Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 16 vom 17. Febru­ar 2016

Erb­schaft­steu­er: BFH schränkt Berück­sich­ti­gung von Steu­er­schul­den bei Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Erb­las­ser ein

Urteil vom 28.10.15 II R 4613

Bei der Erb­schaft­steu­er wir­ken Steu­er­schul­den, die auf einer Steu­er­hin­ter­zie­hung des Erb­las­sers beru­hen, nur dann erwerbs­min­dernd, soweit die hin­ter­zo­ge­ne Steu­er nach dem Erb­fall auch tat­säch­lich fest­ge­setzt wird. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 28. Okto­ber 2015 II R 4613 unter Auf­ga­be frü­he­rer Recht­spre­chung ent­schie­den.

Im Streit­fall hat­te eine Erb­las­se­rin Zin­sen aus in Luxem­burg ange­leg­tem Kapi­tal­ver­mö­gen nicht ver­steu­ert. Nach ihrem Tod deck­te der Klä­ger, einer der Erben, die Steu­er­hin­ter­zie­hung gegen­über dem Finanz­amt (FA) auf. Das FA setz­te die Ein­kom­men­steu­er nach­träg­lich gegen die Erben als Gesamt­rechts­nach­fol­ger fest, leg­te dabei jedoch fälsch­li­cher­wei­se DM-Beträ­ge statt €-Beträ­ge zugrun­de. Dies führ­te im Ergeb­nis zu einer zu nied­ri­gen Ein­kom­men­steu­er. Der Klä­ger mach­te bei der Erb­schaft­steu­er nicht die tat­säch­lich fest­ge­setz­te, son­dern die mate­ri­ell-recht­lich zutref­fen­de Ein­kom­men­steu­er­steu­er­schuld als Nach­lass­ver­bind­lich­keit gel­tend. Das für die Erb­schaft­steu­er zustän­di­ge FA erkann­te nur die tat­säch­lich fest­ge­setz­te Ein­kom­men­steu­er als Nach­lass­ver­bind­lich­keit an. Das Finanz­ge­richt (FG) folg­te der Auf­fas­sung des Klä­gers.

Dem­ge­gen­über hob der BFH die Ent­schei­dung des FG auf und wies die Kla­ge ab.

Nach dem Urteil des BFH min­dert sich der steu­er­pflich­ti­ge Erwerb des Erben ent­spre­chend dem sog. Berei­che­rungs­prin­zip um die vom Erb­las­ser her­rüh­ren­den Schul­den (§ 10 Abs. 5 Nr. 1 des Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungs­teu­er­ge­set­zes). Dies erfor­dert eine wirt­schaft­li­che Belas­tung des Erben. Bei Steu­er­schul­den des Erb­las­sers ist die­se im All­ge­mei­nen gege­ben, da die Finanz­be­hör­den die ent­stan­de­nen Steu­er­an­sprü­che grund­sätz­lich auch fest­set­zen. Anders ist es aber, wenn wie bei einer Steu­er­hin­ter­zie­hung davon aus­zu­ge­hen ist, dass der Steu­er­gläu­bi­ger sei­ne For­de­rung nicht gel­tend machen kann. Eine wirt­schaft­li­che Belas­tung liegt nach dem Urteil des BFH jetzt nur noch dann vor, wenn die Finanz­be­hör­de die hin­ter­zo­ge­ne Steu­er spä­ter auch tat­säch­lich fest­setzt. Mit dem Berei­che­rungs­prin­zip sei es nicht zu ver­ein­ba­ren, Steu­ern, die beim Ein­tritt des Erb­falls auf­grund der Hin­ter­zie­hung kei­ne wirt­schaft­li­che Belas­tung waren und auch spä­ter den Erben man­gels Fest­set­zung nicht belas­ten, erwerbs­min­dernd zu berück­sich­ti­gen.

Dem­ge­gen­über ist der BFH frü­her davon aus­ge­gan­gen, dass eine wirt­schaft­li­che Belas­tung im Hin­ter­zie­hungs­fall auch gege­ben sei, wenn der Erbe das zustän­di­ge FA zeit­nah über die Steu­er­an­ge­le­gen­heit unter­rich­tet (BFH-Urteil vom 24. März 1999 II R 3497). Hier­an hält der BFH jetzt nicht mehr fest.

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