Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 47 vom 19. Juli 2017

Aus­bil­dung und Ver­kauf von Blin­den­führ­hun­den begrün­det gewerb­li­che Tätig­keit

Urteil vom 9.5.2017 VIII R 1115

Die Aus­bil­dung und der Ver­kauf von Blin­den­führ­hun­den führt ein­kom­men­steu­er­recht­lich zu gewerb­li­chen Ein­künf­ten. Wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 9. Mai 2017 VIII R 1115 ent­schie­den hat, han­delt es sich nicht um eine frei­be­ruf­li­che Tätig­keit. Es fehlt an der hier­für erfor­der­li­chen “unter­rich­ten­den” oder “erzie­he­ri­schen Tätig­keit” i.S. des § 18 Abs. 1 Nr. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG), die ein Tätig­wer­den gegen­über Men­schen erfor­dert.

Im Streit­fall betrieb die Klä­ge­rin eine Hun­de­schu­le und bil­de­te jähr­lich drei bis fünf Hun­de zu Blin­den­führ­hun­den aus. Sie such­te gemein­sam mit dem seh­be­hin­der­ten Men­schen einen Hund aus und erwarb den Wel­pen auf eige­ne Rech­nung. Nach der Aus­bil­dung wur­de der Hund von der Klä­ge­rin an den Seh­be­hin­der­ten über­ge­ben. Sie beglei­te­te die Über­ga­be­pha­se, die mit einer Gespann­prü­fung abschloss. Die­se wur­de von einem von der Kran­ken­kas­se bestell­ten Gespann­prü­fer abge­nom­men. Nach der Prü­fung ver­äu­ßer­te die Klä­ge­rin den Blin­den­führ­hund an die Kran­ken­kas­se des Seh­be­hin­der­ten, die den Hund als medi­zi­ni­sches Hilfs­mit­tel im Sin­ne des Sozi­al­hil­fe­ge­set­zes aner­kann­te. Das Finanz­amt war der Auf­fas­sung, dass es sich bei den Ein­künf­ten der Klä­ge­rin aus dem Ver­kauf und der Aus­bil­dung der Blin­den­führ­hun­de um gewerb­li­che Ein­künf­te han­del­te und setz­te den Gewer­be­steu­er­mess­be­trag fest. Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge hat­te kei­nen Erfolg.

Der BFH bestä­tig­te die Vor­ent­schei­dung des Finanz­ge­richts. Die Klä­ge­rin war nicht gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG frei­be­ruf­lich, son­dern gewerb­lich tätig. Der Begriff “unter­rich­ten­de” oder “erzie­he­ri­sche Tätig­keit” im Sin­ne die­ser Vor­schrift erfor­dert ein Tätig­wer­den gegen­über dem Men­schen. Steu­er­recht­lich wird der Begriff des Unter­richts und der Erzie­hung von Men­schen von der Dres­sur von Tie­ren unter­schie­den. Dies gilt auch dann, wenn die Aus­bil­dung der Tie­re in einer “Hun­de­schu­le” erfolgt. Bei der Betreu­ung des seh­be­hin­der­ten Men­schen wäh­rend der Über­ga­be des Hun­des han­delt es sich um eine der Aus­bil­dung des Tie­res unter­ge­ord­ne­te Tätig­keit, so dass der gesam­te Betrieb der Klä­ge­rin als gewerb­lich anzu­se­hen ist.

Auch aus dem ver­fas­sungs­recht­lich in Art. 20a des Grund­ge­set­zes ver­an­ker­ten Tier­schutz kann nicht der Schluss gezo­gen wer­den, dass die Aus­bil­dung der Blin­den­führ­hun­de dem Unter­richt und der Erzie­hung von Men­schen gleich­zu­stel­len ist. Etwas ande­res folgt auch nicht dar­aus, dass die Lie­fe­rung von aus­ge­bil­de­ten Blin­den­führ­hun­den nach dem Umsatz­steu­er­ge­setz nur dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz von 7 Pro­zent unter­liegt.

sie­he auch: Urteil des VIII. Senats vom 9.5.2017 — VIII R 1115 -

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