Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 2 vom 03. Janu­ar 2018

Auf­wen­dun­gen für hete­ro­lo­ge künst­li­che Befruch­tung in gleich­ge­schlecht­li­cher Part­ner­schaft als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

Urteil vom 5.10.2017 VI R 4715

Auf­wen­dun­gen einer emp­fäng­nis­un­fä­hi­gen Frau für eine hete­ro­lo­ge künst­li­che Befruch­tung füh­ren nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 5. Okto­ber 2017 VI R 4715 auch dann zu einer außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tung, wenn die Frau in einer gleich­ge­schlecht­li­chen Part­ner­schaft lebt.

Die Klä­ge­rin, die im Streit­jahr (2011) in einer gleich­ge­schlecht­li­chen Part­ner­schaft leb­te, ent­schloss sich auf­grund ihrer Unfrucht­bar­keit, ihren Kin­der­wunsch durch eine künst­li­che Befruch­tung mit Samen eines anony­men Spen­ders zu ver­wirk­li­chen (hete­ro­lo­ge künst­li­che Befruch­tung). Die Behand­lung ließ sie in einer däni­schen Kli­nik durch­füh­ren. In ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung mach­te die Klä­ge­rin die Kos­ten die­ser Behand­lung von rund 8.500 € als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung i.S. des § 33 Abs. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes gel­tend. Das Finanz­amt ließ die Auf­wen­dun­gen unter Hin­weis auf die Richt­li­ni­en der ärzt­li­chen Berufs­ord­nun­gen nicht zum Abzug zu. So sah es im Ergeb­nis auch das Finanz­ge­richt (FG).

Dem­ge­gen­über hob der BFH das Urteil des FG auf und gab der Kla­ge in vol­lem Umfang statt. Auf­wen­dun­gen einer emp­fäng­nis­un­fä­hi­gen (unfrucht­ba­ren) Frau für eine hete­ro­lo­ge künst­li­che Befruch­tung durch In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on füh­ren als Krank­heits­kos­ten zu einer außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tung. Dem steht nach dem Urteil des BFH nicht ent­ge­gen, dass die Frau in einer gleich­ge­schlecht­li­chen Part­ner­schaft lebt. Der BFH begrün­det sei­ne Ent­schei­dung damit, dass die den Auf­wen­dun­gen zugrun­de lie­gen­de Behand­lung mit der inner­staat­li­chen Rechts­ord­nung im Ein­klang ste­hen muss. Maß­nah­men zur Ste­ri­li­täts­be­hand­lung füh­ren daher nur zu einer außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tung, wenn sie in Über­ein­stim­mung mit den Richt­li­ni­en der ärzt­li­chen Berufs­ord­nun­gen vor­ge­nom­men wer­den. Dies bejaht der BFH für den Streit­fall, da die Richt­li­ni­en der ärzt­li­chen Berufs­ord­nun­gen meh­re­rer Bun­des­län­der der bei der Klä­ge­rin vor­ge­nom­me­nen Kin­der­wunsch­be­hand­lung nicht ent­ge­gen­stan­den. Der BFH geht zudem von einer Zwangs­la­ge zur Umge­hung einer vor­han­de­nen Ste­ri­li­tät aus. Die­se kön­ne auch bei gleich­ge­schlecht­li­chen Paa­ren nicht ver­neint wer­den. Der BFH sieht die Kos­ten dabei in vol­lem Umfang als abzieh­bar an. Eine Auf­tei­lung kom­me nicht in Betracht, da die Auf­wen­dun­gen ins­ge­samt dazu dien­ten, die Fer­ti­li­täts­stö­rung der Klä­ge­rin aus­zu­glei­chen.

sie­he auch: Urteil des VI. Senats vom 5.10.2017 — VI R 4715 -

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