Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 75 vom 06. Dezem­ber 2017

Alten- und Pfle­ge­heim­un­ter­brin­gung von Ehe­gat­ten: Kür­zung um Haus­halts­er­spar­nis für bei­de Ehe­gat­ten

Urteil vom 4.10.2017 VI R 2216

Steu­er­pflich­ti­ge kön­nen Auf­wen­dun­gen für die krank­heits­be­ding­te Unter­brin­gung in einem Alten- und Pfle­ge­heim nach Kür­zung um eine Haus­halts­er­spar­nis als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung gel­tend machen. Sind bei­de Ehe­gat­ten krank­heits­be­dingt in einem Alten- und Pfle­ge­heim unter­ge­bracht, ist für jeden der Ehe­gat­ten eine Haus­halts­er­spar­nis anzu­set­zen, wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 4. Okto­ber 2017 VI R 2216 ent­schie­den hat.

Im Streit­fall waren die ver­hei­ra­te­ten Klä­ger seit Mai 2013 krank­heits­be­dingt in einem Alten- und Pfle­ge­heim unter­ge­bracht. Sie bewohn­ten ein Dop­pel­zim­mer (Wohn­schlaf­raum mit einem Vor­raum, Ein­bau­schrank, Dusche und WC). Einen wei­te­ren Haus­halt unter­hiel­ten sie seit­her nicht mehr. Für die Unter­brin­gung in dem Heim, Ver­pfle­gung und Pfle­ge­leis­tun­gen ent­stan­den den Ehe­leu­ten nach Abzug von Erstat­tungs­leis­tun­gen ande­rer Stel­len Kos­ten in Höhe von ca. 27.500 €. Die­se min­der­ten sie monats­an­tei­lig um eine Haus­halts­er­spar­nis für eine Per­son und mach­ten den Rest­be­trag in ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung nach § 33 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) gel­tend. Die Berech­nung der erspar­ten Ver­pfle­gungs- und Unter­brin­gungs­kos­ten erfolg­te auf der Grund­la­ge des in § 33a EStG gere­gel­ten Unter­halts­höchst­be­trags, der sich im Streit­jahr 2013 auf 8.130 € belief.

Das Finanz­amt setz­te hin­ge­gen eine Haus­halts­er­spar­nis für bei­de Ehe­leu­te an und kürz­te die gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen ent­spre­chend. Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge wies das Finanz­ge­richt zurück.

Der BFH bestä­tig­te die Vor­in­stanz weit­ge­hend. Sind bei­de Ehe­gat­ten krank­heits­be­dingt in einem Alten- und Pfle­ge­heim unter­ge­bracht, ist für jeden der Ehe­gat­ten eine Haus­halts­er­spar­nis anzu­set­zen, wenn dane­ben kein wei­te­rer Haus­halt geführt wer­de. Denn die Ehe­leu­te sei­en bei­de durch die Auf­ga­be des gemein­sa­men Haus­halts um des­sen Fix­kos­ten wie Mie­te oder Zins­auf­wen­dun­gen, Grund­ge­bühr für Strom, Was­ser etc. sowie Rei­ni­gungs­auf­wand und Ver­pfle­gungs­kos­ten ent­las­tet. Zudem sei der Ansatz einer Haus­halts­er­spar­nis in Höhe der erspar­ten Ver­pfle­gungs- und Unter­brin­gungs­kos­ten für jeden Ehe­gat­ten zur Ver­mei­dung einer Dop­pel­be­güns­ti­gung gebo­ten. Bei den per­so­nen­be­zo­ge­nen Alten- und Pfle­ge­heim­kos­ten ent­hal­te­nen Auf­wen­dun­gen für Nah­rung, Geträn­ke, übli­che Unter­kunft und Ähn­li­ches han­de­le es sich um typi­sche Kos­ten der Lebens­füh­rung eines jeden Steu­er­pflich­ti­gen, die bereits durch den in § 32a EStG gere­gel­ten Grund­frei­be­trag steu­er­frei gestellt sei­en. Die Kla­ge hat­te daher nur im Hin­blick auf die stu­fen­wei­se Ermitt­lung der zumut­ba­ren Belas­tung ent­spre­chend dem BFH-Urteil vom 19. Janu­ar 2017 VI R 7514 (BFHE 256, 339, BSt­Bl II 2017, 684) Erfolg (vgl. hier­zu auch die Pres­se­mit­tei­lung Nr. 19/2017 vom 29. März 2017).

sie­he auch: Urteil des VI. Senats vom 19.1.2017 — VI R 7514 -, Urteil des VI. Senats vom 4.10.2017 — VI R 2216 -, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 1917 vom 29.3.2017

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