Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 35 vom 04. Mai 2016

Dop­pel­te AfA bei Bebau­ung des Ehe­gat­ten­grund­stücks

Urteil vom 09.03.16 X R 4614

Bebaut der Unter­neh­mer ein betrieb­lich genutz­tes Grund­stück, das ihm zusam­men mit sei­nem Ehe­gat­ten gehört, sind Wert­stei­ge­run­gen der dem Ehe­gat­ten gehö­ren­den Grund­stücks­hälf­te nicht ein­kom­men­steu­er­pflich­tig, wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 9. März 2016 X R 4614 ent­schie­den hat. Hier­aus kön­nen sich erheb­li­che steu­er­li­che Vor­tei­le im Hin­blick auf die Abset­zun­gen für Abnut­zung (AfA) erge­ben. Über­tra­gen die Ehe­gat­ten z.B. spä­ter das gemein­sa­me Grund­stück auf ihren Sohn, der den Betrieb des Vaters fort­führt, kann für nur ein­mal ange­fal­le­ne Bau­kos­ten die AfA im Ergeb­nis zwei­mal in Anspruch genom­men wer­den.

Im zugrun­de lie­gen­den Fall hat­te der Vater des Klä­gers schon in den 1960er Jah­ren meh­re­re Betriebs­ge­bäu­de auf Grund­stü­cken errich­tet, die zur Hälf­te auch der Mut­ter des Klä­gers gehör­ten. Er nahm AfA auf sei­ne Bau­kos­ten vor. Im Jahr 1993 über­trug der Vater den Betrieb unent­gelt­lich auf den gemein­sa­men Sohn (den Klä­ger). Gleich­zei­tig über­tru­gen der Vater und die Mut­ter die betrieb­lich genutz­ten Grund­stü­cke eben­falls unent­gelt­lich auf den Klä­ger.

Soweit es um die Über­tra­gung von Wirt­schafts­gü­tern ging, die dem Vater gehör­ten, muss der Klä­ger die Buch­wer­te aus den Bilan­zen des Vaters fort­füh­ren (heu­te § 6 Abs. 3 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes). Umstrit­ten war hin­ge­gen die Behand­lung der Gebäu­de­tei­le, die zivil­recht­lich der Mut­ter gehör­ten. Der Klä­ger sah in der Schen­kung die­ser Gebäu­de­tei­le eine Ein­la­ge in sei­nen Betrieb. Die­se Ein­la­ge bewer­te­te er mit dem aktu­el­len Teil­wert der Gebäu­de­tei­le. Da der Teil­wert erheb­lich höher war als der Rest­buch­wert des Bilanz­pos­tens, der in den Bilan­zen des Vaters ver­blie­ben war, eröff­ne­te dies dem Klä­ger die Mög­lich­keit zur Vor­nah­me erneu­ter hoher AfA-Beträ­ge auf die von sei­nem Vater in der Ver­gan­gen­heit schon nahe­zu abge­schrie­be­nen Gebäu­de­tei­le.

Die­se recht­li­che Beur­tei­lung hat der BFH nun­mehr bestä­tigt. Dies hat zur Fol­ge, dass in der­ar­ti­gen Fäl­len im Ergeb­nis eine dop­pel­te Abschrei­bung mög­lich ist, obwohl die Bau­kos­ten nur ein­mal anfal­len. Aller­dings hat der BFH im Gegen­zug klar­ge­stellt, dass für den Bilanz­pos­ten, der den eige­nen Bau­auf­wand des Unter­neh­mers für die Gebäu­de­tei­le des ande­ren Ehe­gat­ten ver­kör­pert, kei­ne Steu­er­sub­ven­tio­nen in Anspruch genom­men wer­den kön­nen, die vom Gesetz­ge­ber nur für Wirt­schafts­gü­ter des Betriebs­ver­mö­gens gewährt wer­den. Dies wur­de in der Pra­xis bis­her anders gehand­habt, wodurch die Buch­wer­te die­ser Bilanz­po­si­ti­on zusätz­lich gemin­dert wer­den konn­ten.

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