Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 2 vom 13. Janu­ar 2016

Erstat­tung uni­ons­recht­li­cher Abga­ben: Ver­zin­sung ab dem Zeit­punkt ihrer Zah­lung

Urteil vom 22.09.15 VII R 3214

Der VII. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat mit Urteil vom 22. Sep­tem­ber 2015 VII R 3214 ent­schie­den, dass uni­ons­recht­li­che Abga­ben, soweit sie zu Unrecht erho­ben wur­den und dem Abga­be­pflich­ti­gen des­halb zu erstat­ten sind, ab dem Zeit­punkt ihrer Zah­lung durch den Abga­be­pflich­ti­gen zu ver­zin­sen sind.

Die Klä­ge­rin des Streit­falls ist ein Zucker erzeu­gen­des Unter­neh­men, das für meh­re­re Wirt­schafts­jah­re eine auf Uni­ons­recht beru­hen­de markt­ord­nungs­recht­li­che Pro­duk­ti­ons­ab­ga­be zu zah­len hat­te. Die der Abga­ben­er­he­bung zugrun­de­lie­gen­de uni­ons­recht­li­che Ver­ord­nung zur Fest­set­zung der Pro­duk­ti­ons­ab­ga­ben im Zucker­sek­tor wur­de spä­ter vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) für nich­tig erklärt, weil die Metho­de der Abga­ben­be­rech­nung zu einer über­höh­ten Belas­tung der Zucker­er­zeu­ger geführt hat. Der Rat der EU trug die­sem EuGH-Urteil Rech­nung und erließ eine neue Ver­ord­nung, die zu einer für die Klä­ge­rin gerin­ge­ren Pro­duk­ti­ons­ab­ga­be führ­te.

Das beklag­te Haupt­zoll­amt erstat­te­te dar­auf­hin der Klä­ge­rin den zu viel ent­rich­te­ten Abga­ben­be­trag und berech­ne­te ab Rechts­hän­gig­keit, d.h. ab dem Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung, Zin­sen auf die­sen Erstat­tungs­be­trag. Die Klä­ge­rin ver­lang­te hin­ge­gen, Zin­sen bereits von dem Tag an zu berech­nen, an dem sie die Pro­duk­ti­ons­ab­ga­be ent­rich­tet hat­te.

Das im Streit­fall hin­sicht­lich der Fra­ge der Ver­zin­sung anzu­wen­den­de natio­na­le Recht, näm­lich die Abga­ben­ord­nung, sieht für den Fall, dass Abga­ben auf­grund einer gericht­li­chen Ent­schei­dung zu erstat­ten sind, vor, dass der Erstat­tungs­be­trag vom Tag der Rechts­hän­gig­keit an zu ver­zin­sen ist. Aller­dings hat der EuGH in einem Urteil vom 18. April 2013 ent­schie­den, das natio­na­le Recht dür­fe nicht dazu füh­ren, dass dem Abga­be­pflich­ti­gen eine ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung für die­je­ni­gen Ein­bu­ßen vor­ent­hal­ten wer­de, die er durch eine zu Unrecht gezahl­te uni­ons­recht­li­che Abga­be erlit­ten habe. Zin­sen auf Erstat­tungs­be­trä­ge müss­ten des­halb für den Zeit­raum berech­net wer­den, in wel­chem die Mit­tel dem Abga­be­pflich­ti­gen nicht zur Ver­fü­gung gestan­den hät­ten.

Der BFH hat kei­nen Grund gese­hen, im Streit­fall von die­ser EuGH-Recht­spre­chung abzu­wei­chen. Für den Fall, dass die Finanz­be­hör­den auf­grund einer gericht­li­chen Ent­schei­dung Abga­ben zu erstat­ten haben, wird daher für die Berech­nung der Zin­sen auf den Erstat­tungs­be­trag künf­tig zwi­schen uni­ons­recht­li­chen und natio­na­len Abga­ben zu unter­schei­den sein.

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