar­aus, dass die Fami­li­en­kas­se in dem ange­grif­fe­nen Bescheid ihre E-Mail-Adres­se ange­ge­ben hat­te.

Ab 1. August 2013 wur­de § 357 Abs. 1 Satz 1 AO dahin­ge­hend ergänzt, dass der Ein­spruch auch “elek­tro­nisch” ein­ge­reicht wer­den kann. Damit woll­te der Gesetz­ge­ber klar­stel­len, dass ein ein­fa­ches elek­tro­ni­sches Doku­ment zur Ein­spruchs­ein­le­gung aus­reicht und es nicht der Ein­hal­tung der stren­ge­ren “elek­tro­ni­schen Form” bedarf, die eine qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur erfor­dert. Die­se bür­ger­freund­li­che Erleich­te­rung gilt aller­dings für eine even­tu­ell nach­fol­gen­de Kla­ge­er­he­bung nicht: § 52a der Finanz­ge­richts­ord­nung ist form­stren­ger; Ein­zel­hei­ten zur Mög­lich­keit der elek­tro­ni­schen Kla­ge­er­he­bung las­sen sich der Rechts­be­helfs­be­leh­rung der jewei­li­gen Ein­spruchs­ent­schei­dung ent­neh­men.

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