Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 40 vom 21. Juni 2017

Buch­wert­fort­füh­rung bei Aus­schei­den aus Per­so­nen­ge­sell­schaft gegen Über­tra­gung von Ein­zel­wirt­schafts­gü­tern

Urteil vom 30.3.2017 IV R 1115
Urteil vom 16.3.2017 IV R 3114

Gesell­schaf­ter kön­nen künf­tig wei­ter­ge­hend als bis­her aus ihren Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten gewinn­neu­tral und damit ohne Auf­de­ckung stil­ler Reser­ven aus­schei­den. Wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 30. März 2017 IV R 1115 ent­schie­den hat, liegt eine sog. gewinn­neu­tra­le Real­tei­lung in allen Fäl­len der Sach­wert­ab­fin­dung eines aus­schei­den­den Gesell­schaf­ters vor, wenn er die erhal­te­nen Wirt­schafts­gü­ter wei­ter als Betriebs­ver­mö­gen ver­wen­det. So wird eine Buch­wert­fort­füh­rung auch dann ermög­licht, wenn der aus­schei­den­de Gesell­schaf­ter ledig­lich Ein­zel­wirt­schafts­gü­ter ohne sog. Teil­be­triebs­ei­gen­schaft erhält. Damit wen­det sich der BFH aus­drück­lich gegen die Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung (Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 20. Dezem­ber 2016 IV C 6 S 2242/07/10002:004, BSt­Bl I 2017, 36), die eine Gewinn­neu­tra­li­tät nur dann gewäh­ren will, wenn der aus­schei­den­de Gesell­schaf­ter einen Teil­be­trieb oder einen Mit­un­ter­neh­mer­an­teil erhält.

Der Auf­lö­sung der Gesell­schaft mit anschlie­ßen­der Ver­tei­lung der Wirt­schafts­gü­ter des Gesell­schafts­ver­mö­gens unter den Gesell­schaf­tern wird damit das Aus­schei­den eines Gesell­schaf­ters aus einer fort­be­stehen­den Gesell­schaft gleich­ge­stellt. Den ers­ten Fall bezeich­net der BFH als “ech­te Real­tei­lung”, beim Aus­schei­den aus der fort­be­stehen­den Gesell­schaft gegen Abfin­dung mit Gesell­schafts­ver­mö­gen han­delt es sich um eine “unech­te Real­tei­lung”.

Im Fall des Urteils vom 30. März 2017 hat­te ein Gesell­schaf­ter sei­nen Anteil an einer KG zunächst in eine neu gegrün­de­te Ein-Mann-GmbH & Co. KG ein­ge­bracht, die dann sogleich unter dem­sel­ben Datum aus der KG aus­schied. Zur Abfin­dung erhielt die aus­schei­den­de neue Gesell­schaft alle Wirt­schafts­gü­ter eines nicht als Teil­be­trieb orga­ni­sier­ten Geschäfts­be­reichs der KG, den sie anschlie­ßend fort­führ­te. Der BFH hielt die­sen Vor­gang für eine gewinn­neu­tra­le unech­te Real­tei­lung und bestä­tig­te damit im Ergeb­nis das erst­in­stanz­li­che Urteil des Finanz­ge­richts (FG). Die Finanz­ver­wal­tung, die im ent­schie­de­nen Fall unter Ein­be­zie­hung einer kurz zuvor vor­ge­nom­me­nen Über­tra­gung vom Gesell­schaf­ter auf die Gesell­schaft ein gewinn­rea­li­sie­ren­des Tausch­ge­schäft ange­nom­men hat­te, ist bis­lang mit der Anwen­dung von Real­tei­lungs­grund­sät­zen auf Fäl­le des Aus­schei­dens gegen Abfin­dung mit ein­zel­nen Wirt­schafts­gü­tern nicht ein­ver­stan­den. Nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen kann die Hand­ha­bung der Finanz­ver­wal­tung ins­be­son­de­re dann haben, wenn der aus­schei­den­de Gesell­schaf­ter mit den erhal­te­nen Wirt­schafts­gü­tern ver­bun­de­ne Schul­den oder sons­ti­ge Ver­pflich­tun­gen über­nimmt.

Das Urteil vom 16. März 2017 IV R 3114 betraf einen Fall, in dem eine von Vater und Sohn betrie­be­ne GmbH & Co. KG auf­ge­löst wor­den war. Von den Wirt­schafts­gü­tern des Gesell­schafts­ver­mö­gens erhielt der Vater nur einen gerin­gen Teil, wäh­rend der Sohn mit dem wesent­li­chen Teil des ehe­ma­li­gen Gesell­schafts­ver­mö­gens wei­ter allei­ne betrieb­lich tätig blieb. Das Finanz­amt hat­te eine gewinn­neu­tra­le Real­tei­lung abge­lehnt, weil die betrieb­li­che Tätig­keit fort­ge­setzt wor­den sei. Der BFH stütz­te sich dem­ge­gen­über eben­so wie zuvor das FG dar­auf, dass die Tätig­keit der Gesell­schaft infol­ge ihrer Auf­lö­sung und Voll­be­en­di­gung ein­ge­stellt wor­den sei. Es habe des­halb eine ech­te gewinn­neu­tra­le Real­tei­lung statt­ge­fun­den.

sie­he auch: Urteil des IV. Senats vom 16.3.2017 — IV R 3114 -, Urteil des IV. Senats vom 30.3.2017 — IV R 1115 -

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