Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 83 vom 09. Dezem­ber 2015

Aus­kunfts­er­su­chen an Drit­te: Ohne vor­he­ri­ge Sach­ver­halts­auf­klä­rung beim Steu­er­pflich­ti­gen nur sehr ein­ge­schränkt mög­lich

Urteil vom 29.07.15 X R 414

Mit Urteil vom 29. Juli 2015 X R 414 hat der X. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) dar­über ent­schie­den, wann sich eine Finanz­be­hör­de unmit­tel­bar an ande­re Per­so­nen als den Steu­er­pflich­ti­gen (sog. Drit­te) wen­den darf.

Im Streit­fall rich­te­te das Finanz­amt (FA) –ohne den Klä­ger hier­zu vor­ab um Aus­kunft zu ersu­chen– ein Aus­kunfts­er­su­chen betref­fend Pro­vi­si­ons­zah­lun­gen an einen Drit­ten, nach­dem ein ande­rer Lie­fe­rant des Klä­gers “Aus­gleichs­zah­lun­gen” an die­sen mit­ge­teilt hat­te. Das Aus­kunfts­er­su­chen dien­te aus Sicht des FA der “Ver­voll­stän­di­gung der Prü­fung”. Das Finanz­ge­richt (FG) hat­te einen Ermes­sens­feh­ler des FA dar­in gese­hen, dass das FA nicht zuvor den Klä­ger um Aus­kunft gebe­ten hat­te, und der Kla­ge statt­ge­ge­ben.

Der X. Senat des BFH folg­te dem FG und hat die Revi­si­on zurück­ge­wie­sen. Zwar genü­ge es, wenn auf­grund kon­kre­ter Umstän­de oder auf­grund all­ge­mei­ner Erfah­rung ein Aus­kunfts­er­su­chen an einen Drit­ten ange­zeigt sei. Nach § 93 Abs. 1 Satz 3 der Abga­ben­ord­nung soll­ten Drit­te aber erst dann zur Aus­kunft ange­hal­ten wer­den, wenn die Sach­ver­halts­auf­klä­rung durch den Steu­er­pflich­ti­gen nicht zum Ziel füh­re oder kei­nen Erfolg ver­spre­che. Hier­von dür­fe die Finanz­be­hör­de nur in aty­pi­schen Fäl­len abwei­chen. Ein sol­cher läge vor, wenn auf­grund des bis­he­ri­gen Ver­hal­tens des Steu­er­pflich­ti­gen fest­ste­he, dass er nicht mit­wir­ken wer­de und damit die Erfolg­lo­sig­keit sei­ner Mit­wir­kung offen­kun­dig sei. Hier­an fehl­te es im Streit­fall.

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