Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 21 vom 05. April 2017

Anwen­dung des geson­der­ten Tarifs gemäß § 32d Abs. 1 EStG bei mit­tel­ba­rer Betei­li­gung

Urteil vom 20.10.2016 VIII R 2715

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat mit Urteil vom 20. Okto­ber 2016 VIII R 2715 ent­schie­den, dass Zin­sen aus dem Dar­le­hen eines mit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ters an eine Kapi­tal­ge­sell­schaft dem geson­der­ten Steu­er­ta­rif des § 32d Abs. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes –EStG– (25 Pro­zent) unter­lie­gen kön­nen.

Im Urteils­fall hat­ten die Klä­ge­rin und ihr ver­stor­be­ner Ehe­mann an eine Kapi­tal­ge­sell­schaft, an der sie nicht unmit­tel­bar betei­ligt waren (Enkel­ge­sell­schaft), ein Grund­stück ver­äu­ßert und die Kauf­preis­for­de­rung in ein ver­zins­li­ches Dar­le­hen umge­wan­delt. An die­ser Gesell­schaft war zu 94 Pro­zent eine wei­te­re Kapi­tal­ge­sell­schaft (Mut­ter­ge­sell­schaft) betei­ligt, an der im Streit­jahr 2011 die Klä­ge­rin zunächst Antei­le in Höhe von 10,86 Pro­zent und spä­ter dann in Höhe von 22,80 Pro­zent des Stamm­ka­pi­tals hielt. Das Finanz­ge­richt hat die von der Enkel­ge­sell­schaft an die Klä­ge­rin gezahl­ten Dar­le­hens­zin­sen in den geson­der­ten Steu­er­ta­rif des § 32d Abs. 1 EStG ein­be­zo­gen.

Das Finanz­amt (FA) mach­te mit der Revi­si­on gel­tend, die Zin­sen sei­en wie Zin­sen auf ein Dar­le­hen eines unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ters aus dem geson­der­ten Tarif für die Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen aus­ge­schlos­sen und dem pro­gres­si­ven Regel­ta­rif (§ 32a EStG) zu unter­wer­fen.

Dem folg­te der VIII. Senat des BFH nicht und wies die Revi­si­on des FA als unbe­grün­det zurück. Er ent­schied, die Aus­nah­me­re­ge­lung des § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. b Satz 1 EStG, die Zin­sen aus Dar­le­hen eines unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ters aus dem geson­der­ten Tarif aus­schließt, fin­de weder nach ihrem Wort­laut für Dar­le­hen eines mit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ters Anwen­dung noch sei nach Sinn und Zweck der Vor­schrift die Ein­be­zie­hung sol­cher Dar­le­hen in die Rege­lung gebo­ten. Auch die Anwen­dung der wei­te­ren Aus­nah­me­re­ge­lung (§ 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. b Satz 2 EStG) kom­me nicht in Betracht. Die­se ver­langt, dass der Gesell­schaf­ter der Mut­ter­ge­sell­schaft als Dar­le­hens­ge­ber im Ver­hält­nis zur Enkel­ge­sell­schaft als Dar­le­hens­neh­me­rin eine “nahe ste­hen­de Per­son” sein muss. Das hier­zu erfor­der­li­che Nähe- und Abhän­gig­keits­ver­hält­nis zur Enkel­ge­sell­schaft liegt nach dem BFH jeden­falls dann vor, wenn der Dar­le­hens­ge­ber als Gläu­bi­ger der Kapi­tal­er­trä­ge eine Betei­li­gung an der Mut­ter­ge­sell­schaft inne hat, die es ihm ermög­licht, sei­nen Wil­len in deren Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung durch­zu­set­zen. Zusätz­lich muss die Mut­ter- an der Enkel­ge­sell­schaft (Dar­le­hens­schuld­ne­rin) zu min­des­tens 10 Pro­zent betei­ligt sein. Da die Klä­ge­rin im Streit­jahr 2011 zu kei­nem Zeit­punkt über eine Mehr­heit der Stimm­rech­te in der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung der Mut­ter­ge­sell­schaft ver­füg­te, war sie im Ver­hält­nis zur Enkel­ge­sell­schaft dem­nach kei­ne nahe ste­hen­de Per­son gemäß § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. b Satz 2 EStG.

Sie­he auch: Urteil des VIII. Senats vom 20.10.2016 — VIII R 2715 -

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