Legt ein Gesell­schaf­ter Antei­le an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft ver­deckt in eine ande­re Kapi­tal­ge­sell­schaft ein, hat die­se die Antei­le mit dem Teil­wert zu bewer­ten. Auch wenn die auf­neh­men­de Kapi­tal­ge­sell­schaft die Antei­le in ihren Bilan­zen feh­ler­haft mit einem gerin­ge­ren Wert als dem Teil­wert anset…

(duv) …zt, liegt kein Erwerb unter dem Teil­wert i.S. des § 8b Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 KStG 2002 vor. Ein Gewinn der auf­neh­men­den Kapi­tal­ge­sell­schaft aus der Ver­äu­ße­rung der Antei­le ist daher steu­er­frei.

EStG 2002 § 4 Abs. 1 Satz 5, § 6 Abs. 1 Nr. 5; § 17 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2, § 17 Abs. 2
KStG 2002 § 8b Abs. 2 und Abs. 4 Satz 1 Nr. 2

Urteil vom 4. März 2009 I R 3208

Vor­in­stanz: Hes­si­sches FG vom 29. Novem­ber 2007 4 K 376504
(EFG 2008, 1914)

Grün­de

I.
Die Klä­ge­rin und Revi­si­ons­klä­ge­rin (Klä­ge­rin), eine GmbH, hat den Erwerb und die Ver­wal­tung von Betei­li­gun­gen zum Gesell­schafts­ge­gen­stand. Allein­ge­sell­schaf­ter der Klä­ge­rin ist der zum Ver­fah­ren gemäß § 174 Abs. 5 Satz 2 i.V.m. Abs. 4 der Abga­ben­ord­nung (AO) bei­ge­la­de­ne F. F war gleich­zei­tig zu 50 % am Kapi­tal der VA, einer S.A., betei­ligt, die wie­der­um über einen Treu­hän­der 80 % der Antei­le an der C-GmbH hielt, wel­che durch Form­wech­sel am 12. Juni 2002 in die C-AG umge­wan­delt wor­den war. Das Grund­ka­pi­tal der C-AG, bestehend aus 2 200 Akti­en zum Nenn­be­trag von je 25 €, betrug 55 000 €. Auf­grund einer Ver­ein­ba­rung zwi­schen F und der VA soll­te F gegen eine Abfin­dung von 660 Akti­en der C-AG aus der VA aus­schei­den. Die Über­tra­gung der Akti­en erfolg­te am 5. Novem­ber 2002 durch Indos­sa­ment direkt auf die Klä­ge­rin.

F leg­te die erhal­te­nen Akti­en an der C-AG unmit­tel­bar hier­nach in die Klä­ge­rin ein. Die Klä­ge­rin bezif­fer­te die Ein­la­ge mit 22 000 €. Die­ser Betrag ent­sprach den Anschaf­fungs­kos­ten, die F im Jahr 1999 für die Antei­le an der VA auf­ge­wandt hat­te. Die Klä­ge­rin ver­äu­ßer­te am 31. Dezem­ber 2002 ihre Akti­en der C-AG zum Preis von 347 900 € an ein fran­zö­si­sches Unter­neh­men. Sie behan­del­te den erziel­ten Gewinn aus dem Ver­kauf der Akti­en in Höhe von 325 900 € als nach § 8b Abs. 2 des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes 2002 (BGBl I 2002, 4145, BSt­Bl I 2002, 1170) –KStG 2002– steu­er­frei­en Ver­äu­ße­rungs­er­lös. Der Beklag­te und Revi­si­ons­be­klag­te (das Finanz­amt –FA – ) behan­del­te den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn als steu­er­pflich­tig und erließ ent­spre­chen­de Steu­er­be­schei­de 2002. Er war der Auf­fas­sung, die Antei­le sei­en von der Klä­ge­rin unter ihrem Teil­wert erwor­ben wor­den, was die Gewäh­rung einer Steu­er­be­frei­ung gemäß § 8b Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 KStG 2002 aus­schlie­ße.

Die dage­gen erho­be­ne Kla­ge wies das Hes­si­sche Finanz­ge­richt (FG) mit Urteil vom 29. Novem­ber 2007 4 K 376504 ab. Das Urteil ist in Ent­schei­dun­gen der Finanz­ge­rich­te (EFG) 2008, 1914 ver­öf­fent­licht.

Mit ihrer Revi­si­on rügt die Klä­ge­rin eine Ver­let­zung mate­ri­el­len Rechts. Sie bean­tragt sinn­ge­mäß, das Urteil des FG auf­zu­he­ben und unter Ände­rung der ange­foch­te­nen Steu­er­be­schei­de die Kör­per­schaft­steu­er 2002 und den Gewer­be­steu­er­mess­be­trag 2002 jeweils auf 0 € fest­zu­set­zen.

Das FA bean­tragt, die Revi­si­on zurück­zu­wei­sen.

Der Bei­ge­la­de­ne hat kei­nen Antrag gestellt.

II.
Die Revi­si­on ist begrün­det. Sie führt zur Auf­he­bung der Vor­ent­schei­dung und zur Statt­ga­be der Kla­ge.

1. Gemäß § 8b Abs. 2 Satz 1 KStG 2002 blei­ben bei der Ermitt­lung des Ein­kom­mens Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung eines Anteils an einer Kör­per­schaft oder Per­so­nen­ver­ei­ni­gung unter den wei­te­ren im Gesetz genann­ten Vor­aus­set­zun­gen außer Ansatz (§ 8b Abs. 2 Satz 1 KStG 2002). Das gilt nicht, soweit die Kör­per­schaft die Antei­le von einem Ein­brin­gen­den, der nicht zu den von Abs. 2 begüns­tig­ten Steu­er­pflich­ti­gen gehört, zu einem Wert unter dem Teil­wert erwor­ben hat (§ 8b Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 KStG 2002).

2. Die Klä­ge­rin hat die Antei­le an der C-AG nicht zu einem Wert unter­halb des Teil­werts erwor­ben. Ein bei der Ver­äu­ße­rung der Antei­le erziel­ter Ver­äu­ße­rungs­ge­winn bleibt daher gemäß § 8b Abs. 2 Satz 1 KStG 2002 bei der Ermitt­lung des Ein­kom­mens der Klä­ge­rin außer Ansatz.

a) F hat die Betei­li­gung an der C-AG ver­deckt in die Klä­ge­rin ein­ge­legt. Eine ver­deck­te Ein­la­ge ist gege­ben, wenn der Gesell­schaf­ter oder eine ihm nahe­ste­hen­de Per­son aus Grün­den, die im Gesell­schafts­ver­hält­nis wur­zeln, eine Ein­la­ge erbringt, ohne eine wert­ad­äqua­te Gegen­leis­tung zu erhal­ten. Die­se Vor­aus­set­zung liegt hier vor. Zwar sind die Antei­le des F an der Klä­ge­rin durch die Ein­la­ge der C-Akti­en wert­vol­ler gewor­den. Nach stän­di­ger Senats­recht­spre­chung führt die­se Wert­stei­ge­rung jedoch nicht zu einem greif­ba­ren Ver­mö­gens­vor­teil und ist daher nicht als Gegen­leis­tung, son­dern ledig­lich als Wert­re­flex zu beur­tei­len (z.B. Senats­ur­tei­le vom 23. Febru­ar 2005 I R 44/04, BFHE 209, 123, BSt­Bl II 2005, 522; vom 19. August 1997 I R 77/96, BFHE 189, 342, BSt­Bl II 2001, 43).

b) Gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG 2002) i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG 2002 sind Ein­la­gen (§ 4 Abs. 1 Satz 5 EStG 2002) mit dem Teil­wert für den Zeit­punkt der Zufüh­rung anzu­set­zen; sie sind jedoch höchs­tens mit den Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten anzu­set­zen, wenn das zuge­führ­te Wirt­schafts­gut ein Anteil an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft ist und der Steu­er­pflich­ti­ge an der Gesell­schaft i.S. des § 17 Abs. 1 EStG 2002 betei­ligt ist. F hielt 660 des ins­ge­samt 2 200 Akti­en umfas­sen­den Grund­ka­pi­tals der C-AG und war damit i.S. des § 17 Abs. 1 EStG 2002 an der C-AG betei­ligt. Denn nach § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG 2002 in der im Streit­jahr gül­ti­gen Fas­sung gehört der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung von Antei­len an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft zu den Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb, wenn der Ver­äu­ße­rer inner­halb der letz­ten fünf Jah­re am Kapi­tal der Gesell­schaft unmit­tel­bar oder mit­tel­bar zu min­des­tens 1 % (in der Fas­sung davor: 10 %) betei­ligt war.

c) § 6 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 EStG 2002 ist jedoch im Wege der teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 1992 (für die Zeit davor vgl. Senats­ur­teil vom 11. Febru­ar 1998 I R 89/97, BFHE 186, 25, BSt­Bl II 1998, 691) ein­schrän­kend dahin­ge­hend zu ver­ste­hen, dass stets Satz 1 Halb­satz 1 anzu­wen­den ist (Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 2. Novem­ber 1998, BSt­Bl I 1998, 1227; all­ge­mei­ne Auf­fas­sung im Schrift­tum, z.B. Gosch in Kirch­hof, EStG, 8. Aufl., § 17 Rz 120; Schmidt/Glanegger, EStG, 27. Aufl., § 6 Rz 441 “Ver­deck­te Ein­la­gen”; Fischer in Kirch­hof, a.a.O., § 6 Rz 167). Die ver­deckt ein­ge­leg­ten Akti­en der C-AG waren sonach im Zeit­punkt ihrer Ein­la­ge mit ihrem Teil­wert anzu­set­zen.

Ver­deck­te Ein­la­gen in Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten sind an sich unent­gelt­li­che Vor­gän­ge (Senats­ur­tei­le vom 27. Juli 1988 I R 147/83, BFHE 155, 52, BSt­Bl II 1989, 271; vom 28. Febru­ar 1990 I R 43/86, BFHE 160, 180, BSt­Bl II 1990, 615). Um die Besteue­rung der stil­len Reser­ven der nach § 17 EStG 2002 steu­er­ver­haf­te­ten Antei­le zu sichern, steht jedoch gemäß § 17 Abs. 1 Satz 2 EStG 2002 die ver­deck­te Ein­la­ge von Antei­len an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft der Ver­äu­ße­rung der Antei­le zum gemei­nen Wert gleich. Kor­re­spon­die­rend damit sind die ver­deckt ein­ge­leg­ten Antei­le ent­ge­gen § 6 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 Buchst. b EStG 2002 auch bei der auf­neh­men­den Kapi­tal­ge­sell­schaft mit ihrem Teil­wert und nicht mit den ursprüng­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten anzu­set­zen, und zwar auch dann, wenn zugleich die Vor­aus­set­zun­gen des § 6 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 Buchst. a EStG 2002 vor­lie­gen, die Antei­le also inner­halb der letz­ten drei Jah­re vor dem Zeit­punkt der Zufüh­rung ange­schafft wur­den. Müss­te die auf­neh­men­de Gesell­schaft die Antei­le den­noch mit den Anschaf­fungs­kos­ten anset­zen, käme es im Fal­le einer spä­te­ren Ver­äu­ße­rung der Antei­le zu einer erneu­ten Besteue­rung der in den ein­ge­leg­ten Antei­len ruhen­den, beim Ein­le­gen­den steu­er­lich gemäß § 17 Abs. 1 Satz 2 EStG 2002 bereits erfass­ten stil­len Reser­ven.

d) Des­sen unge­ach­tet weist der Streit­fall die Beson­der­heit auf, dass F die Betei­li­gung an der C-AG unmit­tel­bar vor der Ein­la­ge in die Klä­ge­rin gegen die Antei­le an der VA, von deren Grund­ka­pi­tal er 50 % hielt, getauscht hat. F hat damit die Antei­le an der VA i.S. des § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG 2002 ver­äu­ßert und im Gegen­zug die C-Akti­en ange­schafft (vgl. Gosch in Kirch­hof, a.a.O., § 17 Rz 105). Wer­den Antei­le im Wege des Tau­sches erwor­ben, ist Anschaf­fungs­preis der gemei­ne Wert der hin­ge­ge­be­nen Wirt­schafts­gü­ter (vgl. Gosch in Kirch­hof, a.a.O., § 17 Rz 206). Auch bei einer Bewer­tung der Ein­la­ge mit den Anschaf­fungs­kos­ten wäre –unter­stellt, die Antei­le der C-AG und der VA wären wert­gleich– dem­nach kein ande­rer Wert als der Teil­wert der C-Akti­en anzu­set­zen.

3. Die Vor­in­stanz hat eine abwei­chen­de Rechts­auf­fas­sung ver­tre­ten. Ihr Urteil war auf­zu­he­ben. Die Sache ist spruch­reif. Die Klä­ge­rin hat die Akti­en der C-AG mit 22 000 € bewer­tet. Dies ent­sprach den Anschaf­fungs­kos­ten, die F im Jahr 1999 für die Antei­le an der VA auf­wen­den muss­te. Soweit die­ser Ansatz den Teil­wert der C-Akti­en zum Zeit­punkt ihrer Ein­brin­gung unter­schritt, war er feh­ler­haft. Wie hoch der Teil­wert die­ser Antei­le tat­säch­lich war, bedarf jedoch im Streit­fall kei­ner Auf­klä­rung. Denn selbst wenn die Klä­ge­rin bei der Ver­äu­ße­rung der Akti­en für 347 900 € einen höhe­ren Preis als deren Teil­wert zum Zeit­punkt der Ein­la­ge rund sie­ben Wochen davor erzielt haben soll­te, wäre die­ser Gewinn gemäß § 8b Abs. 2 KStG 2002 steu­er­frei (vgl. all­ge­mein auch Gosch, KStG, § 8b Rz 349; Dötsch/Pung in Dötsch/Jost/Pung/Witt, Die Kör­per­schaft­steu­er, § 8b KStG Rz 171, m.w.N.). Der Teil­wert der C-Akti­en zum Zeit­punkt ihrer Ein­brin­gung ist nur für die Ermitt­lung des vom Bei­ge­la­de­nen erziel­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­winns gemäß § 17 Abs. 2 EStG 2002 bei des­sen Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zung von Bedeu­tung.

Infor­ma­tio­nen:

  • Akten­zei­chen: I R 3208
  • Gericht/Herausgeber: BFH